Wanne-Eickel-Historie


Direkt zum Seiteninhalt

Bickerer Höfe

Höfe und Kotten

Bickerer Höfe / Wilhelmshof


Der Name "Bickern" geht auf die gleichnamige alte Flurbezeichnung, Flur III in der Gemarkung Bickern zurück und lag an der Bickernstraße.

In karolingischer Zeit wurden Bachläufe "bek" oder "bik" genannt. Die "Hofsiedlung" entstand in der Nähe des Dorneburger-, Hüller- und Baumbachs. Da Wasser für die Besiedlung notwendig war wählte man diese günstige Stelle.

"Bickern" wird bereits vor 1220 urkundlich in der "Kleinen, älteren Vogteinrolle" des Stifftes Essen erwähnt. Im "Kettenbuch
*" des Stiftes Essen aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, welches auf ein Register aus dem Jahre 1332 zurückgeht, werden in Bickern vier Höfe genannt: "Gerhardi to Byckeren", "Euerhardi to Byckeren", "Gobelini to Byckeren" und "Drezes to Byckeren". Sie waren als Unterhöfe der Essener Oberhöfe Nienhausen und Ueckendorf hörige Höfe des Stiftes Essen. Im märkischen Schatzbuch* werden 1486 in "Byckeren" erwähnt: "Jan to Bickern", "Thaebe to Bickern" und Henrick to Bickern".

"Bickeren" als Bauernschaft im Niederamt Bochum wird 1524 in der Türkensteuerliste des märkischen Amtes Bochum
* erstmals genannt. Im Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum* von 1664 umfasst die "Bauerschaft Bickeren" 6 Höfe, 7 Halbe Höfe, 23 Kötter mit einem Braukessel und 47 Feuerstätten.

Es ist überliefert, dass der frühere Besitzer das gleichnamige Gut Bickern im 16. Jahrhundert unter seinen vier Söhnen aufgeteilt hat. Der Hof des ältesten Sohnes behielt den Stammnamen Bickernhof mit einer Größe von 14 Maltersaat
*, die Höfe der drei anderen Söhne waren der Engelbertshof mit einer Größe von 10 Maltersaat, der Hermannshof mit einer Größe von 10 Maltersaat und der Wilhelmshof mit einer Größe von 5 Maltersaat. Zusammen waren sie fortan unter dem Namen "Bickerer Höfe" bekannt.

Ein ganz verändertes Bild der Höfe und ihre Besitzer zeigen die Unterlagen aus dem Jahre 1684. Danach besaßen Engelbert zu Bickern 20 Maltersaat und Herrmann zu Bickern 13 Maltersaat.

1824 übertraf Bickern als Bauerschaft der Größe nach jeweils die Bauerschaften Eickel, Röhlinghausen und Crange. Bei der Katasteraufnahme 1824 hat man eine Gliederung in drei Feldfluren vorgenommen: Flur I Wanne, Flur II Riemker Mark und Flur III Bickern. Von diesen drei Fluren war Wanne die größte. Diese Tatsache und die steigende wirtschaftliche Bedeutung waren die Gründe für eine Änderung des Namens Bickern am 13. August 1897 in "Wanne".

Die Bauerschaft Bickern gehörte 1808 zur Mairie Herne, anschließend zur Bürgermeisterei Herne und vom Jahre 1844 an als Landgemeinde zum Amt Herne. Als am 1. August 1875 das Amt Herne geteilt wurde, gehörte Bickern zum neuen Amt Wanne. Nach dessen Neugliederung am 1. November 1891 in das Amt Wanne und das Amt Eickel verblieben Bickern, Crange und Röhlinghausen im Amt Wanne.

Während von den ehemaligen Bickerer Höfe nur der Wilhelmshof im Stadtgebiet verblieb, kamen die anderen Bickerer Höfe durch die mit der Stadtbildung gleichzeitig vorgenommenen Grenzbereinigung nach Gelsenkirchen.

Die Scheunentorinschrift des Wilhelmshofs lautete:

"Bewahre Vater unsere Saten und unsere Häuser, Hab und Gut, bewahre uns vor Missetaten, vor Wollust und Uebermut, weil sonst im reichsten Ueberfluß, wie die Sele doch verderben muß. Anno 1827."

Der Wilhelmshof wurde im Jahre 1944 durch Fliegerbomben schwer beschädigt. Da sich ein Wiederaufbau nicht mehr lohnte, ließ die Eigentümerin die Ruine im Jahre 1952 abbrechen. Das zum ehemaligen Hofbereich gehörende, bisher landwirtschaftlich genutzte Gelände wurde in Bauland umgewandelt. Hier wurden in großer Zahl Werkswohnungen der Zeche Pluto und Eigenheime errichtet. Nach erfolgreichem Abschluss entstand hier ein ganz "neuer" Ortsteil mit mehreren Hundert Wohneinheiten.


Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Die Bickerer Höfe und der Wilhelmshof sind rot unterlegt. Das Grundstück befand sich an der heutigen Bickerner Straße. Nach der Stadtwerdung am 1. April 1926 wurde eine Grenzbereinigung vorgenommen, wonach die Bickerer Höfe nach Gelsenkirchen kamen (siehe auch: Wanne-Eickel in seinen Grenzen).

Der Wilhelmshof um 1910 links und um 1949 rechts im Bild. Der Hof wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädig, dass sich ein Wiederaufbau nicht lohnte, wurde er im Sommer 1952 abgerissen.

zurück...

*Anmerkung:

Das sogenannte
Kettenbuch des Frauenstiftes Essen aus der Domschatzkammer Essen wurde 1332 angefertigt. Es wurde so bezeichnet, weil es wegen seiner Bedeutung an einer 1,5 Meter langen Kette befestigt und so gegen Diebstahl gesichert war. Heute wird das Kettenbuch in einer Vitrine der Domschatzkammer gezeigt. Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Türkensteuerliste des märkischen Amtes Bochum aus dem Jahre 1542. Die Türkensteuer war eine allgemeine Vermögens- und Kopfsteuer, welche zur Deckung der Kosten einer dem Kaiser Friedrich III. gegen die "ungläubigen Türken" zu leistenden bewaffneten Hilfe erhoben wurde. Das sogenannte "Türkengeld" wurde am 10. März 1481 ausgeschrieben, und sollte "nur mit Rat und Wissen derer, so von den Landen hierzu geordnet, ausgegeben und gebrauchet werden." Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Maltersaat ist ein altes Flächenmaß und wurde gerechnet zu 416 Ruten. Es entspricht der Fläche, auf der man einen Malter Getreidesaat ausbringen konnte. Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region.

Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Schulte, Eduard: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel).
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Schulte, Eduard: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664.
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925. Tagespresse von 1951: "Mit Wanne-Eickel innig verbunden. Die Bickerer Höfe heute auf Gelsenkirchener Boden".
Der Märker 1951/52: Steuerliste des Amtes Bochum einschließlich des Gerichts Eickel von etwa 1680.
Zienius, Rudolf: Ein heimatlicher Beitrag aus Wanne-Eickels Vergangenheit. Wanne-Eickel 1973.
Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel, Ausflug in die Vergangenheit. Herne 1984.
Stadt Herne: Herne von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Band 1, Herne 1995.

Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü