Wanne-Eickel-Historie


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Bruno Unkhoff

Kunst und Kultur > Menschen aus Wanne-Eickel

Ein Künstler mit drei Leben Bruno Unkhoff


In dem Porträt-Band "Gesichter des Reviers" wird er eingangs ein Urvieh genannt. Wenn diese Beschreibung Synonym für ein Unikat in Menschengestalt sein soll, trifft sie auf Bruno Unkhoff zu. Aber sie charakterisiert ihn noch nicht. Denn Unkhoff ist mehr. Er ist erratisches Urgestein. Geformt zu diesem Block - Mensch, Persönlichkeit, Künstler - wurde er durch den Strom des Lebens, der ihn unverrückbar dort abgesetzt hat, wo er, seit vielen Jahren nun und immer wieder Impulse gebend wirkt: in Wanne-Eickel.

Bruno Unkhoff, Jahrgang 1931 wurde in Gelsenkirchen geboren, er hat Bildhauerei bei Prof. Adolf Wamper an der Folkwangschule in Essen und bei Prof. Anton Hiller an der Kunstakademie in München studiert. Das hierbei erworbene solide Rüstzeug, gepaart mit dem in seiner Neigung wurzelnden Talent, hat ihn befähigt, Dinge zu formen, die keines Kommentars bedürfen, weil der Künstler durch seine Skulpturen unmittelbar zum Betrachter spricht. Pseudomoderner Manierismus ist bei Unkhoff nicht zu finden; er geht den eigenen Weg und legt in dem, was er schafft - sicher unbewusst - immer wieder Zeugnis ab von sich selbst, von dem, was er fühlt, denkt, empfindet, wünscht.

Ein aus Metallschrott geschweißter auffliegender Taubenschwarm kann sicher auch Anklang an des Bildhauers Heimat, das Ruhrgebiet mit seinen Taubenvätern, sein, versinnbildlicht indes auch des Menschen Sehnsucht, von Drangsalen und einengenden Verhaftungen abzuheben. Und hatte der Künstler für dieses Werk die dem Material entsprechend nur grob konturierte Form gewählt, so beeindruckt er auf anderer Weise durch die filigrane Ästhetik einer Madonnenfigur, derer beseelten Statuette die Finger eines Mannes mit der Statur eines Sumo-Ringers aus liebevollem Herzen geformt haben.

Der Künstler Bruno Unkhoff im Jahre 1958.

Der Künstler Bruno Unkhoff im Jahre 1965.

Dieser Mann, der die Wechselbeziehungen zwischen konkav und konvex immer wieder - sei es in Holz, Stein, Keramik, Metall oder Kunststoff - thematisch in große wie kleine Objekte einbezieht, der durch Studienaufenthalte in europäischen Nachbarländern das eigene Gesichtsfeld geweitet hat, kann auf mannigfache Wegmarken zurückblicken. Eine Reihe von Preisen, die ihm zuerkannt wurden, bestätigt ebenso seine Ausdruckskraft in der Kunst als Bildhauer wie zahlreiche Aufträge, die ihn für Institutionen, Gebietskörperschaften, Museen und private Sammler tätig werden ließen.

Schnörkellos ist das Leben dieses Bruno Unkhoff, Vater von fünf Kindern, an der Seite von Ehefrau Annemarie nicht verlaufen. Aber wer Höhen erklimmen will, muss Tiefen durchwandern. So ist der Ur- Westfale Bruno über Jahre Kneipenwirt gewesen (Gaststätte Monopol am Wanner Markt), als die Kunst ihren Mann kaum ernährte. Fürsorge für die Seinen war so getroffen, denn das Kneipengeschäft lief gut. Und Fürsorge war auch für Bruno getroffen, dem die geliebten Pils damals nur zum Einkaufpreis in Rechnung standen.

Kneipier war Unkhoff, befristet, Beruf, Künstler, Bildhauer zu sein, blieb für ihn bis auf den Tag Berufung, war ihm Auftrag zu formen, zu gestalten, nicht nur mit den Händen, auch mit dem Herzen.

