Wanne-Eickel-Historie


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Der Hof Heid(t)kamp

Höfe und Kotten

Der Hof Heid(t)kamp


Der Name "Heidkampsfeld" geht auf die alte Flurbezeichnung Bickern, Flur II, genannt Wanne
* zurück. Wie eine Einsicht in die alten Katasterkarten von 1823 und 1887 ergab, lag das Hofesgebäude Heid(t)kamp an der Ecke der heutigen Hauptstraße und eines Feldweges, der nach Storphof führte.

Ausschnitt der Urkatasterkarte der Gemeinde Bickern, aufgenommen vom Geometer Krause, im Juni 1823. Der Name Heidkampsfeld ist rot unterlegt und befindet sich in der alten Gemarkung Bickern, Flur II, genannt Wanne.

Der Hof Heid(t)kamp wird in den Chroniken als "ein Halb Hofener" bezeichnet. Das heißt, er nahm eine Mittelstellung zwischen einem Bauernhof und einem Kotten ein. Mit zwei weiteren Höfen lag er in der "Wande" (siehe auch: Woher stammt der Doppelname Wanne-Eickel). Das ist die älteste Flurbezeichnung der späteren Teilbauernschaft "Wanne". Der Name bezieht sich auf eine muldenförmige Senkung in der Landschaft, die bis 1897 ein Teil der Gemeinde Bickern war. In ihr entstand der Hof Heid(t)kamp. Man errichtete ihn auf einem Wege, der von der Bauernschaft Eickel, etwa 1 1/2 km südlich, nach Norden in die Cranger Heide führte.

Gemarkungskarte aus dem Jahre 1824. Der Hofname Heidkamp ist rot unterlegt. Robert Heitkamp, beauftragte Anfang der 1960er Jahre den Kunstmaler Edmund Schuitz mit der Umsetzung dieser Karte.

Kamp war im niedersächsisch-fälischen Sprachgebrauch* ein größeres, von einer Hecke umzäumtes Ackerstück. Dieses Kernstück des Hofes grenzte im Norden an die Cranger Heide. Und so lieferten Ackerland und Heideland die beiden Wortelemente für den Hof, der beiden seinen Namen verdankt: "Heid(t)-Kamp".

Welche geschichtlichen Zeugnisse gibt es vom Heitkampshof? Die drei Höfe in der "Wande" haben öfter ihren Besitzer gewechselt.
Im 13. Jahrhundert gehörte die Höfe zum Kloster Herdecke an der Ruhr. Dorthin waren die Pächter abgabepflichtig. In einem Liegenschaftsverzeichnis des Klosters werden die drei Höfe zum erstenmal urkundlich erwähnt (
tres domus prope Eclo - was soviel heißt wie Höfe bei Eickel).

In späteren Besitzverzeichnissen des Klosters aus dem 15. Jahrhundert werden die Höfe namentlich genannt: der "Heitkamphove", der "Kamphove" und der "Hove Osthusen". Desweiteren wird im Verzeichnis der Güter des Offiziums Wattenscheid aus dem Jahre 1411 das zinspflichtige Gut "up den Heitkamp" erwähnt. Im Schatzbuch der Grafschaft Mark wird 1486
* in Bickern ein "Heytkamp 2 ort nisi 6 1/2 stuver nil habet" (Heitkamp wurde also bei der ersten allgemeinen Landessteuer zu 2 Ort - 1 Ort = 1/4 Reichstaler veranlagt).

Im Meßkornregister der Bochumer Kirche wird im Jahre 1513
* Evert Heitkamp als Abgabepflichtiger für 1 Scheffel Meßkorn aufgeführt. Desweiteren wird in der Türkensteuerliste von 1542* wird ein "Heitkamp" genannt.

Im Jahre 1543 sind die abzugebenden Naturalien an die Äbtissin in Herdecke bereits in eine jährliche Geldrente umgewandelt. Der Heitkamp Hof zahlte im Jahr eine Goldmark. Auch im Türkensteuerregister des Amtes Bochum von 1598 wird ein "Heitcamp" erwähnt.


Einkünfteregister des Stiftes Herdecke von 1543. Die Eintragung: "It(em) them Heytkampe eyne marck geldes myn ffroüwe" ist rot unterlegt. Die Unterlagen werden im Staatlichen Archiv Münster, betreut durch das Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, unter: Herdecke, Akte XI, Nr. 1 aufbewahrt.

Im Jahre 1662 können wir aus einem Kaufvertrag folgendes lesen:
"Wir Adolf Henrich von Aschenburg zu Schonebeck und Anna Sybilla von Aschenburg gebohrne von Brabeck, Eheleute… verkaufen kraft dieses dem ehrengedachten Herrn Henrich Rotberg, deßen Hausfrau und Erben unsern Heitkampshoff im ampt Bochumb in der baurschaft Eikell gelegen mit seine ahn- undt zubehör vor eine sichere summ gelts…"

Im Feuerstättenverzeichnis von 1664
* wird in der "Baurschaft Bickeren" ein "Henrich Heidtkampf, ein halb Hovener, eine Feuerstelle" unter dem Grundherren "Aschenbroch zur Mahlenburg" genannt.

