Wanne-Eickel-Historie


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Daniel Bonacker

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Der Allgewaltige Daniel Bonacker


Am 1. Mai 1894 wurde Daniel Bonacker Betriebsführer auf der Zeche Königsgrube und zwei Jahre später technischer Direktor und damit Vorstandsmitglied der Magdeburger Bergwerks-AG. Bis zum 1. Juli 1925, also fast ein Menschenalter, hat dieser Zechendirektor aus der einst so stolzen Königsgrube die „Zeche Schrotthaufen“ gemacht. 60% aller Röhlinghauser waren von ihm als höchstem Arbeitgeber direkt abhängig. Die gesamte Gemeinde Röhlinghausen, die in ihren entscheidenden Entwicklungsjahren von 4 000 Einwohnern auf über 14 000 Einwohnern anwuchs, litt unter diesem Mann.

Sein ganzes Bestreben bestand darin, seinen Aktionären Höchstgewinne zu verschaffen. In seinen Lebenserinnerungen heißt es: „Es hat mir viel Freude gemacht, dass in 30 Jahren eine Dividende von durchschnittlich jährlich 30% an die Aktionäre ausgeschüttet wurde.“

Zum 1. Juli 1925 hatte dann die Aktienmehrheit der Deutschen Erdöl-AG seinen vorzeitigen Austritt aus der Zeche Königsgrube zur Folge. Rückblickend auf sein Arbeitsleben bekennt er:


„Eigentlich hatte ich immer in dem Gedanken gelebt, in den Sielen zu sterben. Das Aufgeben der mir liebgewordenen Arbeit war doch mit Bitterkeit verbunden.“


Daniel Bonacker wurde am 13. August 1856 in Bromskirchen im Sauerland geboren. Am 1. März 1872 verfuhr er auf der Zeche Julia in Herne seine erste Schicht als Bergmann. Von 1878 bis 1880 war er Soldat in Straßburg im Elsaß. In seinen Lebenserinnerungen schreibt er dazu:

„Diese Jahre waren mir eine angenehme Abwechslung in meinem eintönigen Bergmannsleben, und ich denke heute noch gern an sie zurück. Denn ich kannte bis dahin ja außer Bromskirchen und Olsberg nur das dunstige Industriegebiet.“

Von 1882 bis 1885 besuchte Daniel Bonacker die Bergschule in Bochum. Seine erste Stelle als Steiger trat er am 1. September 1885 auf der Zeche Viktor in Rauxel an. Nachdem er schon auf der Zeche Hansa vier Jahre lang Betriebsführer gewesen war, kam er am 1. Mai 1894 zur Zeche Königsgrube nach Röhlinghausen. Im Jahre 1889 im Alter von 33 Jahren heiratete er:

"Meine Familie hat während meiner Tätigkeit auf der Zeche Königsgrube nicht viel von mir gehabt, denn meine Sorge um das Gedeihen des Werkes und der Grundsatz, möglichst alle Fäden durch meine Hand gehen zu lassen, fesselten mich sehr an die Zeche. Da Königsgrube infolge ihres kleinen nur etwas über drei Millionen Quadratmeter großen Grubenfeldes mit einen auf ihm errichteten Schachtanlage vollständig ausgebeutet werden, also die Förderung nicht wie auf anderen Zechen durch neue, getrennte Schachtanlagen gehoben werden konnte, hieß es, um nicht zurückgedrängt zu werden, aus der einen Schachtanlage herauszuholen was eben möglich war.“


Die ehemalige weiße Direktorenvilla der Zeche Königsgrube,
Königsgruber Straße 19, Wohnsitz von Daniel Bonacker.







Im Sommer 1925 musste Daniel Bonacker die weiße Direktorenvilla an der Königsgruber Straße in Röhlinghausen räumen und zog nach Detmold. Er starb 1944 im hohen Alter von 88 Jahren. Seine Urne wurde im letzten Kriegsjahren auf dem evangelischen Friedhof in Röhlinghausen Auf der Wilbe in Anwesenheit von einigen Familienangehörigen beigesetzt. Diese Bestattung haben einige Arbeiter, die auf dem angrenzenden Mannesmannwerk beschäftigt waren, gesehen und darüber berichtet.

