Wanne-Eickel-Historie


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Der Mond von Wanne-Eickel

Kunst und Kultur

Der Mond von Wanne-Eickel, ein Stück Heimatgeschichte


“Nichts ist so schön, wie der Mond von Wanne-Eickel, die ganze Luft ist erfüllt von ewigem Mai...“ tönte es 1962 aus den Musikboxen. Der „Mond-Song“, wie er heute bei Lokalpatrioten genannt wird, hat im Revier kaum an Popularität verloren. Das war nicht immer so!

Die damaligen Stadtväter reagierten am Anfang gekränkt und verärgert auf den „Gassenhauer“ von Friedel Hensch und den Cyprys. Verfolgte man doch seitens der Stadt eine andere Imagepflege, um das modernste Heilbad im Herzen des Ruhrgebietes, das Sol- und Thermalbad, als Werbeträger herauszustreichen.

Der Ursprung des Schlagers war im nordfranzösischen Kohlerevier, wo dieser Tango entstand („Un clair de lune à Maubeuge…“ aus der Feder eines Pariser Taxifahrer mit Namen Pierre Perrin). Da lag es nahe, bei der Übersetzung ins Deutsche die Kohlenstadt Maubeuge durch die Kohlenstadt Wanne-Eickel zu ersetzen. Doch wie kamen Friedel Hensch und ihr Ehemann Werner gerade auf den Namen Wanne-Eickel?

Fotonachweis: Friedel Hensch und die Cypris; Autogrammkarte (Original aus dem Archiv von Dennis Lehmann).

Klaviernoten aus dem Musikverlag, Rolf Marbot,
Hamburg-Winterhude.

Die Zeitzeugin Maria Stein, sie arbeitete im Jahre 1962 bei „Radio- und Fernseh-Fliegner“ auf der Hauptstraße in Wanne-Eickel, erinnert sich: „Es war im Sommer 1962, als sich Friedel Hensch und die Cyprys zu einer Autogrammstunde bei `Fliegner` ankündigten, um ihre neue Platte vorzustellen. Friedel Hensch war erstaunt über das viele Grün in der Stadt, hatte sie sich doch eine Kohlenstadt so nicht vorgestellt. Eher schmutzig und dunkel waren ihre Vorstellungen von Wanne-Eickel. Besonders angetan war sie von den Bergmannshäusern mit den gepflegten Vorgärten.“

In einem Gespräch nach der Autogrammstunde erzählte die Schlagersängerin, ihrem Fan Maria Stein, wie es zu dem Titel „Der Mond von Wanne-Eickel“ gekommen war:

Maria Stein (2. von links) arbeitete bei „Radio- und Fernseh-Fliegner“, damals Wanne-Eickels größter Plattenladen. Im Sommer 1962 lud "Fliegner" Friedel Hensch (3. von rechts) zu einer Autogrammstunde ein, um ihre neue Platte vorzustellen.



„Wir wollten den alten französischen Tango `Un clair de lune à Maubeuge` vertonen. Zunächst war der deutsche Titel `Der Mond von Buxtehude` geplant. Aber der Name war unpassend; denn für die Übersetzung ins Deutsche suchten wir eine Kohlenstadt, und damit der Text passte, musste die Stadt auch am Kanal liegen. Damit der Rhythmus stimmte, sollte die Stadt einen Doppelnamen tragen. So kamen Castrop- Rauxel und Wanne-Eickel in die nähere Auswahl. Da Wanne-Eickel besser in den Tango-Rhythmus passte und sich einfach besser singen ließ, entschieden wir uns für Wanne-Eickel.“


Original - Polydor, 1962.
A- Seite: Der Mond von Wanne-Eickel.
B- Seite: Was macht der Mann da, auf der Verande!

Anfang der 70er Jahre gibt es eine "Neuauflage" in Eigenregie.
A-Seite: Der Mond von Wanne-Eickel.
B-Seite: Ernst Schröder spricht Fred Endrikat.



Der „Mond-Song“ verbreitete sich schnell über die Grenzen der Stadt hinaus im Ruhrgebiet. In den ersten Tagen wurden weit über 5 000 Schallplatten verkauft. Fast schon zu spät erkannten die damaligen Stadtväter die Werbewirksamkeit dieser Platte und kauften 1966 rund 5 000 weitere Platten auf. Sie versahen sie mit einem eigenen Aufkleber – zur Erinnerung an Wanne-Eickel, überreicht vom Städtischen Presseamt – und schickten sie so als Werbeträger in alle Welt.

Anfang der 70er Jahre verstärkte man diesen Werbeträger. Er wurde in Eigenregie in einer Neuauflage herausgegeben. (A-Seite: Der Mond von Wanne-Eickel, B-Seite – hier wich man vom Original ab, anstatt: Was macht der Mann da, auf der Veranda? – sprach Ernst Schröder Verse von Fred Endrikat: „Gruß an die Rote Erde“, „Sommerfrische Besinnlichkeit“ oder „Die Bauchtänzerin“). Die Neuauflage fand reißenden Absatz.



