Wanne-Eickel-Historie


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Der Schlepper

Bergbau

"Kohlenwagen, waas liegs dazwischen?"


Die Bergleute, die in der Förderung das Wagenschieben besorgen, nennt man Schlepper. Zu ihnen gehörte auch Antek Mazinski. Die Sohlenstrecke in Flöz Dickebank hatte Gefälle zum Querschlag hin, und wenn Antek den Kohlenwagen in der Kurve nicht sachgemäß herumhielt, fiel er ihm unweigerlich dazwischen - wie der Fachausdruck heißt, - und zwar meistens mit den Vorderädern. Rums...! Da war er ihm wieder entgleist und lag käntig, das heißt: er war mit allen vier Rädern vom Gleis gesprungen. Was nun? Kein Mittel ließ Antek unversucht, die Förderstörung zu beseitigen. Mit einem Stempel, den er als Hebel benutzte, bemühte er sich, ihn wieder aufzustellen. Vergebens! Dann kantete er ihn, indem er sich mit dem Rücken gegen die Breitseite des Wagens stemmte. Auch das half nichts. Jetzt gibt er alle Hoffnung auf und jammert mit weinerlicher Stimme vor sich hin: "Lieber Herrgott, alles has du geschaffen, has Erden, Wasser, Kohlen und Antek geschaffen - aber diesen Wagen da schussst (schiebst) du nich!" Darüber kommt der Obersteiger.



"Worüm lirt dä Wagen dotüschen?" "Obberstäiger, da wäiß ich nich!" "Du sas mi Antwort grim, worüm dä Wagen dotüschen lirt!" "Da kann ich doch nich saggen!" Damit erfasste Antek, einer plötzlichen Eingebung folgend, die Kupplung am Wagen und rüttelt wie besessen an ihr herum: "Kohlenwagen, na zu waas liegs dazwischen? Saag! Obberstäiger will wissen!" Der Beamte kann sich des Lachens nicht erwehren, stellt Lampe und Meterlatte an den Stoß - und mit vereinten Kräften wird der Wagen wieder auf das Gleis gesetzt. Da strahlt Antek über das ganze Gesicht. "Lieber Gott, jetz kanns wieder Waggen schussen! Aber Antek schusst dem auch!" Mit diesen Worten schiebt Antek seinen Kohlenwagen weiter und beschleunigt sein Arbeitstempo, um den Zeitverlust wieder aufzuholen...






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Quelle: Dünbier Otto: Der Kumpel, Erster Band, Schnuren und Schwänke aus dem Bergmannsleben an der Ruhr, Düsseldorf 1933.
Illustriert von Wolfgang Draesner.



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