Wanne-Eickel-Historie


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Der Emscherbrücher

Denkmäler

Das Standbild der „Emscherbrücher“


Dem letzten Emscherbrücher Wildpferd wurde am Samstag, den 23. April 1960 vor dem Städtischen Altenheim „Flora Marzina“ an der Heidstraße ein Denkmal gesetzt.

Die Idee dazu regte der Bauunternehmer Heinrich Heitkamp, Chefarzt Dr. Emil Koch und Hafendirektor Regierungsbaurat Karl Wehrspan 1928 an. Der damalige Ausschuss fertigte zwar Pläne an, aber die Zeitentwicklung verhinderte ihre Realisierung. Dr. Koch, der eine kleine Bronzeplastik eines Wildpferdes besaß, wollte nach diesem Entwurf ein Denkmal für den Ehrenfriedhof des Knappschaftskrankenhauses in Buer errichten lassen. Doch auch hier blieb es nur bei der löblichen Absicht. Bei einem Besuch der drei Pohlbürger, zur Cranger Kirmes im Jahre 1956, wurde der Plan zur Denkmalserstellung erneut aufgegriffen. Bauunternehmer Heinrich Heitkamp 1879-1964) ließ hierzu eine 45 cm hohe Bronzefigur des letzten Emscherbrüchers anfertigen.

Am 01. Dezember 1956 schrieb der Kunstbildhauer Gustav Müller-Blankenstein an Oberstadtdirektor Dr. Elbers wie folgt:

Da ich mich seit über 19 Jahren mit dem Studium des letzten Wildpferdes Emscherbrücher beschäftige, glaube ich einige Anmerkungen anführen zu dürfen. Der letzte Emscherbrücher, der in dem dortigen Bruch seine Heimat hatte, bildet für eine künstlerische Gestaltung einen ausserordentlich wertvollen, heimatgeschichtlichen Hintergrund. Darum könnte der Emscherbrücher zu einer sehr bedeutenden, kulturellen und heimatgeschichtlichen Gestaltung führen, die nicht nur für die Heimat Wanne-Eickel, sondern für unsere weitere westfälische Heimat von besonderer Bedeutung sein würde.


Der bronzene Entwurf für das Standbild.

Die Düsseldorfer Kunstgießerei Bischof.
Auf dem Bild links, August Bischof und einer seiner Mitarbeiter.

Ein Standort zur Aufstellung war schnell gefunden – der Sportpark in Wanne-Süd. Er sollte das Standbild von allen Seiten gut sichtbar aufnehmen. Im August 1959 schrieb die WAZ hierzu folgendes:

Über den Standort des Denkmals vom letzten Emscherbrücher ist ein kleiner Streit ausgebrochen. Gewerbeoberlehrer Kaspar Müller setzte sich dafür ein, dass das Denkmal nach seiner Vollendung dort stehen soll, wo es seiner Meinung nach hingehört: in Crange, und zwar auf dem Strickplatz
(Verlängerung Rathausstraße über die Dorstener Straße auf den Kirmesplatz).

Nach kontroversen Diskussionen entschied man sich dann für den Standort Städtisches Altenheim „Flora Marzina“ an der Heidstraße. Die WAZ schrieb über die Denkmal Enthüllung:

Vor Interessierten Zuschauern, darunter auch Oberbürgermeister Edmund Weber spielte sich vor dem Städtischen Altenheim eine gewichtige Angelegenheit ab. Per LKW traf der Bronzeguß nach über zweistündigem Transport aus Düsseldorf um 11.22 Uhr ein. Alles ging wie am Schnürchen. Feuerwehrmänner dirigierten mit Fingerspitzengefühl den strammen Burschen auf seinen Platz. Maurer füllten das mit Fourniereisen versehene Innere des Sockels bis zum Rand mit Speis. Dann senkten sich sechs Schraubenbolzen an der Platte unter den Hufen des Emscherpferdes in den Zementbrei. Eine Stütze unter den Knien des sich bäumenden Rosses verleiht solange Halt, bis das Standbild auf den Hinterbeinen fest steht, verankert im Beton unter den Hufen.


Denkmalsmontage vor dem Altenheim in der Heidstraße.


„Möge dieses Standbild über unsere Heimatstadt hinaus ein Symbol für unsere westfälische Heimat sei.“ Mit diesem Wunsch enthüllte Oberbürgermeister Edmund Weber das Denkmal. Die Bergmannskapelle der Zechen Hannover und Hannibal spielten auf. Mit dem Westfalenlied klang die Feierstunde vor dem Rathaus aus. Für die Ehrengäste – Oberstadtdirektor Hufeld, Stadtkämmerer Steffen, Bauunternehmer Heinrich Heitkamp, Bildhauer Gustav Müller-Blankenstein, August Bischof und viele andere – gab die Stadt im städtischen Saalbau in der Wilhelmstraße einen Empfang. In einem Gespräch mit Vertreter von Rat und Verwaltung zitierte der Bildhauer Müller-Blankenstein den verstorbenen Chefarzt Dr. Emil Koch, in dem ein Bild des Emscherbrüchers gegeben wird:

„Mak mie blos nich sonen Ponni van Dülmen, ät maut dat richtige, knorrige und knochenstarke Wildroß sein.“


Das Standbild des „Emscherbrücher“ vor dem Altenheim
„Flora Marzina“ an der Heidstraße, aufgenommen im Juni 1964.

Der Kunstbildhauer Gustav Müller- Blankenstein aus Hagnen in Westfalen, schuf für 13 500,- DM
das Standbild der „Emscherbrücher“, aufgenommen im August 2008.


Das 650 Kg schwere bronzene Standbild zeigte ein auf den Hinterhufen aufrecht stehendes, wuchtiges, gedrungenes Wildpferd, mit dichter, langer Mähne und kräftigen Hufen auf einen 1,50 Meter hohen runden Sockel aus rotem Kieselsandstein.


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Quellennachweis: Westfälische Rundschau vom 08. Februar 1957. WAZ vom 28. August 1959. WAZ vom 20. April 1960.
WAZ vom 25. April 1960. Brief vom 01. Dezember 1956 von Gustav Müller-Blankenstein an Oberstadtdirektor Dr. Elbers.

Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig


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