Und so hat er, der Lehrer an Volkshochschulen war und künstlerisch begabte Schüler unterrichtete, eine Initiative entwickelt, die heute als Pilotprojekt verankert ist und Behinderten unter seiner Anleitung Wege zu kreativer Betätigung erschließt: Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Blinde, Spastiker, Rollstuhlfahrer werden von Unkhoff angeregt und gefordert, sich aus der oft zwangsläufigen Introversion zu lösen, um durch Form, Gestalten und Modellieren Anschluss an die Umwelt zu finden. Dadurch formt und gestaltet Bruno Unkhoff aus dem Kern des eigenen Wesens, das zuvor bereits für den Schöpfer einer Madonnenfigur mit dem Begriff "aus liebevollem Herzen" in Einklang gebracht wurde, in den Behinderten ein neues Selbstwertgefühl.

Pins Bauernhof in Röhlinghausen an der Wilbe war über 40 Jahre die künstlerische Heimat von Annemarie und Bruno Unkhoff.

Bruno Unkhoff (25. 12. 1931 - 11. 12. 2002).

Bruno Unkhoff ist kein Heiliger. Aber am allerwenigsten ein Scheinheiliger. Er geht lieber zum Frühschoppen als zum Frühgottesdienst. Wer die Zehn Gebote im Herzen und den kategorischen Imperativ im Hirn hat, muss nicht unbedingt zur Predigt laufen. Er wird, wie anders könnte es bei Bruno Unkhoff sein, tätig. Bruno Unkhoff hatte die Idee zum Bau einer Kapelle in Recklinghausen, eine Kapelle, die Einkehrer bieten soll zu Besinnung und Meditation. Er, der an der Reihe von Kirchenbauten gestaltend mitwirkt hat, hat hier eine weitere und sicher allen anderen überragende Wegmarke setzen. Er hat dies aus freien Stücken getan, und er tat es unentgeltlich.

Nur wenige Tage vor seinem 71. Geburtstag, am 11. Dezember 2002 traf die Nachricht von seinem Tod den großen Kreis seiner Freunde plötzlich und unerwartet.

Die Kapelle Maria-Anna-Hoffnung in Recklinghausen Hertener Straße 50.

Die Kapelle wurde durch Spenden des Bauträgervereins Freunde und Förderer der Kapelle Maria-Anna-Hoffnung e.V. (am 1. Januar 1988 gegründet) im Jahre 1995 fertig gestellt.

Die von dem Bildhauer Bruno Unkhoff erschaffene Skulptur aus Bronze, die in der Kapelle zu sehen ist und die die geschichtliche Mutter Anna, die Großmutter Maria und das Jesus-Kind als Sinnbild der Hoffnung darstellt. Die Skulptur aus Bronze ist 40 cm hoch und 10 cm breit. Sie hat ein Gewicht von 1,5 Kg. und wurde in einer Auflage von 100 Stück verkauf.


Seine Werke im öffentlichen Raum:


Skulptur „Zwiegespräch“ (Steinguss mit farbigem Polyester überzogen) 1958 Innenhof der Stadtbücherei
Wanne Wanner Straße.


Skulptur „Phoenix aus der Asche“ (Steinguss mit farbigem Polyester überzogen) 1965 Innenhof Haus am Grünen Ring
(VHS Wanne) Wilhelmstraße.


Steinrelief „Spielende Kinder“ an der Fassade der Schule
an der Dorneburg Königstraße 72 in Eickel.


Wandbild „Baum im Wind“ 1991 Wohnhaus Kurhausstraße
Ecke Langekamp Straße Wanne-Süd.


Plastik "Taubenschwarm" 1988 vor der Sparkassenfiliale
Im Emscherbruch - Ecke Herforder Straße
in Gelsenkirchen-Resse.


Skulptur „Kreuz“ (Polyester) 1961 über dem Altar, das der Gestalt des auferstandenen Christus nachempfunden ist. Zwölf Apostel Kirche Wanne-Süd Hauptstraße.


Wandelgang (gestaltet 1991) der Erich-Fried-Gesamtschule in Holsterhausen, Grabenstraße 14.

Seine Skulpturen:

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Quelle: De Lepoest: Gesichter des Reviers, Gelsenkirchen 1992.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.
Fotoveröffentlichung: Mit Genehmigung durch: Hans-Joachim Gregor.


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