Wanne-Eickel-Historie


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Das Bismarck Denkmal

Denkmäler

Das Denkmal zu Ehren Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck


An der Reichsstraße, Ecke Hauptstraße feierten die Eickeler Öffentlichkeit am Sonntag, den 26. Juni 1904 die Enthüllung des Denkmals zu Ehren Reichskanzlers Otto Fürst von Bismarck (1815–1898), das an einer neuen Prachtstraße im Schnittpunkt der damaligen Kaiser- und Moltkestraße errichtet wurde. Das 10 000 Mark teure Denkmal mit der drei Meter hohen Statue Bismarcks, dessen Sockel aus rotem Meißener Granit bestand, wurde von Professor August Schmiemann
(1845-1927) aus Münster geschaffen.







Vor einer großen Anzahl an Festteilnehmern hielt der "Vorsitzende des Festkommitees für die Errichtung des Bismarck-Denkmals", Sparkassenrendant Heinrich Frye, die Eröffnungsansprache.




Fotonachweis: Bildstelle der Stadt Herne


Die Vorderseite des 3,70 Meter hohen Sockelwürfels trug die Inschrift „BISMARCK“. Das 600 Kg schwere bronzene Standbild zeigte den „Eisernen Kanzler“ in der Uniform der Magdeburger Kürassiere. Das rechte Bein war leicht nach vorne gesetzt und der Blick ist ernst und zugleich würdevoll nach rechts geneigt. Otto Fürst von Bismarck trug eine Pickelhaube und in seiner linken Hand ein auf den Boden gestemmtes Schwert. Die Uniform unterstreicht die Bedeutung des Reichskanzlers, der in beachtlicher Höhe über den Köpfen der Betrachter thronte.

Gegossen wurde das Denkmal von der Bildgießerei
Förster und Kracht aus Düsseldorfer-Oberkassel. Die Kosten wurden aus Spenden zusammengetragen. Vor einer großen Anzahl an Festteilnehmern hielt der "Vorsitzende des Festkommitees für die Errichtung des Bismarck-Denkmals", Sparkassenrendant Heinrich Frye, die Eröffnungsansprache. Der General Anzeiger für die Ämter Wanne und Eickel schrieb damals:

„Unsere Gemeinde Eickel hatte gestern Festtoilette angelegt. Aus allen Himmelsrichtungen waren Zehntausende von Menschen zusammen geströmt, die Vereine von Eickel und Umgebung hatten sich mit ihren Fahnen zusammengefunden. Feierlich war auch das Zeremoniell der Enthüllung. Am Nachmittag erreichten ein Festzug sowie zahlreiche Schulklassen den Platz des Denkmals.“





Auf dem Bild von links nach rechts zu sehen:

Bauer und Beigeordneter Vogelsang,
Bergassessor Seelbach Zeche Shamrock,
Gemeindevorsteher Garthmann,
Sparkassenrendant Frye,
Amtmann Berkermann,
Arzt Dr. Knibbe,
Bildhauer August Schmiemann aus Münster
und Amtsbaumeister Bartelt.






Fotonachweis: Bildstelle der Stadt Herne


Das bronzene Standbild des „Eisernen
Kanzlers“ Otto Fürst von Bismarck.


Die Neugestaltete Hauptstraße, Ecke
Reichsstraße im November 2008.


Im Juli 1942 wurde das Standbild ein Opfer des Zeitgeschehens. Es wurde demontiert und im Rahmen der nationalsozialistischen „Metallspendenaktion“ zu Rüstungszwecke eingeschmolzen. Übrig blieb das Postament des Denkmals, das im Januar 1950 der Spitzhacke zum Opfer fiel.


Historische Anmerkung

Zur Person: Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen

Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen (seit 1865 Graf, seit 1871 Fürst von Bismarck-Schönhausen, seit 1890 Herzog zu Lauenburg) (* 1. April 1815 in Schönhausen; † 1898 in bei Hamburg) war langjähriger Ministerpräsident von , Kanzler des Norddeutschen Bundes (1867–1871) und der erste Reichskanzler des (1871–1890).

Politische Laufbahn

1832-1835 Studium der Rechtswissenschaften, 1836-1839 Referendar im preußischen Staatsdienst, danach Bewirtschaftung seiner Güter; 1847 konservatives Mitglied des preußischen Vereinigten Landtags, 1849/50 der 2. Kammer des preußischen Landtags und des Erfurter Parlaments; 1851-1859 preußischer Gesandter am Bundestag in Frankfurt am1859-1862 in Petersburg, 1862 in Paris; 1862-1890 preußischer Ministerpräsident, 1867-1871 zugleich Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes, 1871-1890 Reichskanzler.

Bismarck-Denkmäler

Das erste öffentliche Monument, das den Reichskanzler Otto von Bismarck in Überlebensgröße zeigte, schuf Fritz Schaper (1841-1919) für den Augustinerplatz in Köln in den Jahren 1876 bis 1879 (im Zweiten Weltkrieg zerstört). In der katholischen Metropole Köln und im ganzen Rheinland empfanden es viele Katholiken angesichts des "Kulturkampfs" als Provokation. Im Kaiserreich wurde das Denkmal aber so populär, dass die Bildgießerei Gladenbeck verkleinerte Ausführungen in drei verschiedenen Größen zum Verkauf anbot. Bismarck trägt die Interimsuniform der Kürassiere. Mit der linken Hand stützt er sich auf den Pallasch, während er mit der rechten seitlich in den zugeknöpften Rock greift. Diese Form der Bismarck-Darstellung wurde in den folgenden zwanzig Jahren von zahlreichen Bildhauern aufgegriffen und nur leicht variiert: Ein beliebtes zusätzliches Attribut war die Verfassungsurkunde in der Hand des.

Bis 1914 wurden mindestens 500 Bismarck-Denkmäler jeglicher Art, einschließlich der Gedenksteine, Brunnen, Porträtbüsten und Reliefs, errichtet. Die Hochburgen der Bismarckverehrung lagen in den industriellen Ballungszentren in Westfalen, in Thüringen und in Sachsen, dagegen tauchten entsprechende Denkmäler in den traditionell antipreußisch eingestellten Reichsgebieten Bayern, Hannover oder Elsaß-Lothringen nur spärlich auf. Politische Gruppierungen, die unter der Machtpolitik Bismarcks zu leiden hatten, dürften ebenfalls keinen Grund gesehen haben, den Reichskanzler mit einem Denkmal zu verherrlichen. Ihre kritische Haltung kam eher in Karikaturen oder hintergründigen Souvenirartikeln zum Ausdruck.


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Quellennachweis: General Anzeiger für die Ämter Wanne und Eickel vom 27. Juni 1904. Wochenblatt vom 13. August 1981.
Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel, Ausflug in die Vergangenheit, 1984. Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel in alten Ansichten, 1992. www.wissen.de
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig



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