Wanne-Eickel-Historie


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Das Geheimnis des Emscherriesen

Geschichte

Das Geheimnis vom Schild des Emscherriesen


Der Emscherriese hatte einmal einen harten Kampf auszufechten gegen andere Riesen. Die Zahl seiner Gegner war so groß und deren Anprall so heftig und ungestüm, daß der Emscherriese im Kampf ehrenvoll fiel, bedeckt mit seinem Schild. Der gefallene Riese war so groß und schwer, daß er tief, tief in die Erde hinuntersank. Und ein Geheimnis nahm er mit ins Grab.

Der große Schutzschild des Emscherriesen war viereckig, ziemlich flach und hatte nur nach der Mitte zu eine sanfte Wölbung nach oben. Beim Niedersinken des Riesen fiel der Schild so auf den Boden, daß die eine Spitze nach Osten, die zweite nach Westen, die dritte nach Süden und die vierte nach Norden zeigte. Diese letztere berührte fast den Emscherfluß.

Der Schild war auch sehr schwer und drückte fest aufs Erdreich. Zuerst sank er an seinem Rand ein, dann immer mehr nach der Mitte hin. An den Eindrucksstellen sammelte sich Feuchtigkeit und Wasser. Der Boden wurde so feucht und naß oder "bruchig". Die Leute nannten das ganze von dem Schild bedeckte Gelände das große Eickeler Bruch. Später bauten die Menschen an der Ostspitze eine Kapelle, an der Westspitze eine Mühle, an der Südspitze eine Wasserburg. Als diese zerfallen war, legte man neben ihr ein großes Bergwerk an. Auch fast in der Mitte des Schildes errichtete man ein Bergwerk. Dann baute man an der Nordspitze einen großen Bahnhof. Die Wölbung in der Mitte des Schildes liegt noch heute zutage.

Dieses kleine rundliche Stück vom großen viereckigen Schild trägt heute noch den alten Namen "Eickeler Bruch". Die Kapelle an der Ostspitze wurde zur Eickeler Dorfkirche auf dem alten Dorfplatz. Die Mühle an der Westspitze ist die Hüller Mühle, wo sich aber heute kein Mühlrad mehr lustig dreht. Die verschwundene Wasserburg an der Südspitze war "Haus Lakenbrock". Das Bergwerk in dessen Nähe ist die Zeche Königsgrube. Das andere Bergwerk, ungefähr in der Mitte des Riesenschildes, ist die Zeche Pluto. Der große Bahnhof an der Nordspitze ist der Bahnhof Wanne.

Der alte Eickeler Bruch bildet seiner Landkartenform nach ein auf der Spitze stehendes Quadrat.


Der Straßenname Eickeler Bruch weist auf das alte „Eickelsche Broich“ hin, ein Geländestück zwischen den Stadtteilen Eickel, Röhlinghausen und Wanne.


Historische Anmerkung:

Das Geländestück zwischen Eickel, Röhlinghausen und Wanne, das noch heute bei den Bürgern als Eickeler Bruch bezeichnet wird, ist nur noch ein kleiner Teil von dem ursprünglich diesen Namen führenden Gelände.

Das alte "Eickelsche Broich" bildete seiner Landkartenform nach ein auf der Spitze stehendes Quadrat. Die Ostspitze lag ungefähr da wo jetzt die evangelische Kirche in Eickel steht. Der nördliche Punkt wird heute vom Bahnhof Wanne eingenommen. Im Westen stieß das Eickeler Bruch bis ungefähr zur Hüller Mühle, im Süden bis zur Zeche Königsgrube vor, deren Gelände mitumfassend.

Die Nordostgrenze zog sich nordöstlich von der von Eickel nach Wanne führenden Hauptstraße hin. Die Nordwestlinie folgte ungefähr dem Laufe des Dorneburger Mühlenbaches. Die Südwestlinie strich ungefähr den Hordeler-Hüller Mühlenbach entlang bis zum vormaligen Adelsgut Lakenbrock an der Grenze von Röhlinghausen und Hordel. Die Südostlinie ging von "Königsgrube" aus am Röhlinghauser "Bollwerk" vorbei, dieses einschließend, über das "Ordale", Haus Bönninghausen, den "Lohof" (Eickeler Volksgarten) bis zu der evangelischen Kirche in Eickel, dem genannten Ausgangspunkt.