In zwei Zeitungsartikeln im Westdeutschen Herold, vom 23. Juni 1925 und vom 15. August 1925, beschäftigte sich der Gewerkschaftler Fritz Goihl aus Röhlinghausen mit der Persönlichkeit des Daniel Bonacker. Er schrieb u.a.:

„Bonacker war von ausgesuchter Höflichkeit gegen alle, so lange sie ihm dienlich waren, merkte er aber das Gegenteil, setzte er auch jedem rücksichtslos den Stuhl vor die Tür, selbst wenn es sich um Bäcker- und Schlächtergesellen handelte, die ihm ihre Ware brachten. Sein Haß kannte unter Umständen keine Grenzen. Durch seine Schikanen seinen Arbeitern, Angestellten und Beamten gegenüber bis tief in die Bürgerschaft hinein, hat er sich selbst sein Renommee untergraben.

Daniel Bonacker ist von der Schaubühne abgetreten. Wir weinen ihm keine Träne nach. Was, `Bonacker` der Gemeinde in kommunaler und steuerlicher Beziehung als Chef der Zeche war, ist Eingeweihte zur Genüge bekannt.

Der Spitzname `Zeche Schrotthaufen` oder auch `Klamottenpütt` stammen aus führenden Bergbaukreisen und ist ein offenes Geheimnis. Den Namen `Bonacker` bei Verhandlungen oder in gesellschaftlichen Zwiegesprächen mit Unternehmerkreisen überhaupt nur auszusprechen, verstieße geradezu gegen den guten Ton.“

Sein „Pütt“ oder wie Bonacker gerne sagte „meine Löwengrube“, in Anspielung auf Daniel 6, 17-24 AT und seien Vornamen, galt schon einige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg in gewerkschaftlichen Kreisen als der radikalste im ganzen Ruhrgebiet, denn Druck von oben erzeugt natürlich auch Gegendruck von unten. So wundert man sich dann auch nicht, wenn man in den Zeitungen aus dem Revolutionsjahren 1919 liest, dass der Arbeiterausschuß den Zechenchef Daniel Bonacker kurzerhand abgewählt und am Betreten der Zechenanlagen hinderte. Bonacker verließ darauf mit seiner Familie für einige Wochen Röhlinghausen und forderte dann den Schutz der Regierung an.

Vor der letzten Sitzung des Röhlinghauser Gemeinderates im März 1926 schrieb der Gemeindevorsteher Anton Wandzioch im Westdeutschen Herold:

„Die Zeche Königsgrube ist in ihrem Kohlevorkommen eine der wertvollsten, in ihrem technischen Betrieb aber die rückständigste im ganzen Ruhrgebiet. Es wird noch nicht einmal die Reinigung und Sortierung der Kohle ermöglichen. – Dass bei diesem Zustand in der Wirtschaftskrise die Zeche Königsgrube auf dem Kohlemarkt nicht mehr konkurrenzfähig sein kann, ist wohl jedem Laien einleuchtend. Die gesamte Zechenanlage muss unter- und übertage modernisiert werden.“

Am 23. Juni 1925 kann man im Westdeutschen Herold unter der Überschrift: „Fort von Röhlinghausen“ folgendes lesen:

„Ein Gang durch die Königsgruber Straße oder andere das Eigentum der Zeche kreuzende und berührende Verkehrswege belehrt jeden, dass manches anders sein könnte, teilweise sogar unerträgliche Zustände herrschen. Es braucht in diesem Zusammenhang, abgesehen von der Beschaffenheit der Königsgruber Straße, nur an die beiden diese Straßen überquerenden Brücke erinnert werden, die ihre Reparaturbedürftigkeit direkt Menschen und Tieren gefährlich werden können. Zur Beruhigung der Passanten sind provisorisch unter denselben Holzgerüste angebracht, die den Dreck und das Öl, welches bei der Beförderung der Kohlewagen sich absondert, zuerst auffangen sollen, damit hierdurch kein lebendes Wesen belästigt wird. Leider wird dieser Zweck aber nicht erreicht, weil die Gerüste in ihrem Zustand die Brücken noch übertreffen. Teilnahmslos sieht Herr Bonacker diesen Dingen zu. Auch die Gemeindeverwaltung scheint vor diesem Manne die Waffen gestreckt zu haben. Da bleibt wohl nichts anderes übrig, als dass diese Straße wegen ihrer Lebensgefährlichkeit polizeilich gesperrt wird.“

Daniel Bonacker hätte 1921 gerne gesehen, wenn es zu einem Verbund mit den Krupp-Zechen Hannover und Hannibal gekommen wäre. Auch die Nachbarzechen, die zum Krupp-Konzern in Essen gehörten, zeigten daran Interesse. Ein Gutachter der Friedrich Krupp AG aus dem Jahre 1921, welches von Bergassessor Carl Fromme unterschrieben worden ist, beweist dieses. Dieses Gutachten, das sich im Archiv des Bergbaumuseums in Bochum befindet, kommt zu dem abschließenden Urteil, dass die verteilten Dividenden an die Aktionäre der Magdeburger Bergwerks AG viel zu reichlich bemessen waren, und dass es richtig gewesen wäre, etwas geringere Dividenden auszuschütten und dafür die Anlagen so auszubauen, wie es mit Rücksicht auf die Zukunft der Zeche Königsgrube erforderlich gewesen wäre.


