Wanne-Eickel-Historie


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Carl Friedrich Koepe

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Der Erfinder der Fördermaschine "Seil ohne Ende"


Carl Friedrich Koepe wurde am 1. Juli 1835 in Bergkamen als zweiter Sohn des Johann Friedrich Wilhelm Koepe und seiner Ehefrau Sophia, geb. Telgenkemper, geboren. Koepes Vater, Friedrich Wilhelm, war Besitzer eines Bauernhofes in Bergkamen. In der Zeit von 1858 bis 1862 besuchte Koepe die untere und anschließend die obere Klasse der Märkischen Bergschule zu Bochum. Nach Absolvierung der Rektoratsschule zu Kamen verfuhr Carl Friedrich Koepe im Alter von 27 Jahren seine erste Schicht als Steiger im Oeynhauser Schacht des Königlichen Bergwerks zu Ibbenbüren. Zwei Jahre später wechselte er zum Kölner Bergwerksverein zu Altenessen als Maschinenwerkmeister für die Schachtanlagen Anna und Karl über. Von dort ging Carl Friedrich Koepe zu dem bekannten Bergwerksindustriellen Friedrich Grillo, für dessen Gesellschaft er an dem Neubau des Schachtes Grillo der Zeche Monopol, des Schachtes 1 der Gewerkschaft Königsborn, des Schachtes 2 der Gewerkschaft Consolidation der Schächte Neu-Köln und Christian Levin maßgeblich mitwirkte. Am 1. Mai 1873 trat Carl Friedrich Koepe in den Dienst von Alfred Krupp und begann seine Tätigkeit als technischer Direktor auf der Zeche Hannover 1/2. Diese Stelle hatte ihm sein Schwager Arnold Steingröver, der in der Firma Krupp oberster Zechenverwalter war, vermittelt. Carl Friedrich Koepe leitete das Bergwerk Hannover an der Stadtgrenze zu Eickel 17 Jahre lang. Er wohnte lange Jahre an der Hordeler Straße und war langjähriges Mitglied des Kirchenvorstandes der St. Marienkirche in Eickel.

Carl Friedrich Koepe, 1835 - 1922

Ölgemälde von Franz Kiederich, um 1920

Seit den Anfangszeiten des Bergbaues hatte sich am Prinzip der Kohlenförderung nicht viel geändert. Ursprünglich hängte man einen "Kübel" ein eimerförmiges Fördergefäß, an ein Seil, das mit Hilfe einer Kurbel durch die Haspelknechte auf eine Welle gewickelt wurde. An die Stelle der Haspelknechte war inzwischen die Dampfmaschine getreten. Die Welle war durch eine Trommel mit möglichst großem Durchmesser ersetzt worden, auf die ein relativ langes Seil in nebeneinanderliegenden Rillen aufgewickelt werden konnte. Beim Betrieb der Maschine musste auf größte Gleichmäßigkeit geachtet werden, da sich jede Unregelmäßigkeit auf die Bewegungen des Förderkorbes übertrug. Dieser strapazierte ohnehin mit seinem - je nach Ladung - schwankenden Gewicht das Seil, das zudem bei jedem Anziehen durch den dann fälligen Ruck belastet wurde und demzufolge in starkem Maße beansprucht und dem Verschleiß ausgesetzt war. Auf der Zeche Hannover wurde 1873 von der ersten Tiefbausohle in 162 Meter Teufe gefördert.

