Wanne-Eickel-Historie


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Brückenkran Nr.4

Gebäude

Geschichte der Brückenkräne am Westhafen


Die "krummen Hunde", Brückenkräne am Westhafen hatten sich im Laufe der Jahre zum Wahrzeichen des Westhafens und der ehemaligen Stadt Wanne-Eickel entwickelt. Ihre Silhouetten glichen einem Hundehals und- kopf, weshalb der Volksmund die Riesenkräne am Westhafen "krumme Hunde" nannte.
Der Brückenkran Nr. 4 war mit dem Rhein-Herne-Kanal und der Wanner-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH eng verbunden.

Ansicht des Westhafens im Jahre 1928 (links) und 1959 (rechts).
"Krumme Hunde" nannten die Hafenarbeiter ihre Riesenkräne, die 12 Tonnen empor heben konnten.

Die Idee, einen Kanal mitten durch Deutschland zu graben ist über 300 Jahre alt. Bereits im 17. Jahrhundert sollten Rhein, Weser und Elbe miteinander "vernetzt" werden. Gut hundert Jahre später plante Friedrich der Große eine Schifffahrtsverbindung zwischen Westfalen und den preußischen Häfen. Alle Pläne scheiterten, darunter auch der Plan die Emscher für Lastkähne schiffbar zu machen.

Wie auch immer - die Befürworter ließen nicht locker. Als der Dortmunder Friedrich Harkort, ein Unternehmer der Frühindustrialisierung und Abgeordneter mehrerer deutscher Parlamente im Jahre 1895 das Heft in die Hand nahm und die "Mittellandkanal-Bewegung" ins Leben rief, bekam die Kanalbau-Idee neuen, kräftigen Rückenwind.

Der Rhein-Herne-Kanal verdankt somit also seine Entstehung um die Jahrhundertwende der aufstrebenden Montanindustrie. Da immer mehr Zechen, vor allem im östlichen Ruhrgebiet eine Anbindung an den Rhein zum schnellen Transport ihrer Kohle forderten, beschloss man nach längeren politischen Auseinandersetzungen den Rhein-Herne-Kanal zu bauen. Am 5. April 1906 erfolgte der erste Spatenstich - am 14. Juli 1914 wurde der Kanal mit zunächst sieben Kanalstufen für die Schifffahrt (heutige Länge 45,4 km) bei einem Höhenunterschied von 36 Metern, freigegeben.

Blick auf dem Rhein-Herne-Kanal um 1923.

Blick in den Westhafen um 1945.

Im Großen und Ganzen folgt der Kanal dem Lauf der begradigten Emscher und schloss sich den dort angesiedelten Kohlezechen an. In der Blütezeit der deutschen Steinkohle gab es 28 Häfen, darunter vier öffentliche und 24 Werks- und Zechenhäfen. Hier drunter fielen auch die Häfen der Zeche Unser Fritz und der Wanner-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH.

Der erste Spatenstich zum Bau der Kanalhäfen Wanne-Herne im heutigen Crange erfolgte am 15. Juli 1911. Die Leitung des Unternehmens übernahm die 1906 gegründete Gesellschaft Kanalhafen Wanne-Gelsenkirchen-Kanal. Kaum sieben Jahre später, am 10. April 1913 wurde die Hafenbetriebsgesellschaft Wanne-Herne als öffentliches Wirtschaftsunternehmen aus der Taufe gehoben. Als Gesellschafter fungierten der Landkreis Gelsenkirchen, die Stadt Herne und die Gemeinde Wanne. Nach Auflösung des Landkreises Gelsenkirchen und seinem Ausscheiden aus der Gesellschaft und dem Zusammenschluss der Gemeinden Wanne, Eickel und Röhlinghausen zur Stadt Wanne-Eickel im April 1926, war Wanne-Eickel mit sieben Zehntel und die Stadt Herne mit drei Zehntel am Stammkapital, beteiligt.

Ansichtskarte der Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH. Man könnte kühn behaupten: Alle Wege führen nach Wanne-Eickel.

Luftbildaufnahme aus dem Jahre 1960 zeigt die Ausmaße des Westhafens mit dem Stichbecken an der Straße Am Westhafen.

