Wanne-Eickel-Historie


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Chistuskirche Wanne-Mitte

Gebäude

Evangelische Kirchengemeinde Wanne-Mitte


Das Aufblühen des Bergbaues ließen die Bevölkerungszahlen in der Emscherzone sprunghaft ansteigen. Aus allen Teilen Deutschlands, vor allem aus den deutschen Ostprovinzen, - Ost- und Westpreußen, Posen und Schlesien – kamen die Menschen, suchten und fanden hier eine neue Existenz.

In dieser Zeit des Aufblühens der Industrie und des schnellen Anwachsens der Bevölkerung fällt auch die Gründung der Kirchengemeinde Bickern (Wanne-Mitte).

Die evangelische Kirchengemeinde Eickel, zu der die Evangelischen Christen in Bickern gehörten, war zu groß geworden. Die alte Kirche auf dem Eickeler Markt konnte die große Anzahl der Gottesdienstbesucher kaum noch fassen. Viele Gemeindemitglieder in Bickern besuchten schon längst den Gottesdienst in Crange, da die Cranger Kirche erheblich näher lag als die in Eickel. Nach längeren Überlegungen kamen die Gemeindemitglieder von Bickern zu dem Entschluss, eine eigene Kirchengemeinde zu bilden.

271 berechtigte Kirchenmitglieder aus Bickern tragen am 2. April 1884 dem Konsistorialrat von Westhoven ihr Anliegen vor. Dieser Antrag wird durch einen Erlass des Ministeriums für geistige Angelegenheiten befürwortet. Am 1. Oktober 1884 wird die Auspfarrung der Evangelischen der Kommunalgemeinde Bickern aus der Kirchengemeinde Eickel festgelegt.

Bei der Gründung zählte die Gemeinde Bickern 2668 Seelen. Man wählte zunächst ein aus sechs Mitgliedern bestehendes Presbyterium. Zum ersten Kirchenmeister wurde August Overhof gewählt. Diakoniepresbyter werden Friedrich Stöckmann, genannt Möller und Wilhelm Willeken, weitere Älteste sind Friedrich Lange, Engelbert Heitkamp und Wilhelm Stöckmann, genannt Bohmert.

Es fehlt zunächst eine eigene Kirche. Daher wird an der Bahnhofstraße Ecke Königstraße (heute Hauptstraße Ecke Dürerstraße, da wo sich das Kammerspielkino befindet), gelegene Saal von Engelbert Heitkamp für jährlich 450 Reichsmark angemietet. Altar, Kanzel und Bänke werden aus der evangelischen Kirche in Gelsenkirchen übernommen. In diesem Saal halten dann ab Anfang 1885 die Eickeler Pfarrer Daniels und Engeling die Gottesdienste ab. Am 5. August 1885 konnte dann der erste Pfarrer in die neue Gemeinde Bickern in sein Amt eingeführt werden. Es war Eduard Hellweg aus Breckerfeld im Kreis Hagen. Bis zum Jahre 1904 versah er in der Gemeinde seinen Dienst, ehe er dann als hauptamtlicher Kreisschulinspektor nach Gelsenkirchen ging.


Eduard Hellweg erster Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Wanne-Mitte von 1885 bis 1903.

Grabstätte des ersten Pfarrers der Evangelischen Kirchengemeinde Wanne-Mitte, Eduard Hellweg (24. Juli 1847 - 25. Oktober 1917), gegenüber der Friedhofskapelle in der Claudiusstraße in Wanne-Mitte.

Zusammen mit dem Presbyterium und dem Kirchmeister August Overhof begann der Aufbau der Gemeinde. Zunächst wurde ein Friedhof angelegt. Die Gemeinde erwarb dazu ein Gelände von vier Morgen an der Friedhofstraße vom Landwirt Bohmert für 7200 Reichsmark. Am 30. Mai 1886 wurde der Gottesacker eingeweiht.

Aber nun sollte die Gemeinde auch eine Kirche bekommen. Auf Anregung von Pfarrer Hellweg wird hierzu am Dienstag dem 18. August 1885 ein Kirchbauverein zur Beschaffung notwendiger Mittel ins Leben gerufen. Jedes Gemeindemitglied, das sich zu einem Monatsmindestbeitrag von 30 Pfennig (damals 10% eines Tageslohnes) verpflichtet, kann Mitglied werden. Darüber hinaus werden die Kirchensteuern der Gemeindeglieder erhöht. In den zwei Jahren seines Bestehens trägt der Kirchbauverein so etwa 4000 Reichsmark zusammen.

