Wanne-Eickel-Historie


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Brotfabrik Hermann Hiesgen

Firmen mit Tradition

Brotfabrik Hermann Hiesgen


Wanne-Eickel galt einst als Stadt des Brotes. Das Bäckereihandwerk wurde zum bedeutendsten Industriezweig nach dem Bergbau. Sechs Großbäckereien (Sauerland am Eickeler Bruch, Timmerbrink an der Emscherstraße, Scherpel, heute Bäckerei-Kette Malzer's Backstuben von der Edmund-Weber-Straße in Röhlinghausen, verlagerte seine Produktion nach Gelsenkirchen zum Gewerbegebiet Emscher Straße Ost, Brinker verlagerte seine Produktion von der Straße Am Berg in Bickern nach Herne zum Industriegelände Friedrich der Große, Ruwe an der heutigen Neue Kampstraße in Eickel, Hiesgen an der Gelsenkircher Straße in Wanne-Mitte) und weitere 76 Handwerksbetrieb hatten hier ihren Sitz. Die Entwicklung zu dieser Konzentration hing eng zusammen mit der Gründung der Bäcker-Innung der Ämter Wanne und Eickel im Jahre 1905. Vor dem Zweiten Weltkrieg konnte die Stadt Wanne-Eickel sogar die vierthöchste Brotproduktion im gesamten Deutschen Reich vorweisen.

An der Gelsenkircher Straße 12 - 18 wurde am 9. Mai 1908 durch Hermann Hiesgen die Bäckerei für Brot und Backwaren gegründet. Bereits im Jahre 1923 reichte die vorhandene Kapazität nicht mehr aus; eine Betriebserweiterung war notwendig geworden - die Entwicklung zur Brotfabrik bahnte sich an. Im November 1935 wird das Unternehmen unter den Namen Brotfabrik Hermann Hiesgen KG geführt.

Mit Pferd und Wagen zog 1932 Albert Wandt (rechts im Bild) und sein Gehilfe Hugo Kaiser durch Wanne und Eickel und verkaufte Brot und Backwaren von Haustür zu Haustür.


Während des Zweiten Weltkrieges konnte die Produktion unter größten Schwierigkeiten aufrecht erhalten werden. Erst am 23. Februar 1945 wurde bei einem Großangriff auf das gesamte Stadtgebiet, der Betrieb Hiesgen vollständig zerstört. Bei diesem Angriff kommen in Wanne-Eickel mehr als 200 Menschen ums Leben.

Zu diesem Datum waren in Wanne-Eickel noch 17 Bäckereien in Betrieb.

Die Großbäckerei Hermann Hiesgen an der Gelsenkircher Straße, um 1940.

Es dauerte nicht lange, als im Jahre 1946 der Betrieb wieder aufgenommen wurde. Es ging nun stetig voran. Im Jahre 1953 wurde die erste Brotstraße in Betrieb genommen. Aus der einstigen Bäckerei für Brot und Backwaren wurde nun die Großbäckerei. Der Sohn des Gründers, Hermann Hiesgen, leitete von nun an das Familienunternehmen.

Blick auf den 27 Meter langen Netzbandofen, aufgenommen um 1960.

Das Firmenlogo.

Anfang der 1970er Jahre zählte die Brotfabrik mit zu den modernsten Betrieben im Lande. Sie belieferte Kunden von Bielefeld bis Köln, vom Sauerland bis zum Siegerland, mit einer eigenen Kraftfahrzeugflotte. Seit 2001 sind SB-Läden mit dem Namen "Brotzeit", mit Filialen in Wanne-Eickel, Bochum, Bocholt und Wuppertal hinzugekommen.

Brotfabrik Hiesgen an der Gelsenkircher Straße 12 - 18, aufgenommen im Juni 2009.

Bei einem immer schärfer werdenden Wettbewerb auf dem Brotmarkt war der Familienbetrieb Hiesgen in Wanne-Mitte zuletzt hoffnungslos den Mitbewerbern am Markt unterlegen und stellte im Oktober 2006 den Insolvenzantrag beim Amtsgericht in Bochum. Rund 150 Mitarbeiter waren von der Insolvenz betroffen.

Blick auf das Hiesgen Betriebsgelände nach der Insolvenz.

Das Familienunternehmen Hiesgen war die letzte verbliebene Großbäckerei in Wanne-Eickel.

Abbruch des angrenzenden Parkhauses im Oktober 2013. Rechts im Bild das Betriebsgelände der Brotfirma Hiesgen.

Das Hiesgen-Firmengelände, ebenso wie das angrenzende Parkhaus (Abbruch Oktober 2013) war ein wichtiger Bestandteil für die Entwicklung des Glückaufplatzes, als Standort für das Einkaufs-Center Kaufland, das am 20. November 2014 eröffnet wurde.

Auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Brotfabrik Hiesgen Gelsenkircher Straße 12 - 18 befindet sich heute die Warenannahme des Einkaufs-Center Kaufland.


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Quellennachweis:
Fünfundzwanzig Jahre Stadt Wanne-Eickel, Wanne-Eickel 1955.
Kultur und Wirtschaftschronik für die Stadt Wanne-Eickel, Wanne-Eickel 1971.
WAZ, Serie: "Nacht über Wanne-Eickel", 1962.
Tagespresse von 2006.

Bildnachweis: Sammlung Heinrich Lührig.



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