Kurze Zeit später erschloss man die zweite und die dritte Tiefbausohle in 233 und 304 Meter Teufe. Jedes Mal musste für das nun erheblich längere Förderseil eine größere Trommel eingebaut werden, um die Zahl der Führungsrillen nicht übermäßig zu vergrößern, sondern möglichst zu verringern. Zur grundlegenden Verbesserung der Fördertechnik hatte Carl Friedrich Koepe im Jahre 1877 schon längst eine neue Idee entwickelt. Sein Grundgedanke war einfach. Er übertrug die Technik der Transmission auf den Transport der Förderkörbe im Schacht. Das Seil wird nun nicht mehr aufgewickelt sondern es bildet eine Schleife, die um eine Treibscheibe gelegt wird. An jedem der beiden Seilenden ist ein Förderkorb befestigt. Die Länge des Seils ist so bemessen, dass der eine Korb gerade an der Hängebank ankommt, wenn der andere am Füllort aufsetzt. Das Gewicht des Förderseils wird durch ein Unterseil ausgeglichen, dessen Enden jeweils unter den beiden Förderkörben befestigt sind. Somit entsteht eine geschlossene Schleife. Carl Friedrich Koepe nannte seine Erfindung, "Seil ohne Ende". Seine Erfindung nahm später ihren Weg in die Welt, überall dort, wo Bergbau betrieben wurde. Eine Weiterentwicklung des Paten "Seil ohne Ende", war die Vierseilförderung. Der große Vorteil besteht darin, dass unter Verwendung dünner Seile bei größter Sicherheit auf die Anordnung einer Fangvorrichtung verzichtet werden kann. Selbst wenn ein Seil reißen sollte und wenn sogar von 4 Seilen 3 Bruch erleiden, hat das 4 Seil immer noch eine mehr als zweifache Sicherheit. Seilbrüche und damit schwere Seilfahrtunglücke in Hauptschächte konnte es hierdurch kaum noch geben.

Carl Friedrich Koepe teilte das Schicksal vieler Erfinder. Durch Intrigen seines einflussreichen Schwagers Arnold Steingröver, der ihm diesen Erfolg nicht gönnte, verlor Koepe sein Patent (Koepe schrieb an G. von Bohlen und Halbach, "Dieses System der Förderung habe ich vor Patentannahme der Firma Friedrich Krupp erklärt und gebeten, sie möge darauf ein Patent sich geben lassen. Nachdem das System von einigen Fachleuten der Firma Krupp, Oberingenieur Höcker; Direktor Steingröver und Direktor Fitting sowie Justizrat Gosse, geprüft und begutachtet worden war, war das Resultat: Der Gedanke ist zu schön, jedoch ist das System in der Praxis nicht ausführbar").

Das Schicksal ließ Koepe nicht los. Durch seine "unsichere Haltung" bei dem Bergarbeiterstreik im Jahre 1889 verlor er seine Stellung, sein Dienstverhältnis wurde gekündigt.

Später als selbstständiger Bergwerksingenieur hat Carl Friedrich Koepe noch zahlreiche Neubauten von Tagesanlagen und Schächten ausgearbeitet. So war er vor allem für die Gewerkschaft Constantin der Große in Bochum, Ewald in Herten und Mont Cenis in Herne-Sodingen tätig. Für die Zeche Constantin errichtete er zusammen mit dem Ingenieur Baum (Maschinenfabrik) in Herne die erste "Baumsche Kohlenwäsche".

Rüstig bis ins hohe Alter, widmete sich Koepe als selbständiger Bergwerksunternehmer und Eigentümer der im Jahre 1906 in die spätere Gewerkschaft Adler in Kupferdreh überführten Gewerkschaft Joseph in Rottberg bei Kupferdreh seine unermüdliche Arbeitskraft weiter dem Bergbau. Der gemauerte Turm des Hauptschachtes, der unter Koepes tätige Anteilnahme errichtet und 1908 in Betrieb genommen wurde. In der Neuanlage wurde eine elektrische Fördermaschine "Koepescher Bauart" installiert.


Am 13. September 1922 starb Carl Friedrich Koepe nach einem arbeitsreichen Leben, in dem seine schöpferische Begabung dem Bergbau manchen technischen Fortschritt, ihm selbst jedoch, hohe Geldverluste und viel Enttäuschung gebracht hatte.


Zur Erinnerung an Carl Friedrich Koepe schlug im Frühjahr 1992 der Lokalhistoriker Heinrich Lührig der Bezirksvertretung der CDU in Eickel vor, die abzweigende Hordeler Straße in südlicher Richtung zur ehemaligen Zeche Hannover in Koepeweg umzubenennen. Mit dieser Namensgebung würde das Können eines Mannes gewürdigt, dem der Bergbau und diese Region viel verdankt. Der Antrag der CDU unter Ingo Bontempi vom 10. Dezember 1992 wurde durch die Bezirksvertretung Eickel Einstimmig angenommen. Anfang Januar 1993 wurden das Straßenschild Koepeweg, in der unmittelbaren Nähe zu seinen ehemaligen Wirkungskreis angebracht.












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Quelle: Antrag der CDU Bezirksvertretung Eickel zur Straßenumbenennung vom 30. Oktober 1992.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig


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