Nach der Eingemeindung versuchte dann 1984 die Girl-Group „Luna Singers“ dem Evergreen in einer Rap-Version neuen Atem einzuhauchen. Den Vertrieb übernahm die Energie Musikproduktion aus Herne. Zur Werbeaktion wurde extra ein Stand auf der Cranger Kirmes angemietet. Die Platte erwies sich allerdings als Flop.



Produziert von Carl Blütig und Jupp Zunder für Energie
Musikproduktion, in Herne, Mont-Cenis-Straße 1.





Am Silvesterabend 1990 trug der „Mond von Wanne-Eickel“ einen Trauerrand. Im Alter von 84 Jahren verstarb die Chefin des 1954 gegründeten Trios „Friedel Hensch und die Cypris“. Der Lokalsender Herne 90,8 spielte ihr zu Ehren und für alle Fans als Erinnerung an eine erfolgreiche Schlagersängerin einen Tag lang „Nichts ist so schön, wie der Mond von Wanne-Eickel, die ganze Luft ist erfüllt von ewigem Mai...“

Die in Landsberg/Warthe geborene und in Berlin aufgewachsene Friedel Hensch sang zusammen mit ihrem Mann Werner Cyprys und Karl Geithner eine Reihe von Schlagern, die rasch ein Millionenpublikum fanden. Dafür stehen die Titel: "Ach Egon, Egon", "Holdrio liebes Echo", "Übers Jahr, wenn die Kornblumen blühen" und "Das alte Försterhaus".

Im Jahre 1994 stellte der Gelsenkirchener Freizeitsänger Michael Schön das humorige Lied von Friedel Hensch in neuer musikalischer Verpackung vor. Statt Tango-Takt bot er Disco-Beat, erstmals auf CD gebrannt. Wieder einmal war der „Mond von Wanne-Eickel“ in aller Munde. Das mittlerweile kultartige Exemplar konnte zwei Jahre lang im Media-Markt erworben werden, ehe es von der Musikszene verschwand.

Dass der Mond von Wanne-Eickel nicht nur als Lied, sondern auch als Likör in aller Munde ist, verdanken wir dem ehemaligen Weinhändler und Destillateur Daldrup. Seine Geschäftsräume befanden sich an der Ecke Post- und Hauptstraße in Wanne. Er hatte die Idee zu einem 32prozentigen Likör, den er: „Der Mond von Wanne-Eickel“ nannte. Das Etikett zierte im Hintergrund die Kulisse der Stadt, überragt durch den Mond, von Noten umrankt. Als das Destillationsgeschäft in der Poststraße schloss, war das auch für lange Jahre das Ende des beliebten Mitbringsels aus der Emscherstadt.

Als sich Herr Daldrup zur Ruhe setzte, verkaufte er seine Rechte an einen Weinlieferanten in Bernkastel-Kues. Im Jahre 1996 kehrte dann das Produkt „Der Mond von Wanne-Eickel“ zurück in die Heimat. Thomas Callen, Inhaber der gleichnamigen Brennerei, und der Getränkevertrieb von Siegfried Kern kauften die Lizenz zur Herstellung des Likörs auf und ließen damit den Mond wieder über Wanne-Eickel leuchten.




Viele Werbeblüten trieb der Klassiker von Friedel Hensch in Wanne-Eickel. So wurde Anfang der 90erJahre ein Mondschein-Sekt exklusiv nur bei der Firma „Akzenta“ an der Hauptstraße in Wanne angeboten. Auch die Konditorei Messner aus Eickel hat den Titel für eine süße Spezialität entliehen. Das halbmondförmige, mit Schokolade überzogene Gebäck, ist ein begehrtes Wanne-Eickeler Mitbringsel. Das Originalmodell der Form geht auf den Entwurf des Künstlers Günter Dworak zurück.


In satirischer Weise macht sich der Autor Hermann Baldus im Jahre 1997 in seinem zweiten „Statt-Krimi“, ein so genannter Groschenroman mit dem Titel: Die Dienstwagen-Affäre, Untertitel: Der Mond von Wanne-Eickel, die Werbewirksamkeit des Wanne-Eickeler Monds, zu nutze.

Autoaufkleber verraten es schon seit Jahren: Es ist etwas Besonderes, ein Wanne-Eickeler zu sein! Aus diesem Grunde komponierte im Juli 2001 Jürgen Halten, genannt Dr. Fiete, zusammen mit den Moon Girls eine neue „Hymne“, welche die Kraft des Wanne-Eickeler Mondes beschreibt. Die Rückseite des Covers ziert eine Zeichnung mit Mondmuseum und Mondhotel.


Zum Auftakt der 566. Cranger Kirmes griff auch Herne zu den Sternen. Auf einem Plakat leuchtete der Mond von Wanne-Eickel mit dem deutlichen Hinweis: Cranger Kirmes in Herne. „Wir feiern die Wiederentdeckung des Wanne-Eickeler Mondes“, war aus dem Rathaus in Herne zu vernehmen. Auch die schöne Mondgöttin Luna-Luna, die ein attraktiver Blickfang am Tag der Eröffnung der Cranger Kirmes war, erinnerte an das alte Kultlied.

