Wanne-Eickel-Historie


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Der Geist am Wegesrand

Geschichte

Der Geist am Wegesrand


In der Mitte des 19. Jahrhunderts, wie ältere Bürger nach der Überlieferung ihrer Väter erzählten, trieb ein Geist am Wegesrand der Dorstener Chausseestraße zwischen Holsterhausen und Crange sein Unwesen. Es war kein böser Geist. Vielmehr versuchte er aber, den Menschen allerhand Schabernack zuzufügen. Über seine Streiche wird wie folgt berichtet:

Ein Bursche von etwa zwölf Jahren durfte seinen Vater auf einer Fahrt nach Gahlen auf einem Pferdefuhrwerk begleiten. Als beide in Höhe Holsterhausen angelangt waren, sah der Vater am Wegesrand eine schöne Fußbank stehen. Er hieß seinen Sohn absteigen um dieselbe zu holen. Der Bursche stieg vom Fuhrwerk ab und schaute sich nach der Fußbank um, sah aber keine. Da stieg der Vater selber vom Fuhrwerk und griff danach. Er hatte jedoch nichts in den Händen, fühlte aber einen heftigen Schmerz, als ob die ganze Hand verbrannt wäre. Der Vater machte nun schnell kalte Umschläge, um die Hand zu kühlen. Als sie am anderen Tag ihren Weg frühmorgens fortsetzen und die Umschläge erneuern wollten, war die Hand wieder heil. Man sah nichts mehr von einer Verbrennung, auch später spürte der Vater keinen Schmerz mehr.

In einer weiteren Erzählung wird berichtet:
Zwei Männer waren von Crange aus mit einem Pferd auf dem Weg nach Gelsenkirchen Buer, um es dort auf einem Bauernhof abzuliefern. Auf dem Weg dort hin, brannte einer der Männer sich eine Zigarre an. Als sie nun die Fleuthe im Resser Wald überquerten, kam ihnen auf der Brücke ein Mann entgegen und bat um Feuer. Der Raucher gab es ihm bereitwillig. Beim Zusammenhalten der Zigarren explodierten dieselben. Das mit geführte Pferd erschrak durch den Knall so heftig, dass es erst am Ziel zum Stehen gebracht werden konnte.

In einer anderen Legende heißt es:
Ein Lehrbursche fuhr mit seinem Lehrmeister ins Vest Recklinghausen um Holz zu holen. Unterwegs hielt der Meister an und sagte zu seinem Lehrburschen: "Geh, steig ab, dort liegt eine Geldbörse!" Der Lehrbursche stieg ab, sah aber nirgends eine Geldbörse liegen. Nun ging der Meister selbst dort hin. Als er zugriff, hatte er einen großen, Frosch in der Hand. Zugleich ertönte ein Lachen, ohne dass jemand zu sehen war.


Historische Anmerkung:

Schon vor über 200 war die Dorstener Straße ein Hauptverkehrsweg für den Kohlentransport nach Gahlen und hieß daher auch Gahlensche Kohlenstraße. Der erste Ausbau wurde 1763 von Bochum-Stiepel über die jetzige Bochumer Kohlenstraße nach Eickel, weiter über eine Brücke, über die Emscher bei Crange in Richtung Buer, Erle, an Dorsten vorbei zum so genannten Kohlenhaus am Lippehafen bei Gahlen geführt. Der Ausbau der Strecke war 1769/70 beendet. In den Jahren 1849-1854 wurde die Strecke zur Dorstener Chaussee ausgebaut. Die Straße erhielt eine Breite von 8,6 Meter. Außerdem entstanden auch neue Brückenkonstruktionen. So ist die Steinbogenbrücke über die einstige Fleuthe im Resser Wald ein Zeugnis dieser Baumaßnahme am Gahlenschen Kohlenweg. Bei der Steinbogenbrücke über die einstige Fleuthe handelt es sich um ein Brückenbauwerk aus Quadersteinen, die früher einmal die Fleuthe als Nebenfluss der Emscher, überspannte. Die Brücke trägt im Schlussstein des Bogens die Jahreszahl 1853/15.1. Einst diente sie dem Herrn von Schloss Grimberg als Zollstelle. Die Brücke liegt teilweise auf Gelsenkircher, teilweise auf Wanne-Eickeler Gebiet; die Grenze verläuft etwa in der Mitte des Bauwerks. Eine weitere Zollstelle befand sich bis Ende 1874 in der Nähe von Schloss Nosthausen bei Eickel, dort befand sich ein Schlagbaum an der Lönsmühle. Dort entrichtete man Wegegeld. Nach den Begradigungen der Wegstrecke Anfang des 20. Jahrhunderts kann man die heutige Bundesstraße 226 als modernen Nachkommen des alten Gahlenschen Kohlenwegs bezeichnen. Mehrere Gasthäuser entlang der Dorstener Straße zeugen noch heute von den Aufenthaltorten der damaligen Fuhrleuten, die mit Pferd und Wagen hier vorbeizogen und gern einkehrten.


Die Steinbogenbrücke über den heute ausgetrockneten Nebenfluss der Emscher, die Fleuthe. Die Brücke knapp sechs Meter breit und sieben Meter lang steht seit 1992 unter Denkmalschutz und wurde am 14. Mai 1994 nach umfangreichen Instandsetzungsarbeiten der Öffentlichkeit übergeben.

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Quelle: Unveröffentlichtes Manuskript von Lührig, Heinrich: Vom Volk erzählt... Sagen aus Herne und Umgebung, Eine Sammlung von Sagen, Legenden, geschichtlichen Ereignissen und schelmischen Erzählungen, Nach Überlieferungen aus schriftlichen und mündlichen Quellen zusammengetragen und bearbeitet. Eickel 1999. S.151 ff.
Auszug aus dem Wettbewerbsbeitrag " Thema. Bild und Gestalt des Ruhrgebietes" ausgeschrieben vom Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher, im Rahmen des Geschichtsfestes "Historama Ruhr 2000 vom 24. Juni 2000 auf der Zeche Zollverein in Essen-Katernberg.
Fotonachweis: Archiv Heinrich Lührig


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