Am 15. Mai 1913 erteilte die Landesregierung die Genehmigung für den Bau einer werkseigenen Kleinbahn. Zunächst hatte der Westhafen eine Wasserfläche von 2,7 Hektar und besaß nur ein Ufer und drei Bahngleise. Im Jahre 1915 wurde die Hafenanlage im Westhafen und die Anschlüsse zum Bahnhof Wanne fertiggestellt. Noch vor Beendigung aller Bauarbeiten wurde im November 1914 die erste Kohle der Zeche Ewald im Westhafen umgeschlagen. Im 414 Meter langen Westhafen wurden Kohle, Erze und Holz, im 320 Meter langen Osthafen, südlich der Heerstraße wurden Getreide und Industriegüter verladen. In einem zweiten Bauabschnitt 1926/27 wurde die nutzbare Wasserfläche auf 9,8 ha vergrößert. Desweiterem wurde im Jahre 1928 das 71 010 qm große Stichbecken am Westhafen für den Umschlagbetrieb freigegeben.

Am 5. März 1928 wurde das nördliche Verladeufer durch drei elektrische Brückenkräne mit Wippauslegern von je 12 Tonnen Tragfähigkeit und 27 Meter Ausladung ausgerüstet. Sie ersetzten die älteren Portaldrehkräne. Der Wippausleger von Brückenkran Nr. 4 (er wurde 1927 von der Firma DEMAG aus Duisburg erbaut) besaß einen Triebstocksegment-Antrieb. Hierdurch ergab sich die auffallende Konstruktionsform dieses Krantyps, der ihm im Volksmund die weitverbreitete Bezeichnung "krummer Hund" eingetragen hat. Der Brückenkran mit beweglichem Ausleger, dessen Schnabelrolle ständig auf gleicher Höhe blieb, war mit einer großen Holzkabinenkonstruktion ausgestattet und wies ein Gesamtgewicht von 320 Tonnen auf. Er stand auf 2 Fahrschienen mit einer Spurweite von 21 Metern, die Gesamtbreite betrug 35 Meter, seine Höhe ca. 30 Meter. Als einer der ersten elektrisch betriebenen Kräne war er ein Prototyp der modernen Krantechnik im Ruhrgebiet.


Die maximale Ausladung des einziehbaren Auslegers gestattete es, gleichzeitig an der gesamten Uferlänge drei nebeneinanderliegende Schiffe mit einer Tragfähigkeit von 1350 Tonnen zum Laden oder Löschen anzulegen, so dass im gesamten Westhafen 28 bis 30 Schiffe zu gleicher Zeit zum Laden vorgelegt werden konnten. Somit war die Größenordnung des Westhafens, als einer der bedeutendsten Kanal-Kohleumschlaghäfen der Bundesrepublik zu sehen.

Westhafenbecken im Jahre 1927.

Westhafenbecken im Jahre 1954.

Ihre Silhouetten glichen einem Hundehals und- kopf, weshalb der Volksmund die Riesenkräne am Westhafen "krumme Hunde" nannte.
Die Aufnahmen entstanden um 1930.

Brückenkräne am Westhafen, die Aufnahmen entstanden um 1959.


Mit den Zechenstilllegungen seit Beginn der 1970er Jahre und der verstärkt einsetzenden Globalisierung Anfang der 1990er Jahre ging auch die Bedeutung des Rhein-Herne-Kanals zurück. Das Verkehrsaufkommen verringerte sich schlag artig.

Diese starke Veränderung machte auch nicht vor dem größten Kohle-Umschlaghafen am Rhein-Herne-Kanal halt. Wo einst Schiffe be- und entladen wurden begann man im April 1996 das Stichbecken am Westhafen abzutrennen und zu verfüllen. Hierzu mussten rund 1,5 Millionen Tonnen Bergematerial bewegt werden, das in der Hauptsache von der Schachtanlage General Blumenthal stammte und zum größten Teil über die Schiene angeliefert wurde. Schaufel für Schaufel schütteten die drei Brückenkräne, die lange Zeit das Bild am Hafen prägten, das Stichbecken mit Bergematerial zu. Ihr Schicksal war mit der Verfüllung besiegelt. Sie zu erhalten, stand wegen ihrer Größe und ihres Gewichts nicht zur Diskussion (nur der Brückenkran Nr. 4 sollte der Verschrottung entziehen).

