Wanne-Eickel-Historie


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Das Kaiserliche Postamt Wanne

Gebäude

Die Entstehung des Postwesens in Wanne


Der heutige Stadtteil Wanne war vor vielen Jahren noch ein richtiges Ackerdorf mit Höfe und Kotten. Rund 2000 Bürger lebten in der Gemeinde, die sich damals noch Bickern nannte. Um diese Zeit waren hier die Postverhältnisse katastrophal. Wer ein Brief oder Telegramm aufgeben wollte, ging in die Nachbargemeinde Eickel, wo bereits seit 1864 eine Posthalterei existierte.

Mit der Eröffnung des Güter- und Personenbahnhofs im Jahre 1872, der Wanne zu einen der bedeutenden Eisenbahnknotenpunkte machte, errichtete die Postverwaltung am 23. Mai desselben Jahres ein Postamt, welches jedoch nicht den Namen der Gemeinde Bickern, sondern die Bezeichnung des neuen Bahnhofs "Wanne" erhielt.

Das Postamt befand sich ein halbes Jahr lang im Haus des Gastwirts Wolters an der ehemaligen Bahnhofstraße, heute Hauptstraße. Das Haus stand im Bereich der Unterführung an der Gelsenkircher Straße und wurde beim Bau der Brücke im Jahre 1926 abgebrochen. Am 26. November 1873 wurde das Postamt in ein Gebäude am Bahnhof verlegt, welches der Eisenbahn gehörte. Die Diensträume bestanden aus einem Dienstzimmer, einem Paketraum (Packkammer) und einem Keller. Dazu gehörte eine aus fünf Räumen bestehende Dienstwohnung für den Amtsvorsteher. Die Jahresmiete betrug 250 Taler. Das Personal bestand aus dem Amtsvorsteher, einem Landbriefträger und zwei Paketboten.

Lediglich drei Briefkästen reichten aus für die abgehende Schreibpost. Für die Verbindung von Wanne über Eickel nach Bochum verkehrte 1872 eine Postkutsche mit Personenbeförderung.

Am 1. April 1885 wurde das Postamt, in ein Postamt zweiter Klasse umgewandelt und anstelle des Postverwalters trat der Postmeister. Am 22. Mai desselben Jahres wurden dann größere Räumlichkeiten bezogen. Man zog im Haus des Bauunternehmers Heinrich Kassemejer, Kaiser-Wilhelm-Straße 8, der jetzigen Straße Am alten Amt. Es wurden eine Reihe Verbesserungen und Änderungen vorgenommen. So erfolgte unter anderem die Zuweisung des ersten Landbezirks Eickel zum Postamt Wanne, die Versetzung des Landbriefträgers von Eickel nach Wanne, die Einführung der Sonntagszustellung und die Einlegung einer fahrenden Landbriefträgerpost nach Unser Fritz.

Nachdem durch Kabinettsorder am 13. August 1897 die Gemeinde Bickern den Namen "Wanne" zu führen hatte, erhielten die beiden Postämter Wanne und Bickern die Bezeichnung "Wanne 1" und "Wanne 2".

Die Notwendigkeit größere Diensträume war schon mehrere Jahre zuvor festgestellt worden. So wurde im Jahre 1894 der Grundstein zu einem neuen Dienstgebäude in der Kaiser-Wilhelm-Straße 14, der jetzigen Straße Am alten Amt gelegt. Die Räumlichkeiten wurden am 1. Mai 1895 bezogen. Eigentümer des neuen Gebäudes war der Bauer Langebeckmann.


Poststempel von, 1897, 1926 und 1969.

Zu Anfang des Jahres 1896 bestand das Personal aus sechs Beamte und neun Unterbeamte. Im Jahre 1898 stieg die Zahl der Bediensteten schon auf acht Beamte und 20 Unterbeamte.

Zum 1. April 1903 war abermals ein bedeutender Fortschritt in der lokalen Entwicklung des Postwesens zu verzeichnen. Das Postamt Wanne wurde zu einem Amt erster Klasse erhoben und van Bömmel zum neuen Postdirektor ernannt. Das gesamte Personal bestand im Mai 1903 aus 45 Personen: Postdirektor, 1 Postpraktikant, 3 Oberpostassistenten, 7 Postassistenten, 5 Oberpostschaffner, 6 Postschaffner, 4 Briefträger, 2 Landbriefträger, 1 Leitungsaufseher, 14 Postboten und 1 Postillon. Es verkehrten täglich 69 ankommende und 74 abgehende Posten.

Nachdem die Zahl der Bediensteten weiter angestiegen war, wurde es zu eng in den Amtsstuben an der Kaiser-Wilhelm-Straße 14. Als dann die Oberpostdirektion diese Weiterentwicklung erkannt hatte, entschloss man sich zum Bau eines amtseigenen Gebäudes.

Im Jahre 1913 erwarb die Oberpostdirektion in Dortmund von der Gemeinde Wanne an der ehemaligen Sedanstraße, jetzt Wanne Straße, Ecke Friedhofstraße, heute Am Friedhof ein 1702 qm großes Grundstück zur Errichtung eines neuen reichseigenen Postgebäudes. Das zweieinhalbgeschossige Postgebäude wurde vom Architekten Wilhelm Walter (1850-1914), seines Zeichen Geheimer Baurat der Kaiserlichen Oberpostdirektion, entworfen.