In den Urkunden des Hofes wechseln die Besitzer, der Erbpächter aber bleibt.

Zu verschiedenen Zeiten taucht der Name Heitkamp in Verbindung mit dem Hof auf. Wir finden ihn aber auch in unterschiedlichen Schreibweisen über die Emscherlandschaft verbreitet: "Heytkamp", "Heidkamp", "Heitdkamp", "Heidtkampf", "Heitcamp".

Im Jahre 1678 unterzeichnet Gert Heitkamp für den Hof eine Vereinbarung der Weidegenossen
* über die Bewirtschaftung des Emscher Bruches. Nach 1755 wird der Hof Eigentum der beiden Eickeler Bauernfamilien Langebeckmann (siehe auch: Langebeckmann`s Hof) und Siembeck. Dr. Günther Höfken berichtet, dass die beiden Familien den Hof nicht geteilt haben, sondern " dem aufsitzenden Heitkamp in Erbpacht weitergegeben haben".

Als es auf dem Heitkamphof im 18. Jahrhundert keine männlichen Erben mehr gab, heiratete ein Scharpwinkel in die Familie ein und nannte sich Scharpwinkel, genannt Heitkamp. Nach einem weiteren halben Jahrhundert wurden die Höfe der Sippe vermutlich zusammengelegt.

Ein Teil des Grundbesitzes wurde 1870 für den Bau des Bahnhofes Wanne verkauft. Den Bahnanlagen musste das alte Hofgebäude geopfert werden. Es lag an der heutigen Hauptstraße, genau an der Stelle zwischen den beiden Eisenbahnunterführungen, und zwar an der östlichen Seite auf der Parzelle Flur II 197, also an der Ostseite des von Eickel nach Bickern führenden Weges.

Das "Heitkampsfeld" erstreckte sich im wesentlichen südlich des Hofgebäudes. Auf diesem Gelände gründete Engelbert Scharpwinkel, genannt Heitkamp, im Jahre 1892 die Bauunternehmung Heitkamp. Auf dem Heitkampfeld wurde das Verwaltungsgebäude der Firma errichtet.


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*Anmerkung:

Die Bezeichnung "in der
Wanne" hat bei der Betrachtungsweise mit dem hochdeutschen Wort "Wanne" nichts zu tun. Zur Zeit der Katastervermessung, etwa zwischen 1820 und 1830, wurde in unserer Gegend noch plattdeutsch gesprochen, und in dieser Sprache hieß es "in dä Wanne". So habe es die Landmesser aufgenommen und in ihre Karten eingetragen, weil sie, aus anderen Landstrichen Preußens kommend, das hiesige Platt nicht verstanden. Ins Hochdeutsche übertragen aber hätte es "in der Wande" geheißen. In dieser Form kennen wir die Flurbezeichnung aus den Urbaren der Abtei Werden. Niedersächsisch-fälischen Sprachgebrauch - das Westfälische zählt zu den niedersächsischen Mundarten (Dialekt). Weitere Infos unter:

http://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/germanistik/lehrende/spiekermann_h/programmheft_westfalen.pdf

Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark.

Dr. Höfken, Günther: Messkornregister aus dem Jahre 1513. Weitere Infos unter: https://www.bochum.de/C125708500379A31/vwContentByKey/W27CQCF4579BOLDDE

Türkensteuerliste war eine allgemeine Vermögens- und Kopfsteuer, welche zur Deckung der Kosten einer dem Kaiser Friedrich III. gegen die "ungläubigen Türken" zu leistenden bewaffneten Hilfe erhoben wurde. Das sogenannte "Türkengeld" wurde am 10. März 1481 ausgeschrieben, und sollte "nur mit Rat und Wissen derer, so von den Landen hierzu geordnet, ausgegeben und gebrauchet werden."
Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden.

Dr. Höfken, Günther: Weidegenossen. Alte Markenwälder in der Umgebung von Bochum. Weitere Infos unter: https://www.bochum.de/C125708500379A31/vwContentByKey/W27CNDK8632BOLDDE

Der Hof vererbte sich vom Vater auf den Sohn, und wenn die männliche Geschlechterreihe erloschen war, nahm der Ehemann der Erbtochter den alten Namen des Hofes an.


Quellennachweis:
Schulte, Eduard: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel).
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.

Schulte, Eduard: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664.
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.

Das Türkensteuerregister von 1598 für das Amt Bochum, herausgegeben von J. Bauermann, Wittener Jahrbuch 1937.
Daniels, Johannes: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Eickel. Wanne-Eickel, 1927.
Chronik der Bauunternehmung Heitkamp: 75 Jahre Heitkamp 1892-1967.
Schulte, Eduard: Geschichtsbilder der Rittersitze Crange im Emscherbruch und Weitmar bei Bochum. Wanne-Eickel 1977.

Bildnachweis:
Bildarchiv der Stadt Herne. Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.
Sammlung Heinrich Lührig.


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