„Meine Löwengrube“ wie Bonacker gerne sagte, um 1920, von der Ottostraße aus.

Nachdenkenswert ist auch die Tatsache, dass Daniel Bonacker als Zechenchef von 1908 bis 1944 Mitglied des ostpreußischen evangelischen Arbeitervereins Röhlinghausen gewesen ist. Johann Linde berichtet in seinen Aufzeichnungen davon. Ein Exemplar seiner „Lebenserinnerungen“ aus dem Jahre 1929 schenkte Daniel Bonacker auch diesem Arbeiterverein.

Die heutige Straße Hasenhorst in Röhlinghausen hieß bis 1926 Danielstraße. Daniel Bonacker hat hier im Jahre 1898 Arbeiterwohnungen bauen lassen. Mit dem Straßennamen setzte er sich so ein „Denkmal“.

In seinen Lebenserinnerungen schreibt Daniel Bonacker:

„Als Ende der 90er Jahre eine Hochkonjunktur und damit verbundener Arbeitsmangel eintrat, holte ich mir kurz entschlossen 250 österreichische Bergleute aus der Steiermark und Nordböhmen, welche größtenteils Frauen und Kinder mitbrachten. Diese unterzubringen wurde mir dadurch erleichtert, dass ich vorher eine große Anzahl Arbeiterhäuser hatte bauen lassen. Die Siedlung heißt heute noch im Volksmund die `Österreicher Kolonie`. Bei dem Hereinholen der österreichischen Arbeiter wäre ich beinahe in Leoben gründlich verprügelt worden. Durch die Schuld eines vorgeschickten Anwerbers war einer Reihe von Leuten, die ich nicht gebrauchen konnte, versprochen worden, mitgenommen zu werden. Da dies nun nicht geschehen konnte, drangen diese Leute auf den Zug ein und wollten mich herausholen. Der Stationsvorsteher, der die Leute nur mit großer Mühe zurückhalten konnte, gab mir den Rat, eine Zuschlagskarte bis Eger für 900 Gulden zu lösen, dann würde er die betreffenden Wagen an einen gerade einlaufenden Schnellzug anhängen und bis an die Grenze bringen. Auf diesen Vorschlag ging ich umso lieber ein, als ich 24 Stunden früher in Wanne ankam und auch der Verprügelung, die todsicher eingetreten wäre, entging. Alles klappte, aber ich war doch herzlich froh, als ich glücklich mit meinen Österreichern in Wanne ankam.“

Privatgeld der Magdeburger Bergwerks- Aktien-Gesellschaft, der Zeche Königsgrube in Röhlinghausen.
Signatur unter links: Daniel Bonacker.

Daniel Bonacker saß von 1899 bis 1919 im Röhlinghauser Gemeinderat, wo er vom 2. August 1916 bis zum 21. April 1919 stellvertretender Gemeindevorsteher war. Ab 1906 war er auch Mitglied der Wanner Amtsversammlung. Daniel Bonacker wählte immer in der I. Abteilung und war nach einer Steuerliste aus dem Jahre 1913 einer der reichsten Männer Röhlinghausens.


Konsumvereinsmarken der Magdeburger Bergwerks- Aktien-Gesellschaft, der Zeche Königsgrube in Röhlinghausen.

Der "Consum & Sparverein zur Zeche Königsgrube" wurde 1868 grgründet und hatte 120 Mitglieder. Die verausgabten Münzen dienten den Bergleuten der Zeche Königsgrube zum verbilligten Einkauf in der werkseigenen Kantiene und dem Lebensmittelgeschäft Consum Anstalt (Ecke Heinrichstraße, heute Edmund Weber Straße und Bochumer Straße, heute Pluto Straße). Im Jahre 1880 wurde der Verein aufgelöst und die Marken wurden ungültig.

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Quelle: Lührig, Heinrich / Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III, Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, 2. erweiterte Auflage, Herne 1997, S. 90 ff. und S. 220 ff.
Lührig Heinrich, Zimmermann Peter, Wanne-Eickeler Geschichte auf Münzen und Geldscheinen, Wanne-Eickel 1982, S. 19 ff.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig





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