Wanne-Eickel-Historie


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Das Postamt Röhlinghausen

Gebäude

Das Postamt Röhlinghausen in Westfalen


Am 1. April 1886 wurde eine Posthilfsstelle beim Wirt Heinrich Wiesmann in Röhlinghausen eingerichtet, die sich ab 1. April 1889 Postagentur nannte. Die Verbindung mit Wanne stellte ein täglich zweimal verkehrender fahrender Landbriefträger her. Die Postagentur erhielt die amtliche Bezeichnung: „Postagentur Königsgrube“. Es war nichts besonderes, dass man damals anstelle der Gemeindenamen postalische Zechennamen verwendete. Es unterstrich die Tatsache, dass die Bergwerke in den Gemeinden des Ruhrgebiets bekannter waren und mehr als die einzelne, kleine Gemeinde das Sagen hatten.

Poststempel von 1889, 1906 bis 1926.


In den Orten, wo die Zechen Unser Fritz, Bismarck, Hugo und König Ludwig lagen, war es ebenso. Am 1. April 1890 übernahm der Zechenkontrolleur Wilhelm Düppe von der Bochumer Straße die Leitung der „Postagentur Königsgrube“, die er bis zum 30. September 1891 verwaltete. Am 1. Oktober 1891 wurde diese Postagentur in ein Postamt umgewandelt und zog in das Haus des Rentners Wilhelm Schulte in der Violinstraße, der heutigen Burgstraße. Nach Wanne und Unser Fritz war das Postamt Königsgrube das dritte im Amt Wanne.

Der erste Postverwalter hieß Hermann Hoppe, ihm folgte Oberpostassistent Wilhelm Scharpwinkel. Dann übernahm der bisherige Feldwebel im Kaiserlichen 13. Infanterie-Regiment Edwin Flugmacher die Verwaltung. Dieses ist darauf zurückzuführen, dass längerdienende Berufssoldaten nach ihrem Ausscheiden aus der Armee häufiger eine lebenslange Anstellung im Staatsdienst erhielten.

Da einige Gemeindevertreter beabsichtigten, im westlichen Teil von Röhlinghausen, in der Nähe der Eisenbahnlinie Gelsenkirchen-Wanne, ein zweites Postamt einzurichten, ordnete die Postbehörde an, im Mittelpunkt des Ortes ein Postamt mit dem Namen „Röhlinghausen“ zu erbauen. Um Verwechslungen mit ähnlich lautenden Ortsnamen zu begegnen, wurde für das neue Postamt die Bezeichnung „Röhlinghausen/Westfale“ festgesetzt. Für den Bau eines Mietsgebäudes wurde im Herbst 1895 in der Heinrichstraße der Grundstein gelegt. Hauseigentümer war der Gutsbesitzer Heinrich Stratmann. Im Herbst 1896 zog die Post in das neuerbaute Mietpostgebäude ein. Dieses Haus erhielt später die Adresse Bochumer Straße 228, heute Edmund-Weber-Straße 228. Dort befand sich die Poststelle mit der Bezeichnung „Postamt Herne 24“ bis Ende 1999.

Die Bediensteten des Röhlinghauser Postamtes im Jahre 1899. Obere Reihe von links nach rechts: Johann Brünger, Heinrich Heckmann, Heinrich Herwig, Stratemeier, Wilhelm Rose. Untere Reihe in der Mitte Postmeister Edwin Flugmacher. Die Depeschenboten links und rechts des Postmeisters sind nicht bekannt.

Am 28. April 1915 teilte die Oberpostdirektion Dortmund dem Postamt Röhlinghausen mit, dass sie beabsichtige, in einem neuen Aufgabestempel den bisherigen Zusatz „Westf.“ in „Kr. Gelsenkirchen“ umzuändern, weil der Name von Provinzen wegen der räumlichen Ausdehnung als zusätzliche Bezeichnung wenig geeignet seien. Gegen diese Absicht wandte sich der damalige Amtmann des Amtes Wanne Weiberg in seinem Schreiben vom 1. Mai 1915:

„Wie mir von Röhlinghausen aus mitgeteilt ist, wird beabsichtigt, die postalische Bezeichnung „Röhlinghausen in Westfalen“ in Röhlinghausen Kreis Gelsenkirchen umzuändern. Ich muss gegen eine derartige Absicht im Interesse der Röhlinghauser Bürgerschaft auf das Entschiedenste Verwahrung einlegen, da eine derartige Änderung eine erhebliche Verschlechterung in Bezug auf die Postbestellung bedeuten würde.

Röhlinghausen ist mit der Bahn von Gelsenkirchen nur über Wanne erreichbar und erhält die Post entweder von der Eisenbahnstation Bochum oder von Wanne aus zugestellt. Die Änderung der Bezeichnung in „Röhlinghausen Kreis Gelsenkirchen“ würde aber zur Folge haben, dass ein großer Teil der Postsendungen die Richtung auf Gelsenkirchen zu nehmen, dann eine Zurückleitung nach Wanne und hier eine nochmalige Umleitung nach Röhlinghausen erleiden würde. Auf diese Weise würde für viele Teile ganz erhebliche Verspätung in der Postzustellung eintreten, die bisher in der Regel doch nur dann entstanden sind, wenn die Ortsbezeichnung Röhlinghausen undeutlich geschrieben oder mit ähnlichen Ortsbezeichnungen wie Röllinghausen Kreis Recklinghausen oder Rellinghausen bei Essen verwechselt wurde.