Dem Kirchenvorstand werden neun verschiedene Grundstücke zum Bau einer Kirche angeboten, einige als Geschenk, andere zu niedrigen Preisen. Das nördlichste liegt unweit des Ruschenhofes, das südliche in der nähe des Bauernhofes Bronkhorst. Da sich der Gemeindevorstand über die Wahl des in Frage kommenden Grundstückes nicht einigen kann, besichtigt am 20. August 1885 der Konsistorialrat von Westhoven die angebotenen Grundstücke. Danach fällt die endgültige Entscheidung auf das von Kirchenmeister August Overhof geschenkte Grundstück am Dorneburger Mühlenbach an der Bahnhofstraße (heute Hauptstraße).

Der Gemeindevorstand beschließt zum Bau des Gotteshauses den Architekten Fischer aus Wuppertal Barmen zu beauftragen. Das Bauwerk soll im neugotischen Stil errichtet werden. Am Sonntag, dem 11. Juli 1886 erfolgte die Grundsteinlegung durch Pfarrer Eduard Hellweg. Zu Luthers Geburtstag, am Donnerstag dem 10. November 1887, wird das neu Erbaute Gotteshaus, das den Namen Christuskirche erhielt, durch den damaligen Generalsuperintendanten der evangelischen Kirche in Westfalen Nebel in einem Festgottesdienst eingeweiht.


Für den weiteren Innenausbau werden u.a. der Altar und die Kanzel, der Taufstein und das Taufbecken von Gemeindemitgliedern gestiftet.



Die stilisierte Blütenmedaillons am Hauptportal links der Kirche mit den Daten der Grundsteinlegung am 11. Juli 1886 hin.



Die stilisierte Blütenmedaillons am Hauptportal rechts der Kirche mit den Daten der Einweihung am 10. November 1887.

Die Christuskirche mit dem 1894 erbaute Gemeindehaus um 1902.

Die Ansicht zehn Jahre später um 1912. Zwischen den beiden Häusern auf der rechten Straßenseite befindet sich der Dorneburger Mühlenbach, der heute im gesamten Stadtgebiet abgedeckt ist. Der Baukomplex auf der linken Straßenseite ist das 1894 erbaute Gemeindehaus.

Die Gestaltung der Christuskirche wird wie folgt beschrieben:
Bei der Kirche handelt es sich um eine kreuzförmige Emporenhalle aus Backstein mit betont repräsentativer Fassade. Den Mittelturm flankieren Querarme, die mit Walmdächern gedeckt sind. Auffällig sind die betonten Formen französischer Frühgotik, die in die Backsteinarchitektur unter Verwendung von Sandstein, umgesetzt sind. Alle Gliederungen sind im Detail künstlerisch sicher eingesetzt. Der Straßenlage entsprechend sitzt das Uhrgeschoß mit Rosenfenstern relativ tief. Der Bezug zu den kleineren Rosenfenstern nimmt die Stufung der Geschoßlinien zum Mittelturm auf und ist Grund für die Harmonie der Fassade. Über dem Haupteingang, der durch schlanke Doppelsäulen gerahmt und durch gotisches Mauerwerk bekrönt ist, befinden sich zwei stilisierte Blütenmedaillons mit den Daten der Grundsteinlegung und der Einweihung der Kirche.

Die Kirche ist entgegen der traditionellen gotischen Baukonzeption nicht mit dem Altarraum nach Osten auf Jerusalem (aufgehendes Licht) ausgerichtet. Anstelle des Altarraumes öffnet sich das nach Osten ausgerichtete Hauptportal mit Kirchplatz zur Hauptstraße.


Ansicht der Christuskirche in der Bahnhofstraße, der heutigen Hauptstraße in Richtung Wanne-Nord um 1912.

Ansicht der Christuskirche mit dem Gemeindehaus um 1925. Das Haus hinter der Kirche gehörte dem Elektriker Rudolf Andree; heute ist hier die Hubertus-Apotheke untergebracht.

Durch die rege wachsende Tätigkeit der Vereine innerhalb der Gemeinde ergibt sich bald die Notwendigkeit, eine Versammlungsstätte zu schaffen. Als Baugrundstück für ein Gemeindehaus wird ein Grundstück des Kirchenmeister August Overhof an der Bahnhofstraße (heute Hauptstraße) Ecke Kirchstraße erworben. Die Zechen Pluto und Unser Fritz spendeten über 2/3 der Grundstückkosten. Im Herbst 1893 erfolgte der Baubeginn. Am 8. August 1894 erfolgte die Einweihung. Das Haus diente folgenden Zwecken: Bibelstunde, Sitzung des Gemeindevorstandes, Zusammenkünfte der bestehenden Vereine: Frauenhilfe, Posaunenchor, Kleinkinderschule (Kindergarten) und als Wohnung im Obergeschoß für den Pfarrer und Küster der Gemeinde.