Wo einst Schiffe be- und entladen wurden begann man im April 1996 das Stichbecken am Westhafen ab zu trennen und zu verfüllen.

Es ist Ende 1996, das Stichbecken am Westhafen ist verfüllt, die Tage der Brückenkräne zur Verschrottung waren gezählt. Der Abbruch wurde mit 20 000 DM pro Stück beziffert, so die Verwaltung.

Wo sich einst das Stichbecken am ehemaligen Westhafen, Straße Am Westhafen befand, entstand ab 1997 auf knapp 13 000 Quadratmeter Fläche das neue Güterverkehrszentrum (GVZ) Emscher, ausgestattet mit einem Container- Umschlagplatz und einem Frachtzentrum. Das Projekt der GVZ Emscher ist 1993 auf der Wirtschaftskonferenz "Region Mittleres Ruhrgebiet" beschlossen worden. Im Jahre 1994 wurde die Planungs- und Entwicklungsgesellschaft Güterverkehrszentrum Emscher mbH gegründet. Im Jahre 1999 siedelte sich das erste von inzwischen sieben Logistikunternehmen hier an.

Im Juli 2002 wurde das Umschlagterminal offiziell seiner Bestimmung übergeben. Damit war laut GVZ, einer Tochter der Stadt Herne, ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Güterverkehrszentrum Emscher getan. Wie wichtig sollte sich aber erst im März 2012 herausstellen.

Der erste Anstoß, einen der drei Brückenkräne auf Dauer der Nachwelt zu sichern, kam 1991 vom Amt für Denkmalspflege in Münster. Die Bezirksvertretung Wanne und hier ins besondere der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Peter-Klaus May beschlossen durch parlamentarischen Beschluss im Bezirk Wanne den ältesten der drei Kräne der Nachwelt zu erhalten. Die Denkmalbehörde der Stadt und des Landes bestätigten die unter Schutz Stellung. So wurde am 9. März 1999 der Brückenkran Nr. 4 im Wanner Westhafen, besser bekannt als "krummer Hund" in die städtische Denkmalliste als bewegliches Denkmal aufgenommen.

Der Brückenkran Nr. 4 hatten sich im Laufe der Jahre zum Wahrzeichen des Westhafens und der ehemaligen Stadt Wanne-Eickel entwickelt. Die Aufnahme entstand im April 2005.

Der Wanner-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH war der Kran aber ein Dorn im Auge. Ringsherum war aus einem ehemals bedeutenden Kohleumschlagplatz ein modernes Logistikzentrum entstanden. Und der "krumme Hund" stand mitten drin. Dem Abriss der Nr. 4 stand aber der Denkmalschutz im Wege. So Klagte die Wanner-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen gegen die Eintragung des Brückenkrans in die Denkmalliste. Die 16. Kammer des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen wies aber im September 2002 die Klage der Wanner-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH, ab. Sie sah die Eintragungsvoraussetzungen als erfüllt an. Das öffentliche Interesse am Erhalt und Nutzung, so hieß es, sei weiterhin gegeben, da er für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse stehe. Außerdem sei er ein Identifikationsmerkmal für den Hafen und für die Menschen aus der Umgebung. Daran ändere auch nichts, dass der Kran Rost angesetzt hat, oder dass das alte Stichbecken inzwischen verfüllt sei und der Kran nun einige hundert Meter vom Kanal entfernt stehe. Auch hierdurch sei der Dokumentationswert des alten Brückenkrans nicht gesunken, so die 16. Kammer des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen. Am 17. Oktober 2002 wurde die Eintragung als Baudenkmal rechtskräftig.

Dies war eine klare Antwort zum Thema Brückenkran Nr. 4 - sollte man meinen, aber weitgefehlt. Das Wahrzeichen des ehemaligen Kohleumschlagplatzes, der "krumme Hund" war weiterhin ein Dorn im Auge der Wanner-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH, blockierte er doch die Entwicklung des Güterverkehrszentrum (GVZ) Emscher.

