Wanne-Eickel-Historie


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Der Holzfäller und die weiße Frau

Geschichte

Der Holzfäller und die weiße Frau


Eine ältere Bäuerin aus dem Dorf Crange erzählte folgende Geschichte über das Herrenhaus Steinhausen:
"Ein Bauer aus dem Dorf Crange wollte mit seinen Nachbarn eines Tages mehrere Eichen im Steinhauser Wald schlagen. Er hatte sich bei Zeiten aufgemacht, um den Ort aufzusuchen, wo die kräftigsten Bäume stehen, und weil seine Nachbarn noch nicht am verabredeten Platz waren, so dachte er bei sich: `Willst einmal die Überreste des Herrenhauses aufsuchen.` An der Trümmerstelle des alten Herrenhauses angekommen, sieht er eine weiße Frau sitzen. Es ist ihm ein Schauer über den Rücken gelaufen bei dem Anblick der Frau. Doch habe er sich ein Herz gefasst, als diese ihm zuwinkt und ist zu ihr hingegangen. Die Frau wäre aber immer mehr zurückgewichen. So, sagte er, sei er an den Platz gekommen, wo sie still stehen blieb und er sie betrachtete. Auf einmal tat sich der Boden auf und die weiße Frau wäre plötzlich verschwunden gewesen. Später hätte er seine Nachbarn an diesem Ort herbeigeholt. Die hätten in dem Loch denn auch die starke hölzerne Kellertür gefunden. Einer von ihnen habe darauf den großen Schlüssel, der im Schlosse steckte, umgedreht und die Tür aufgestoßen. Im Keller aber sei nichts zu sehen gewesen außer ein paar alten Fässern mit Resten von Erbsen und Linsen. Einer von ihnen habe das Zeug mit nach Hause für die Hühner nehmen wollen, habe es aber liegen lassen, weil die anderen meinten, dass es dem Vieh schaden könne. Als sie später dies im Dorfe erzählt hätten, wären sie für dumm gescholten worden, und viele Cranger wären darauf nach dem alten Herrenhaus hin gelaufen, um das Gold und Silber zu holen, aber nicht einer habe die Kellertür im Loch und die Fässer mehr stehen sehen."












Im ostwärtigen Teil dieser Gegend, in der dieser Feudalsitz stand, befindet sich heute der Reiterhof "Gut Steinhausen".

Anmerkung:

Der Kern dieser Sage wird in vielen Teilen Westfalens erzählt, so z.B. wie in Wiedenbrück in der Nähe des Langenberger Tores. Hier waren es die glühenden Herdkohlen, die bei Vollmond später zu lauter Goldmünzen wurden. Oder in der Sage von Ludwig Bechstein, der Hirte am Inselberg, wo die Samenkapseln der Leinpflanze später zu blanken Goldfüchsen wurden. Alle diese Sagen haben zum Inhalt, dass der wahre Wert oft zu spät erkannt wird.

Dass dieses auch anders geht, zeigt eine Sage um einen Schuster auf Wanderschaft. Als er glaubte, dass seine Zeit den Rückweg anzutreten gekommen sei, fand er am Wegesrand ein Häufchen kleiner Lederstücke im Gras liegen. Der sparsame Schuster dachte: "Hm, willst sie mitnehmen, kannst sie doch noch da oder dort verwenden", raffte sie in sein Taschentuch und ging seines Weges. Aber plötzlich blieb er stehen, besah das Tuch und murmelte: "Hm, was ist das? Das Taschentuch wird mir schwerer und schwerer!" Er machte es auf und sah mit freudigem Schreck, dass die Lederstücke sich in lauter Goldstücke verwandelt hatten
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Quelle: Unveröffentlichtes Manuskript von Lührig, Heinrich: Vom Volk erzählt... Sagen aus Herne und Umgebung, Eine Sammlung von Sagen, Legenden, geschichtlichen Ereignissen und schelmischen Erzählungen, Nach Überlieferungen aus schriftlichen und mündlichen Quellen zusammengetragen und bearbeitet. Eickel 1999. S.110 ff.
Auszug aus dem Wettbewerbsbeitrag " Thema. Bild und Gestalt des Ruhrgebietes" ausgeschrieben vom Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher, im Rahmen des Geschichtsfestes "Historama Ruhr 2000 vom 24. Juni 2000 auf der Zeche Zollverein in Essen-Katernberg.

Fotonachweis: Archiv Heinrich Lührig.


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