Das im neoklassizistischen Stil gehaltene Postgebäude mit Walmdach, besteht aus zwei ungleichen Flügeln, die im Schnitt der Wanner Straße und der Straße Am Friedhof durch ein Hauptportal von drei Achsen zusammengeführt werden. Die Ecken werden durch zwei dreigeschossige Runderker gefasst. Der Flügel an der Wanner Straße hat eine Länge von 37,5 Meter, der Flügel Am Friedhof ist etwa halb so lang. Nach der dem Bauantrag zu Grunde liegenden Baubeschreibung wurde für "den Sockel Anröchter Sandstein, für Portal und Reichsadler (Giebelfeld) Ibbenbürener Sandstein, für die Straßenansicht Edelputz (Terranova oder ein gleichartiges Material), für die Hofansichten Kalkzementputz, für das Dach Tonpfannen, für die Ecktürme und Dachreiter wurde Kupfer verwendet. Heute nicht mehr vorhanden ist der Dachreiter und der Reichsadler im Giebelfeld auf der Schauseite. Das Gebäude wurde im Mai 1915 in Betrieb genommen.


Das Kaiserliche Postamt Wanne, Ecke Wanner Straße rechts
und Am Friedhof links im Bild, um 1925.

Das Kaiserliche Postamt Wanne vom Bahnhof Wanne
aus gesehen, um 1917.

Im Jahr 1932 wurde das Postamt nach Osten, Wanner Straße 23-25, in Richtung des Hauptbahnhofs Wanne-Eickel, um einen dreigeschossigen Bau im Stil des Backsteinexpressionismus (siehe auch: der Rote Block) von 54 Meter Länge erweitert. Den Entwurf zu diesem Paket- und Telegrafenamt, zu dem rückwärtig noch eine Wagenhalle gehört, arbeitete der Postbaurat Karl Lachmann bei der Oberpostdirektion Dortmund, aus. Der nur über eine dreiachsige Raumtiefe verfügende Baukörper war in drei Teile gegliedert. Der Übergang vom Altbau des Postamts wurde durch einen zweigeschossigen Einschub von einer Achse hergestellt. Dieser wurde nach oben durch ein Flachdach abgeschlossen und nahm ursprünglich den Nebeneingang auf. Daran anschließend folgt ein Trakt von elf Achsen. Das oberste, leicht zurückversetzte Geschoss wird durch ein Gesims besonders betont und von einem Walmdach bedeckt. Den Abschluss bildet ein annähernd würfelförmiger Eckbau von drei mal drei Achsen. Dieser Bauteil verfügt einschließlich eines zurückspringenden und architektonisch nicht weiter ausgebildeten Staffelgeschosses über vier Geschosse. Über dem heute vermauerten Haupteingang erhebt sich ein dreieckiger Erker im Bereich des ersten und des zweiten Obergeschosses. Auf dem Staffelgeschoss befanden sich später die Sendeantennen des Fernmeldeamtes.

Das Hauptpostamt Wanne-Eickel mit dem im Jahre 1932 errichteten Anbau des Paket- und Telegrafenamtes im Stil des Backsteinexpressionismus, aufgenommen im Jahre 1935.

Mit der Stadtwerdung am 1. April 1926 wurde diese Einrichtung zum Hauptpostamt Wanne-Eickel erhoben. Diese Eigenständigkeit endete 1975 mit der Eingemeindung nach Herne.

Das Postamt Wanne, aufgenommen im Februar 2015.

Der markante Gebäudekomplex von der Wanner Straße aus gesehen.

Der Rundbogen über dem Dachfenster weist das Jahr 1915 aus.

Am Ende des Anbaus des Paket- und Telegrafenamtes im Stil des Backsteinexpressionismus befindet sich ein dreieckiger Erker im Bereich des ersten und zweiten Obergeschosses.

Rückseite des Postamts Wanne, von der Straße Am Friedhof aus gesehen.

Das Postamt Wanne, Ecke Wanner Straße rechts und
Am Friedhof links im Bild, aufgenommen im Februar 2015.

Das Paket- und Telegrafenamt im Stil des Backsteinexpressionismus von der Ecke Wanner Straße links und der Berliner Straße rechts im Bild, aufgenommen im Februar 2015.

Der markante Gebäudekomplex steht seit dem 26. Juni 2005 mit der Denkmal Nr. 687 im Kulturgutverzeichnis der Stadt Herne und ist somit ein eingetragenes Denkmal. Es wird heute teilweise postfremd genutzt.


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Quellennachweis: Tagespresse von 1988 und 1992.
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt. Siegen 1903.
Adressbuch der Ämter Wanne und Eickel, Wanne 1906.
Dr. Hengst, Werner: Ein Beitrag zur Postgeschichte der Stadt Wanne-Eickel bis zu ihrer Gründung im Jahre 1926. Wanne-Eickel 1982.
Dr. von Knorre, Alexander, Krause, Friedrich: Herner Architektenführer. Herne 1987.
Fotonachweis: Heinrich Lührig.



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