Grund genug, die Entwicklungen chronologisch aufzurollen:


17. Dezember 2002 - Abbruchantrag für den Brückenkran Nr. 4 für die Erweiterung des "Gatebereichs" - Übernahmeverlangen nach § 31 Denkmal Schutz Gesetz NW.
14. Juli 2003 - Schreiben der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Herne, der Abbruch wird versagt.
04. August 2003 - Widerspruch durch die Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH.
13. August 2003 - Eingang und Begründung der Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH.
01. September 2003 - die Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH. Beantragt die Aussetzung des Widerspruchsverfahrens, ein weiterer Antrag für die Errichtung einer Abstellfläche für Gefahrgut soll folgen.
15. September 2003 - Untere Denkmalbehörde der Stadt Herne gibt Aussetzung statt.
14. Juni 2004 - Schreiben der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Herne, für die Neuplanung sind die Belange des Denkmalsschutzes darzulegen.
24. September 2004 - Schreiben der Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH an die Untere Denkmalbehörde der Stadt Herne, bedingt durch die räumliche Enge besteht keine Alternativlösung für die Standortwahl.
24. Januar 2005 - Schreiben der Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH, Abstellfläche wird für Gefahrgut und besonders zur Überwachung der Container benötigt.
09. Mai 2005 - Schreiben der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Herne an die Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH um Mitteilung für mögliche Alternativflächen.
14. Juni 2005 - Schreiben der Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH an die Untere Denkmalbehörde der Stadt Herne, die Alternativen sind nicht zu realisieren. Eine Stellungnahme hierzu wird im durchzuführenden Antragsverfahren gegeben.
03. Februar 2006 - Bericht der WAZ: Wirtschaftsprüfung Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH: Droht sogar die Insolvenz?
23. Mai 2006 - www.herne.de Pressemeldung Konsolidierung Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH, neuer Geschäftsführer.
September 2006 - DerWesten: Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH stand im --- (--- im Original nicht zu lesen, da mit Tipp-ex bearbeitet), nachdem das Geschäft mit der Kohleverladung weggebrochen war. Verlust von 1,3 Mio. Euro.
20. Dezember 2007 - DerWesten: "Weichen weisen Weg aus der Notlage" www.derwesten.de/staedt/nachrichten-aus-herne-und-wanne-eickel/weichen-weisen-weg-aus-notlage-id1705788.html
14. Mai 2008 - Eingang Abbruchantrag für die Herstellung einer weiteren Zufahrt und zusätzlichen LKW Stellplätzen.
01. Oktober 2009 - Ausstehende Unterlagen wurden von der Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH eingereicht.
01. Dezember 2009 - Positive Abbrucherlaubnis der Untere Denkmalbehörde der Stadt Herne zur Benehmensherstellung an Landschaftsverband Westfalen Lippe.
26. Februar 2010 - Ortstermin mit Landschaftsverband Westfalen Lippe und der Untere Denkmalbehörde der Stadt Herne.
10. März 2010 - Negative Benehmensherstellung des Landschaftsverband Westfalen Lippe.
23. April 2010 - Auf Grund einer differenzierten Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH Stellungnahme positive Abbrucherlaubnis an Landschaftsverband Westfalen Lippe.
31. Mai 2010 - Eingang Landschaftsverband Westfalen Lippe-Schreiben zur Ministerentscheidung.
21. Juni 2010 - Vorabinformation vom Regierungspräsident zur Ministeranrufung.
10. Juni 2010 - Eingang Erlass des Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein Westfalen zum Ministeranrufungsverfahren gemäß § 21 Denkmal Schutz Gesetz Nordrhein Westfalen.
07. Juli 2010 - Bericht Untere Denkmalbehörde der Stadt Herne ans Bauministerium.
06. Oktober 2010 - Ortstermin mit dem Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein Westfalen. Vereinbarung: Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH soll alternative Standorte auf dem Firmengelände prüfen.
08. Dezember 2010 - Information vom Fachbereich Tiefbau und Verkehr:

