Wanne-Eickel-Historie


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Der Kaiserbrunnen

Gebäude

Einst ein „Monument wilhelminischer Pracht“


„Ein Monument wilhelminischer Pracht“, so bezeichnete der Wanner Amtmann Friedrich Winter den Kaiserbrunnen im Wanner Stadtgarten.

Der Kaisergarten, wie der Wanner Stadtgarten ursprünglich mal hieß, gehörte zu den Naherholungszielen der Wanner Bürger. Mit Kind und Kegel zogen sie sonn- und feiertags in die gepflegte Grünanlage direkt vor der Haustür. Gustav Hegler schrieb 1903 in „Eickel-Wanne einst und jetzt“: „Eine weitere, höchst nützliche und angenehme öffentliche Anlage ist der Volkspark, „Kaisergarten“ genannt. Derselbe ist mit einem Kostenaufwand von 124.977 Mark, wovon 66.477 Mark auf die Grunderwerbskosten kommen, angelegt. Die Größe beträgt 4 Hektar 84 Ar 10 Quadratmeter.“ Zu den Besonderheiten zählten der Rosengarten und das Cafe, in dem die Spaziergänger bei schönem Wetter draußen sitzen, sich bei Kaffee und Kuchen stärken konnten. Als es mit der Kaiserherrlichkeit nach dem Ersten Weltkrieg vorbei war, wurde der Park in Stadtgarten umbenannt.

Der „Kaiserbrunnen“ indes ist als Denkmal erhalten geblieben. Nur wenige Wanne-Eickeler sind heute mit der Deutungsgeschichte des „Kaiserbrunnens“ vertraut, der im Volksmund als Stadtgartendenkmal gilt. Gustav Hegler schrieb 1903 in seinen Aufzeichnungen: „Der Wanner Volkspark, „Kaisergarten“ genannt, ist eine höchst nützliche und angenehme Erholungsanlage.

Die Zierde der Volkseinrichtung ist der aus freiwilligen Beiträgen der Bürgerschaft erbaute Kaiserbrunnen, zu dem am 20. August 1898 der Grundstein gelegt, und der am 1. September 1901 unter Beteiligung der gesamten Bürgerschaft enthüllt wurde“.


Als am 20. August 1898, zum 25 jährigen Jubiläum des Krieger- und Landwehrverein Bickern-Crange der Grundstein gelegt wurde, nannte Hauptlehrer Camen von der Lutherschule in seiner von glühender Vaterlandsliebe erfüllten Rede den Kaiserbrunnen einen Quickborn. Ursprünglich war für die Grundsteinlegung der 6. August 1898 vorgesehen. Der Tod des Kanzlers Fürst Bismarck schob aber den Termin hinaus.

Die Anregung zur Errichtung des Denkmals kam im Jahre 1896 von Amtmann Winter. Nach Entwürfen des Düsseldorfer Bildhauers Arnold Frische wurde das Monument erbaut. Der architektonische Aufbau mit den vorgelagerten Grotten- und Teichanlagen ist als „Apotheose“ an das Hohenzollernhaus gedacht. Das von der goldenen Kaiserkrone überragte Denkmal hat eine Höhe von 15 Metern. Die auf der Vorderseite sitzende Figur stellt den Frieden dar. Aus den seitlich angebrachten Löwenköpfen sprudelte ein Wasserstrahl in die Brunnenschale. Von hier aus sprudelte das Wasser in ein vorgelagertes Hauptbassin und dann in den Teich, sodass Denkmal und Teich eine Einheit bildeten. Das Denkmal war auf der Vorderseite mit drei eingearbeiteten Bronzereliefs mit den Bildnissen der Kaiser Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. verziert. Des Weiteren war eine Gedächtnistafel für den 1870/71 gefallenden Soldaten Hülsmann aus Bickern angebracht. Ende 1923 wurden „von unbekannt gebliebener Hand“ über Nacht die Bronzereliefs entwendet.


Die Stellen blieben bis heute leer, wie die Mäuler der wasserspeienden Löwen.


„Ein Monument wilhelminischer Pracht“, der Kaiserbrunnen im Jahre 1915.


Mit Schrubber und Putzmittel rückten im November 1983 die Schüler Rüdiger Drees und Andreas Baranowski des Gymnasiums Wanne den Brunnen zu Leibe. Mit Bestürzung hatten sie das „herunter gekommene“ Denkmal schon seit längerer Zeit beobachtet. Es folgte ein Briefwechsel mit der Stadt Herne. Die Antwort kam prompt: Die Stadt habe für eine Reinigung kein Geld hieß es. Kurzer Hand packten die Schüler selbst an. Sie entfernten mit Hilfe des Löschzugs Bickern-Crange die Efeuranken vom Denkmal, die durch ihren Wildwuchs das Gestein bereits angegriffen hatten. Auch das Graffiti am Sockel des Denkmals, war den Schülern ein Dorn im Auge. Mit soviel Eigeninitiative hatte wohl die Stadt nicht gerechnet.


Mit Schrubber und Putzmittel rückten die Schüler Rüdiger Dress (links im Bild) und Andreas Baranowski den Pinsel-Sprüchen zu Leibe.

Der Löschzug Bickern-Crange ist den Schülern behilflich.
Fotonachweis: Walther Müller

Am 23. Februar 1988 war es dann soweit, die Untere Denkmalsbehörde der Stadt Herne nimmt den Kaiserbrunnen in die Denkmalliste auf. Ein Jahr später beginnt man mit den Restaurierungsarbeiten, die rund 100 000 Mark gekostet haben und im Dezember 1989 abgeschlossen waren. Im Frühjahr 1990 wurde dann eine von der Bezirksvertretung Wanne geforderte Mahntafel am Kaiserbrunnen angebracht.

Das Denkmal, das heute versteckt zwischen dem satten Grün der alten Bäume verschwindet, sieht wieder so aus, wie es die Schüler des Gymnasiums Wanne 1983 vorgefunden haben.


Ansicht des Denkmals im März 2009.














Die Zusatztafel bringt die Distanzierung
zum Kaiserhaus zum Ausdruck.



Die Inschrift der Bronzetafel lautet:

Der Kaiserbrunnen

Nach Entwürfen des Düsseldorfer Bildhauers Arnhold Frisch(e) gebaut, wurde am 1. September 1901 enthüllt. Das von der Wanner Bürgerschaft errichtete Denkmal verherrlichte die drei Hohenzollernkaiser Wilhelm I., Friedrich der III. und Wilhelm II., als Friedenfürsten.
Der Kaiserbrunnen ist eine historische Darstellung und ein Zeugnis seiner Zeit. Im geschichtlichen Rückblick ist die Bedeutung dieses Denkmals kritisch zu sehen. Die Innenpolitischen Erwartungen des Volkes auf demokratische Ordnung und sozialen Frieden wurde vom Kaiserhaus nicht erfüllt. Außenpolitisch verfolgte Wilhelm II. eine unverantwortliche Politik der Stärke die letztlich zum 1. Weltkrieg führte.

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Quellennachweis: Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, 1903. WAZ, August 1958, WAZ, Dezember 1983, WAZ, Dezember 1989. Unsere Stadt. Stadt Herne, Ausgabe 1988. Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel in alten Ansichten, 1992.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig



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