Durch den großen Anteil an masurischen Gemeindemitgliedern wird am 4. Advent 1891 der erste masurische Gottesdienst durch Vikar Grützbach abgehalten. Ab Mitte 1894 werden dann unregelmäßig masurische Gottesdienst in der Christuskirche durchgeführt. Etwa 150 Masuren erscheinen im Abstand von 14 Tagen nachmittags um 15.00 Uhr zu ihrem Gottesdienst. Ein Zeitzeuge berichtet: In ihrer Hand tragen sie in einem großkarierten Taschentuch ihr heimatliches Gesangbuch. Vor Gottesdienstbeginn singen sie Lieder in den ihnen vertrauten Weisen ihrer altpreußischen Gesangbücher. Ab Mai 1898 erfolgt der Gottesdienst mit zweisprachigen Pfarrern. Der nachweislich letzte masurische Gottesdienst findet am Sonntag, dem 5. November 1944 statt.



Titel des Masurischen Gesangbuches und deutsche Übersetzung.



Neuherausgegebenes preußisches Gesangbuch beinhaltet:

eine Liedersammlung alter und neuer Lieder der preußischen und brandenburgischen Länder, mit Bibelversen und innigen Gebeten.

Diese Gebete sind kirchlich, allgemein und für besondere Fälle, für jeden dienend.

Zugleich mit einem nützlichen Register und einer Vorrede, auf welche Weise man das Gesangbuch zu seiner Erbauung gebrauchen soll.

Gemäß Erlaubnis und Privileg seiner Königlichen Majestät des Königs von Preußen.

Königsberg / Preußen

gedruckt auf eigene Kosten von der Harttung`schen
Druckerei 1907.



Im Zweite Weltkrieg gerät das Gemeindeleben ins Stocken. Nach einem schweren Bombenangriff wird der Gottesdienst behelfsmäßig bis Pfingsten 1945 von der Christuskirche ins alte Gemeindehaus verlegt. Erst nach 1948, dem Jahr der Währungsreform, kann die Gemeinde allmählich daran gehen, die Kriegsschäden (die Christuskirche war im vergleich zu anderen Kirche in Wanne-Eickel nur geringfügig beschädigt) zu beseitigen.

Im Jahre 1952 wird die Christuskirche renoviert. Das Gotteshaus erhält neue Glasfenster im Altarraum. Sie zeigen die Kreuzigung Christi. Um ihn herum seine Jünger und die Gemeinde. Das linke Fenster zeigt Moses mit den Gesetzestafeln, das rechte Fenster Johannes der Täufer.


Das alte Gemeindehaus, links um 1963 rechts um 1969.
Der Gebäudekomplex mußte einem großen Warenhaus Anfang der 1970ziger Jahre weichen.

Die neue Orgel der Christuskirche.

Im Eingangsbereich rechts an der Wand befindet sich der Restaurierte Hauptteil des alten neugotischen Altaraufsatzes aus Holz mit Kruzifix und Weintraubensymbolen angebracht.

In einem Seitenraum unter dem Turm befindet sich eine Gedenktafel mit folgenden Worten:
Zum Gedächnis der im Weltkrieg 1914 - 1918 gefallenen Söhnen. Die dankbare Gemeinde.

Ins Auge sticht dem Betrachter beim Anblick der Christuskirche an der Hauptstraße 245 a, die betonten Formen französischer Frühgotik, die in die Backsteinarchitektur unter Verwendung von Sandstein umgesetzt wurde.

Blick von der Orgelempore auf dem Altar mit dem Bildfenster des gekreuzigten und doch zugleich segnenden Christus.

Das Gotteshaus sowie das angrenzende Pfarrhaus wurden mit Bescheid vom 10. April 1987 in die Liste der Baudenkmäler der Stadt Herne eingetragen.

Die Neustrukturierung im Evangelischen Kirchenkreis ist auch an der Kirchengemeinde Wanne-Mitte nicht vorbei gegangen. Nach der Auflösung der Evangelischen Kirchengemeinde Wanne-Mitte reifte die Idee einer neuen Matthäusgemeinde, die Anfang des Jahres 2010 gegründet wurde, die Christuskirche in eine "offene Kirche", eine "Citykirche" umzuwandeln. Die ersten Erfahrungen mit dem Konzept einer "offene Kirche" wurden bereits gesammelt. Heute steht die Kirche mehrmals in der Woche für ein "Fünf-Minuten-Gebet" zur Verfügung.


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Quellennachweis: 75 Jahre Christuskirche Wanne-Mitte. 1884-1984, 100 Jahre Evangelische Kirchengemeinde in Wanne.
Lührig, Heinrich Wanne-Eickel Ausflug in die Vergangenheit, S. 108 ff. 1984. Broschüre zum Tag des offenen Denkmals 2010.
Fotonachweis: Heinrich Lührig.


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