  • Die Machbarkeit einer Translozierung (In der Denkmalpflege bedeutet Translozierung auch Versetzung oder Transferierung den dokumentierten Abbau und anschließend möglichst originalgetreuen Aufbau eines historischen Gebäudes, Baudenkmals an einem anderen Ort. Das geschieht vor allem, wenn Kulturdenkmäler Bauprojekten im Wege stehen. Die Translozierung ist ein Verfahren der Gebäudeversetzung.) wurde festgestellt.
  • Je nach Standort auf dem Grundstück belaufen sich die Kosten auf: 300.000 Euro ohne Zerlegung Nahbereich 380.00 Euro Zerlegung in 2 Teilen
  • Bei Translozierung im Stadtgebiet Herne (Transport mit Sattelschleppern bis ca. 10 km). Hierfür wird eine Zerlegung in kleineren Segmenten erforderlich, ca. 1.200.000 Euro Demontage/Montage, ca. 40.000 Euro Honorar für technische Bearbeitung zuzüglich der Kosten für die LKW`s, (alle Kosten sind netto Kosten ohne MWST).

07. April 2011 - Eingang Schreiben der Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH mit 6 alternativen Standorten für den Brückenkran.
15. April 2011 - Schreiben Unteren Denkmalbehörde der Stadt Herne ans Ministerium (Prüfung, Kosten und Standort).
20. Juni 2011 - Eingang Ministerentscheidung: "Nach Abwägung aller Interessen ist die Abbrucherlaubnis zu erteilen."
21. September 2011 - bauaufsichtliche Genehmigung zum Abbruch des Brückenkran Nr. 4 an die Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH.


Entscheidungsgründe (zur Entlassung aus dem Denkmalschutz):
Die Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH durchläuft unter hohem betriebswirtschaftlichem Druck seit Jahren einen umfangreichen Umstrukturierungsprozess, der tiefgreifende Restrukturierungen in der Produktionspalette erforderlich macht.
Die Bildung finanzieller Rücklagen war dem Unternehmen in den vergangenen Jahren nicht möglich. Der letzte geprüfte Jahresabschluss aus dem Jahre 2008 weist einen Bilanzverlust von 3,8 Mio. Euro aus.

Bei der Ermessensentscheidung ist zu berücksichtigen:
Denkmaleigentümer zumutbare Nutzung zugeführt werden kann oder ob es gleichsam nur als Museum (bewegliches Denkmal) bestehen bleibt.
In diesem Fall kann der Brückenkran weder einer sinnvollen Nutzung zugeführt, noch können Nutzungserträge erzielt werden. Der Brückenkran ist "nur noch Denkmal" und dient ausschließlich dem öffentlichen Interesse.

Unter diesem Aspekt ist daher:

  • Die wirtschaftliche Zumutbarkeit des Denkmaleigentümers besonders zu berücksichtigen.
  • Die Gründe des Eigentümers sind abzuwägen und zu würdigen. (Weiterer Originaltext ist nicht zu lesen, da mit Tipp-Ex bearbeitet)


Der Denkmaleigentümer könnte - unter Voraussetzung, dass die Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH einer Lösungsmöglichkeit mit einer noch tragbaren Einschränkung / Behinderung der Gesamtlogistik zustimmen würde, nach oben genannter Sachlage "ein Übernahmeverlangen gegen die Kommune gemäß § 31 Denkmal Schutz Gesetz Nordrhein Westfalen erwirken".

Die Lösung der finanziellen Folgekosten für die Kommune kann nur im Rahmen der §§ 35 ff. Denkmal Schutz Gesetz Nordrhein Westfalen (Leistungen nach Denkmal Schutz Gesetz Nordrhein Westfalen werden aus Mitteln des Landes, der Gemeinde und Gemeindeverbände erbracht) gefunden werden.

Der Gesetzgeber geht davon aus, dass das Land in seinem jährlichen Haushaltsplan Mittel für Denkmalschutz und Denkmalpflege bereitstellt. Eine Rechtspflicht, dies zu tun, hat es indessen nicht. Wenn das Land Mittel für Denkmalschutz und Denkmalpflege bereitstellt, bedeutet dies, dass auch die Gemeinde in der Richtung Denkmalmittel in ihrem Haushalt vorsehen sollte.

Im Jahre 2003 haben telefonische Anfragen beim Bauministerium ergeben, dass keine Fördermittel vorhanden sind. Bei dem Sonderförderprogramm des Bundes aus dem Jahre 2008 für akut gefährdete Baudenkmäler konnte nur der Malakowturm der Zeche "Unser Fritz" Berücksichtigung finden.