Als dann am 4. August um 22.30 Uhr der Vollmond über Crange schien und das Lied der Wanne-Eickeler in allen Schaustellergeschäften erklang, waren alle Sorgen vergessen. Aus vollen Kehlen stimmten viele Kirmesgäste in das Lied ein, dabei spielte es keine Rolle, woher sie kamen.

Viele Bürger versuchten ein paar Tage später, den „Kult-Klassiker“ käuflich zu erwerben. Doch dieses musikalische „Highlight“ war nirgendwo zu bekommen. Wo hatte die Stadt Herne nur die CD her, die sie mit dem Cover des Plakates der 566. Cranger Kirmes an die Schausteller verteilte?

Auf die große Nachfrage für die CD und auf dass hier raus entstandene Problem, hat die Stadt Herne dann im Juli 2002 reagiert. Sie präsentiert den Kult-Klassiker „Der Mond von Wanne-Eickel“ als offizielle CD im Souvenirstand auf der 567. Cranger Kirmes. Aber vorher waren noch ein paar bürokratische Probleme zu lösen. Befanden sich die Lizenzrechte doch in den Archiven des amerikanischen Musikkonzerns "Universal", in den USA. Sie erteilte der Stadt Herne Ende 2001 die Rechte für eine limitierte Auflage der neu zu pressenden CD. Die gesamten Rechte für den Kult-Klassiker, lehnten der Musikkonzern „Universal“ aber ab.

Mit der Liebes-Fußball-Pose "Ronaldo & Julia" eröffnette der Mondpalast Wilhelmstraße 26, die Vorpremiere am 23. Januar 2004.

Ein Cover der besonderen Art präsentierte die Rock Band Good Vibration 2005. Sie zeigt den Frontmann Horst Schröder mit seiner Frau Sandra vor der Brücke am Rhein-Herne-Kanal. Der Mond, des Wanners "liebstes Kind" wurde mit dem Emscherpferd designt.


Das enorme Image „Der Mond von Wanne-Eickel“ erkannte auch Christian Stratmann, als er Anfang 2004 die Bühne des Saalbaus übernahm. Er nannte ab sofort das Haus in der Wilhelmstraße „Mondpalast von Wanne-Eickel“ und begann den Namen erfolgreich zu vermarkten. So verteilte der Marketing Fachmann Stratmann Postkarten mit dem Versprechen, die „Grüße aus dem Mondpalast“ auf Kosten des Hauses in aller Welt zu verschicken. Stratmanns Mondpalast, das einzige Volkstheater im Revier mit praller Ruhrgebietskomik, gehört heute zu der erfolgreichsten Bühne in NRW.

Auch die 1998 gegründete Wanne-Eickeler Rockband Good Vibration setzte im Jahre 2005 mit ihrer ersten Singel auf das enorme Image des Namens und Coverten den „Mond-Song“ in einer „neuen Version“, im Glamrock Stil und traten im Mai 2005 bei den Wanner Mondnächten, vor begeisterten Publikum erfolgreich damit auf. Der Kult-Song „Der Mond von Wanne-Eickel“, ein echtes musikalisches „Highlight“, der Rockband (www.goodvibration-music.de), darf heute schon in keinem gut sortierten Plattenschrank mehr fehlen.




Weitere Infos unter: www.goodvibration-music.de


Im Mai 2008 wird die Wanner Fußgängerzone zur Mondallee. Die Gestaltungsidee für die Einkaufsstraße: Mondleuchten und Mondlichtketten. Sie werden dauerhaft in der Innenstadt installiert. Desweiteren werden sichtbare Erkennungszeichen: "Willkommen auf dem Mond" an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet von Wanne aufgestellt. "
Wanne muss selbstbewusster werden", war die Aussage von Stadtmarketing Herne zur "Stadt mit dem Mond ".

Noch rechtzeitig zu den Wanner Mondnächten am 5. Juli 2008 präsentiert die "Kultband" Good Vibration vor begeistertem Publikum, erfolgreich den brandneuen Mond-Song: "Wir auf dem Mond",
ein weiteres musikalisches „Highlight“ der heimischen Rockband mit, Ernst Kammann, Reinhold Durand, Ulrich Diestelhorst und Frontmann Horst Schröder.




Rechtzeitig zur 574. Cranger Kirmes 2009 präsentierten die Wanner Ruhrpottkinder eine Neuinterpretation des Friedel Hensch Klassikers "Nichts ist so schön...". Hinter dem Quartett verbergen sich: Mike Thüner, Sascha Körte, sowie Nina Bergmann und Doreen Brosker. Warum ausgerechnet eine weitere Interpretation des Mondsongs? Ihre Antwort lautete kurz und bündig: "Das Mondlied ist eben Kult".





Der weltweite Wanne-Eickeler Mondmythos ist nicht tot zu kriegen und wird noch so manche Werbeblühte mit Erfolg treiben und den Namen Wanne-Eickel in aller Welt hinaus tragen.

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Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.
Weitere Infos unter: www.grafhotte.de


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