Wanne-Eickel-Historie


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Der Hohenzollern Brunnen

Denkmäler

Hohenzollern-Brunnen auf dem Eickeler Markt


Am 13. November 1909 wurde der Hohenzollern-Brunnen auf dem Eickeler Markt eingeweiht. Der Platz wurde mit Bordsteinen von der Straße abgetrennt, der Platzrand durch Einfassungen mit Natursteinmosaikbändern belegt. Um ihn wurden 16 junge Bäume angepflanzt. Als Mittelpunkt der „Hohenzollern-Brunnen“ mit einer Brunnenfigur. Der Kostenaufwand hierzu betrug 20 000 Mark. Der Entwurf und die Ausführung stammen von dem Münchener Bildhauer Lorenz Schwind.


Am 13. November 1909 zur Einweihungsfeier, hatten die Häuser um den Eickeler Markt Festschmuck angelegt.

Fotonachweis: Bildstelle der Stadt Herne

Der Hohenzollernbrunnen mit Brunnenfigur,
vom Münchener Bildhauer Lorenz Schwind.


Der Brunnen war wie folgt angeordnet: Links und Rechts neben dem Rundbrunnen befanden sich Wasserauffangbecken. Sie wurden durch bronzene Wasserspeier gefüllt. Zwischen den angeordneten Wasserspeiern befanden sich je drei in Stein geschlagene plastische Abbildungen: aus der Landwirtschaft und Viehzucht, der Industrie und dem Bergbau, das Eickeler Wappen und der preußische Adler, sowie die Inschrift:

So klar wie dieser Brunnen,
so fest wie Felsenstein,
Hellstrahlend wie die Sonne
Soll märkische Treue sein!

In der Mitte des Brunnens stand eine alles überragende ca. 1,60 hohe, aus Bronze gegossene jungfräuliche Figur, die Arme in den Himmel gestreckt und in den Händen die Hohenzollernkrone haltend. Unter ihren Füssen befanden sich vier in Stein geschlagene Köpfe als Wasserspeier. Den Abschluss des Sockels bilden vier weitere Wasserspeier. Um das Gefälle des Marktplatzes auszugleichen, waren am Fuße des Brunnens Stufen angebracht.


Am 18. April 1940 die Brunnenfigur wird demontiert.

Der im Jahre 1998 neu gestaltete Eickeler Marktplatz, aufgenommen im März 2005.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Brunnenfigur ein Opfer des Zeitgeschehens. So wurde sie am 18. April 1940 demontiert und im Rahmen der „Metallspendenaktion“ zu Rüstungszwecke eingeschmolzen.

Übrig blieb der Torso des Brunnens, der im Juli 1960 der Spitzhacke zum Opfer fiel. Pläne zur Wiederherstellung der Brunnenfigur wurden von Seiten der Bevölkerung oft geäußert aber bis heute nicht realisiert.


Anekdoten über den Eickeler Markt


Die Brunnenfigur, von den Eickelern schon bald allgemein „Johanna Baltz“ – nach dem Inhaber des Geschäftes Butkamar – oder kurz „Jungfrau“ genannt, fand wegen ihrer „Nacktheit“ durchaus nicht den ungeteilten Beifall der Bürger. Aber so sehr über sie auch gescherzt wurde, sie behauptete ihren Standort. Um die „Jungfrau“ rankten sich viele Anekdoten, dass sie genügend Stoff für eine Broschüre liefern würden. Hierzu trugen die zwei Ortszeitungen in sensationeller Aufmachung bei.

Unmittelbar nach Enthüllung der „Jungfrau“ kursierte das Gerücht, der Herrenkonfektionär Sally Baum habe die Amtsverwaltung wegen Beleidigung verklagt, weil er sich stets die verlängerte Rückenpartie der Dame ansehen müsse, wenn er aus dem Geschäft auf den Marktplatz hinausschaue. Man solle sie wenigstens auf einen drehbaren Untersatz stellen, damit auch er ab und zu ihre Proportionen von der Vorderseite in Augenschein nehmen könne.

Die Brunnenfigur hatte aber nicht nur Freunde sondern auch Gegner. Wegen ihrer leichten Bekleidung hatten einige Bürger moralische Bedenken. Manche zogen ihr des Nachts sogar ein Hemd oder einen Unterrock an. Neben diesen Moralaposteln gab es auch viele Verehrer, die der „Jungfrau“ zu nahe traten.

Die leicht bekleidete „Jungfrau“ auf dem Brunnen wurde auch Zeugin vieler patriotischer Geschehnisse. Doch das hinderte sie nicht, ihre Farbe zu wechseln, als mit der Revolution die aus dem Westen heimgekehrten Soldaten durch die Gemeinde Eickel zogen. Die „Jungfrau Johanna“ wurde rot vom Kopf bis zu den Zehenspitzen. Wer ihr zu nächtlichen Zeit diesen Anstrich verpasst hatte wurde nie aufgeklärt. Ebenso ungeklärt blieb die Frage, ob es nun Schamröte war, weil die heldenhaften Gesänge wie „Haltet aus im Sturmgebraus“ jetzt nur noch wie hohle Phrasen klangen, oder ob die „Jungfrau“ damit ihre Sympathie für den Arbeiter- und Soldatenrat bezeugen wollte, der sich in der Wirtschaft Bönnebruch – jetzt Meistertrunk – eingenistet hatte.

Doch das blieb nicht der einzige „Sündenfall“. An einem schönen Sonntagabend im Jahre 1929 musste die „Jungfrau“ in aller Öffentlichkeit zugeben, dass sie gar nicht so standhaft war, wie ihre Betrachter vermuteten. Das war, nachdem einige Stammgäste der Gastwirtschaft „Zum Wilden Mann“ tüchtig gefeiert hatten. Angestachelt vom Wirt Caspar Beck stieg einer der Gäste, „Blau wie eine Haubitze“ zu der ehernen Jungfrau hinauf, um ihr einen Büstenhalter anzulegen. Und siehe da: Halb zog sie ihn, halb sank sie hin und plumpste mit ihrem stürmischen Verehrer in das voll gefüllte Wasserbecken. Dabei erlitt sie, im Gegensatz zu ihm, keine körperlichen Schäden, so dass sich die spätere Rechnung, die dem „Freier“ wegen groben Unfugs von Amts wegen zugestellt wurde, in Grenzen hielt. Das Ereignis aber war wochenlang Stammtischgespräch, wie die Tatsache, das Caspar Beck die Gunst der Stunde nutzte und sich an Stelle der Jungfrau, in Frack und Zylinder auf den Sockel stellte.


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Der Wirt Caspar Beck Beck, Gastwirtschaft „Zum Wilden Mann“, nutzte die Gunst der Stunde und stellte sich an Stelle der Jungfrau, in Frack und Zylinder auf den Sockel.

Quellennachweis: Gelsenkirchener Allgemeine Zeitung vom 15. 11. 1909. WAZ vom 12. 07. 1960. Wanne-Eickeler Zeitung vom 16. 04. 1940.
Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel, Ausflug in die Vergangenheit, 1984. Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel in alten Ansichten, 1992.

Lührig, Heinrich: DVD, Geschichte vor Ort: Schauplatz Eickeler Markt, 3/2006.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig



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