Selbst bei einer Zuwendung des Landes oder des Bundes könnte, auf Grund der angespannten Haushaltssituation der Stadt Herne, der Eigenanteil nicht aufgebracht werden. Die Stadt Herne ist Haushaltssicherungsgemeinde. Die Übernahme des Brückenkrans, auf Grund der besonderen Bedeutung des Baudenkmals, würde die Finanzen der Gemeinde soweit einengen, dass andere im Bereich der Daseinsvorsorge aktuell wichtige Pflichten, nicht mehr oder nur eingeschränkt erfüllt werden können.

Der § 31 ist aus Sicht der Untere Denkmalbehörde der Stadt Herne, nach aktueller Sachlage, für die Denkmäler in der Stadt Herne nicht mehr umsetzbar, da bei einer Übernahme des Denkmals andere Erfordernisse des Gemeinwohls die Belange des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege überwiegen würden.

Die WAZ machte in einem Artikel: "Krummer Hund" vor dem Abriss - Historischer Kran am Westhafen soll neuem Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH-Terminal weichen, am
06. Januar 2012 auf diesen Entscheid aufmerksam.

Dieser Bericht rief mehrere Mitstreiter für den Erhalt des Brückenkrans auf den Plan, u.a. Peter-Klaus May, Horst Spickermann, Dorothea Schulte, Hiltrud Buddemeier und Elisabeth Bölter, die sich um eine Rettung des bedrohten Wahrzeichens bemühten. Sogar der WDR sprang auf das Thema mit einer Berichterstattung: Rettet den "krummen Hund" in der Lokalzeit Ruhr auf und strahlte am 14. Februar eine 3:13 Minuten Reportage aus. Desweiteren wurde ein Förderverein ins Leben gerufen. Am 14. März erfolgte eine weitere Sendung im WDR über den Brückenkran Nr. 4.

Am 16. Februar 2012 reiste eine Vertretung der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Herne nach Münster, um das Amt für Denkmalspflege beim Landschaftsverband Westfalen Lippe die Dokumentation über den Brückenkran Nr. 4 zu überreichen, eine Voraussetzung für die Abrisserlaubnis. Hierzu legte das Amt für Denkmalspflege in Münster kein Veto ein. Danach erhielt die Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH die Genehmigung zum Abbruch des "krummen Hundes".

Dann plötzlich überschlugen sich die Ereignisse, Hiltrud Buddemeier Sprecherin des Herner Bund, wollte sich nicht mit dem bereits beschlossenen Abriss abfinden und reichte deshalb Anfang März 2012 eine Eingabe an den Petitionsausschuss des Landtages in Düsseldorf, ein. In ihrem Schreiben bittet sie den Petitionsausschuss um Unterstützung die Streichung des Brückenkrans von der Denkmalliste rückgängig zu machen. Aber auch dass die Unterstützer mehr Zeit brauchen, um alternative Lösungen zum Abriss zu finden. Die Vorsitzende des Petitionsausschusses, CDU-Landtagsabgeordnete Rita Klöpper, sicherte Buddemeier zu, dass der Ausschuss die Sachlage sorgfältig prüfen werde.

Aber wie sah nun die zeitliche Planung bezüglich des Abriss des Brückenkrans aus?
Nachdem das Benehmen (Benehmen ist in der Rechtswissenschaft eine Form der Mitwirkung bei einem Rechtsakt) dem Landschaftsverband Westfalen Lippe vorlag und der Baubeginn angezeigt wurde, begann am 12. März 2012 ein Abrissunternehmen Zäune und Gestrüpp zu entfernen und Gas- und Sauerstoffflaschen für den Einsatz von Schneidbrennern aufzustellen. Ein Zeichen dafür, dass der Abriss bevorstand.




Gas- und Sauerstoffflaschen werden für den Einsatz von Schneidbrennern aufzustellen.


Die Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH wollte trotz Proteste vieler Bürger für den Erhalt des Brückenkrans nicht länger warten. Auch auf die Antwort des Petitionsausschusses des Landtages wartete man aus Zeitgründen vergebens.