Um dies zu vermeiden und den schnellsten Weg der Zustellung zu erreichen, muss die postalische Bezeichnung „Röhlinghausen bei Wanne“ lauten. Diese Bezeichnung würde auch den althergebrachten Gewohnheiten und der ganzen Entwicklung des Gemeindewesens Röhlinghausen entsprechen, da Röhlinghausen politisch stets zu Wanne gehört hat. Eine Umänderung in „Röhlinghausen Kreis Gelsenkirchen“ würde in der ganzen Bürgerschaft einen entschiedenen Widerstand erfahren. Deshalb wiederhole ich hiermit ausdrücklich den Antrag, die postalische Bezeichnung „Röhlinghausen bei Wanne“ abzuändern, da tatsächlich wiederholt Störungen der Postzustellung bekannt geworden sind, dadurch hervorgerufen, dass der Name Röhlinghausen mit Röllinghausen oder Rellinghausen verwechselt wurde. Auch die Bezeichnung „Röhlinghausen in Westfalen“ hat sich nicht als praktisch erwiesen, da Röllinghausen Kreis Recklinghausen auch in Westfalen liegt.
gez. Amtmann Weiberg“


Die Oberpostdirektion Dortmund hat jedoch mit Verfügung vom 15. Mai 1915 von einer anderweitigen Bezeichnung des Postamtes Röhlinghausen (Westfalen) abgesehen und zur Begründung angeführt, dass die Bezeichnung „Röhlinghausen bei Wanne“ Fehlleitungen auf das Postamt Wanne und damit Verzögerungen in der Beförderung der nach Röhlinghausen bestimmten Postsendungen unvermeidlich seien. Kurzer Zeit später wurde dann ein Kreisstempel mit Bögen oben und unten herausgegeben, wobei in weiterer Abänderung zu dem früheren Stempel die Abkürzung (Westf.) am unteren Kreisrand, flankiert von zwei Ziersternchen, angebracht worden ist.

Nahezu 28 Jahre später, genauer gesagt am 1. April 1924, wurde das Postamt Röhlinghausen in eine Zweigstelle des Postamtes Wanne 1 umgewandelt und erhielt die Bezeichnung: „Wanne 3“. Die gesamte Zustellung ging auf das Postamt Wanne 1 über. Bereits zwei Jahre später wurde aus dem Zweigpostamt „Wanne-Eickel 3“, denn am 1. April 1926 wurde die neue Stadt Wanne-Eickel gegründet.

Das Kaiserliche Postamt um 1900.

Das Postamt „Herne 24“, Edmund-Weber Straße 228, im Jahre 1996.

Die Belegschaft des Postamtes stieg von zwei Beamten im Jahre 1892 auf sieben im Jahre 1902 an. Im Jahre 1899 wurde die Tätigkeit der fahrenden Landbriefträger eingestellt. Ab 1. März 1899 trat die Bahnpost Wanne-Bochum in Kraft. Röhlinghausen hatte ab 1893 einen Eisenbahnanschluss, der Bahnhof Röhlinghausen. Der Landbriefträger Gustav Hegler aus Eickel berichtet in seinem Buch „Eickel-Wanne einst und jetzt“ u.a. dass im Jahre 1902 von Röhlinghausen 103.941 Briefe, Postkarten und Drucksachen, 5.306 Pakete, 804 Telegramme und 1.232.118 Goldmark per Postanweisung in alle Welt verschickt wurden. In Röhlinghausen kamen im gleichen Jahre folgende Postsendungen an: 261.534 Briefe, Postkarten und Drucksachen, 14.430 Pakete, 1.047 Telegramme und 188.201 Goldmark per Postanweisung.

Mit der Eröffnung des neuen Postgeschäfts am 1. April 2000 im Edeka Neukauf-Markt an der Edmund-Weber-Straße 190/194 hat das „alte Postamt“ einige Hausnummern weiter ausgedient. Der Briefkasten zwischen Bürgersteig und Parkplatz signalisierte die neue Filiale. Ganze vier Jahre hielt sich die Partner-Filiale im Edeka Neukauf-Markt an der Edmund-Weber-Straße, ehe sie am 1. Februar 2004 die Straßenseite wechselte und einige Hausnummern weiter zog. Als eine „Sicherung für den Poststandort Röhlinghausen“ bewertet die Deutsche Post AG den erneuten Umzug, diesmal zur Edmund-Weber-Straße 215, in das Schreibwarengeschäft von Hubert Wieczorek.

Die Postagentur, im Schreibwarengeschäft von Hubert Wieczorek, Edmund-Weber-Straße 215.

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Quellennachweis:
Lührig, Heinrich, Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne III, Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion Erlauscht und erlebt, gesammelt und nacherzählt, S. 141 ff., 1995.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig


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