So schloß dieses große Viereck außer beträchtlichen Stücken von Eickel und Wanne fast ganz Röhlinghausen ein. Mit größerem Rechte hätte man also dieses große Bruch das Röhlinghauser Bruch nennen können; doch war vor mehreren Jahrhunderten Röhlinghausen nur ein "Anhängsel" der Hordeler Bauerschaft, zudem hatte Eickel als Kirchort der Bauerschaften Eickel, Hordel und Bickern die hervorragendere Bedeutung.

Innerhalb dieses großen Bruchgeländes lagen, außer einer größeren Anzahl von überwiegend kleineren Bauerngütern, mehrere kleinere Brüche: das Lakenbruch in der Südspitze, das Tiefenbruch ungefähr in der Mitte, das Hüller Bruch im westlichen Teil, das Haberbruch an der nordwestlichen Seite, das Rottbruch nach der Nordspitze hin. Diese Kleinbrüche folgten im wesentlichen dem Lauf der Bäche: des Hordeler-Hüller Mühlenbaches, des Baumbaches, des Dorneburger Mühlenbaches. Ein bruchiges Stück Land hieß "in der Wanne", in einer großen Schleife des Dorneburger Mühlenbaches gelegen. Von diesem Bruchgelände hat Wanne seinen Namen erhalten. Zunächst bekam der Bahnhof Wanne seinen Namen danach, während später der Name dieses Bahnhofes den Gemeindenamen "Bickern" sogar verdrängte.

Bei der Teilung des Eickeler Bruches 1778 betrug die Größe des Bruches nur noch annähernd 500 Morgen. Im Laufe der Jahrhunderte verminderte sich die Größe des Eickeler Bruches infolge Verkaufs und Verpfändung von Gemeinheitsteilen. So machte 1593 Jürgen von Aschebrock zu Lakenbrock mit den Markgenossen vertraglich aus, daß er soviel von dem Bruch "winnen" könne, als er sein Lebenlang winnen wolle. Jede Geviertseite des großen Bruches war gut zwei Kilometer lang, so daß das ganze Bruchgelände, die verhältnismäßig wenigen, meist kleineren Bauerngüter einschloßen und, über vier Millionen Geviertmeter oder über 1 600 Morgen umfaßte. Da 1778 bei der Teilung die "Gemeinheits"-Fläche nur noch annähernd 500 Morgen betrug, so war damals schon über zwei Drittel in Privatbesitz von "Rittern" geraten, und kaum ein Drittel noch gehörte der "Gemeinheit", war also allgemeines oder "Allmännigland".

1778 wurde der Boden des Eickeler Bruches, abgesehen von einem kleinen Teil schlechten Geländes, zur größeren Hälfte als "mittelgut", zur kleineren Hälfte als "gut" gewertet. Noch heute wird ein Straßennamen nach diesem Broich benannt, der Eickeler Bruch. Er beginnt an der Grenze zu Eickel, streift Röhlinghausen und endet in Wanne.

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Quelle : Unveröffentlichtes Manuskript von Lührig, Heinrich: Vom Volk erzählt... Sagen aus Herne und Umgebung, Eine Sammlung von Sagen, Legenden, geschichtlichen Ereignissen und schelmischen Erzählungen, Nach Überlieferungen aus schriftlichen und mündlichen Quellen zusammengetragen und bearbeitet. Eickel 1999. S.122 ff.

Auszug aus dem Wettbewerbsbeitrag " Thema. Bild und Gestalt des Ruhrgebietes" ausgeschrieben vom Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher, im Rahmen des Geschichtsfestes "Historama Ruhr 2000 vom 24. Juni 2000 auf der Zeche Zollverein in Essen-Katernberg.
Fotonachweis: Archiv Heinrich Lührig



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