Am Abend vor dem Abriss hielt Heimatfreund Ulrich Saffran diese spektakulären Bilder fest.

Pünktlich zum Abriss protestiert der Aktions-Künstler Peter Grzan mit einem Trauerkranz, ein umgewidmeter schwarzen Rettungsring.




Am Westhafen liefen die Arbeiten am Dienstag, 13. März 2012 auf Hochtouren. Mit Flatterband wurde der Brückenkran weiträumig abgesperrt. Ein Bagger verteilte Schotter - offenbar um den aufgeweichten Boden für schweres Gerät vorzubereiten, um den stählernen Koloss zu Leibe zu rücken.

Am Mittwochmorgen, 14. März 2012, war es soweit. Zunächst wurden die Bremsen für den Aufsatz gelöst und der Kran um rund 90 Grad gedreht. Um 11.45 Uhr wurde die erste Stahlstütze mit Schneidbrennern durchtrennt, um 11.55 Uhr fiel der gesamte Ausleger zu Boden.

Mittwochmorgen, 11.45 Uhr, die erste Stahlstütze
wird durch trennt.


11.55 Uhr fällt der gesamte Ausleger zu Boden.

Dann gegen 14.30 Uhr fiel der 320-Tonnen Koloss von seinem Schienenstrang und in sich zusammen.

Dank der hohen Schrottpreise (ca. 80 000,- Euro) waren die Abbrucharbeiten des Brückenkrans durch die Abbruch-Firma Sartidis, für die Wanner-Herner-Eisenbahn und Hafen GmbH kostenneutral.

Am 14. März 2012, gegen 14.30 Uhr fiel der 320-Tonnen Koloss von seinem Schienenstrang.

Die traurigen Reste des einstmals stolzen Brückenkrans Nr. 4
am 04. April 2012 um 11.00 Uhr.

Am 05. April 2012 ist vom einstigen Wahrzeichen
des Westhafens nichts mehr vorhanden.

Der örtlichen Presse war am 16. Juli 2012 der Brückenkran eine Randnotiz wert. In der Nachricht heißt es: "Der Petitionsausschuss des Landes NRW kommt zu dem Ergebnis, dass nach Abwägung aller Interessen die Abbrucherlaubnis zu erteilen gewesen sei. Desweiteren bedauert der Petitionsausschuss, dass der Abbruch im laufenden Petitionsverfahren erfolgte". Damit war das Industriedenkmal Brückenkran Nr. 4 Geschichte.


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Quellennachweis:
Wanner-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH. 1913-1963.
50 Jahre Amt Wanne - 1925, S. 29 ff.
25 Jahre Stadt Wanne-Eickel - 1954, S. 118 ff.
Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel - Ausflug in die Vergangenheit - 1984, S. 135 ff.
Westfalenspiegel - Sonderdruck Wanne-Eickel, Juli 1958, S. 9 ff.
Amt für Bauordnung und Denkmalschutz - Untere Denkmalbehörde Herne vom 09. März 1999.
Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen Aktenzeichen: 16 K 679/00.
Denkmalschutzgesetz NRW (DSchG NRW) vom 01. Juli 1980.
Denkmalschutz und Denkmalpflege in NRW, Ministerium für Bauen und Verkehr in NRW, 01. April 2006.
Erlass des Ministers für Landes- und Stadtentwicklung vom 16. März 1984 - III B 2 - 30 - 7/1 - 845/831).
WAZ vom: 12. Juli 1996, 30. August 1996, 03. Oktober 1996, 16. Januar 1997, 21. November 1997, 17. September 2002, 06. Januar 2012, 12. Januar 2012, 26. Januar 2012, 30. Januar 2012, 04. Februar 2012, 08. Februar 2012, 10. Februar 2012, 14. Februar 2012, 15. Februar 2012, 02. März 2012, 08. März 2012, 12. März 2012, 13. März 2012, 14. März 2012, 15. März 2012, 20. März 2012, 21. März 2012, 23. März 2012, 16. Juli 2012.
Wochenblatt vom: 14. März 2012.
Bild-Zeitung vom 15. März 2012.
Internet: http://www.whe.de
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig und Ulrich Saffran.




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