Wanne-Eickel-Historie


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Bergmännische Gedichte

Bergbau


Nach Überlieferungen aus schriftlichen und mündlichen Quellen zusammengetragen und bearbeitet.


Knappenspruch

Zum Knappen taugt kein schlechter Wicht,
zum Knappen taugt ein Feigling nicht,

zum Knappen taugt ein Mann.

Sein Leib muß sein von Kraft geschwellt,
sein Herz muß sein von Mut beseelt,
sonst ist`s nicht gut getan.



Sankt Barbara


Die du im Erdenschoß des Bergmanns starker Hort,
hör`, Barbara, du Große, getreuer Knappen Wort.
Zu schwerem Werk wir fahren hinab den dunklen Schacht.
Du mögest uns bewahren in tiefer Bergesnacht.

(Bergmannslied zum Festtag der heiligen Barbara, 4. Dezember)


Die Statue der heiligen Barbara in der Pfarrkirche Heilig Geist-St. Barbara im Stadtteil Röhlinghausen. Die Statue befindet sich auf einem Betonsims rechts vom Altar. Sie besteht aus Hartholz und entstand in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Statue, die 1981 von der Pfarrei angekauft wurde, dient als sichtbares Zeichen in der nach ihr benannten Gemeinde.




Heimkehr

Ich kehre nun heim, du leuchtende Welt,
ihr atmenden Wiesen, du reifendes Feld.
Es singt eine Lerche im strahlenden Blau,
es jauchzet ein Kind, und es lacht eine Frau.
Daheim steht nun alles und jedes bereit;
Es grüßt mir die Erde und atmet befreit.
Es grünen die Mauern, das Laub steht dicht
Im flimmernden, güldenen Sonnenlicht;
Und Gott hebt den Kelch und bricht uns das Brot
und segnet das Leben und segnet den Tod!




Illustriert von Hermann Metzger.

Die letzte Schicht

Der Berg erschlug mir den einzigen Sohn,
er starb auf dem großen Acker der Welt.
Da schaufelt der Pflug, da blühet der Mohn,
da sichelt die Sense im wogenden Feld.
Da singt es von Arbeit, von Ernte und Brot,
da schreiten wir alle durch Leben und Tod.
Drum hebt eure Lampen zum letzten Glückauf!
Wir fahren ja alle, gewürfelter Hauf,
hinauf in ein großes, unsterbliches Licht,
zur letzten und längsten und ewigen Schicht.



In der Strecke

Deine Hufen, Kumpel, Pferd,
schlagen, Hämmern gleich, die Schwellen,
stampfen Takt, und wiehernd fährt
jäh dein Ruf hin zu den hellen Lichtern,
die vom Füllort blinken.
Hölzer knistern`, Strecken trinken
Seufzend deiner Hufe Klopfen.
Horch, wie`s schweigt!
Nur Wasser tropfen!
Des Geleuchtes schwanker Schein
Wirst gespenstisch, riesengroß
Unser Schatten an den Stoß!
Horch, es ruft aus Berg und Stein!

Illustriert von Hermann Metzger.



Vor Ort


Friß dich, Stahl, in das Gestein!
Stein wird Brot und Wasser Wein.
Jeder Art- und Hammerschlag
Ist Gebet und Licht und Tag.
Erde, dunkler Sarkophag!
Erde, tiefer, weiter Speicher,
der uns teilt das täglich Brot,
gib uns Segen, mach` uns reicher,
dass ein Ende hat die Not.
Wie aus Katakombengruft
zieht in wetterschwerer Luft
leise Traum von Wald und Duft.
Friß dich, Stahl, in das Gestein!
Stein Brot und Wasser Wein.

Illustriert von Hermann Metzger.


Gang zur Schicht

Rauchfahnen stehn vor blassem Morgenrot
Und schwere Mauern, grau und schwarz verstaubt;
Doch irgendwo ist milder Duft von Brot,
von Äckern und von Bäumen, karg belaubt,
von Blumen, die nur scheu und still erblühn
und sterben, eh sie bräutlich flammend glühn.

Monstanzen aus Stahl, nachtdunkler Dom aus Stein,
so recht der Turm breitfüßig sich ins Licht.
Wir schreiten still und stehn in stummer Reih`n,
es stirbt der Tag auf unserm Angesicht,
und aus dem letzten, matten Sterngefunkel
fahr`n wir hinab ins schwere, tiefe Dunkel.

Gib, Gott, wenn drunten jäh der Berg zerbricht,
dass droben unsre Hütte steht im Licht.

Illustriert von Hermann Metzger.




Bergarbeit

Unter unseres Hammers Schlägen quillt der Erden reicher Segen aus der Felsenkluft hervor.
Was wir aus dem Schacht gewonnen, steigt zum reinen Glanze der Sonnen, zu dem Tageslicht empor.
(Theodor Körner, 1808)


Der Mutterklotz

Zum Knappen sprach der Zechenprotz,
Du stahlst mir einen Mutterklotz.

(Heinrich Kämpchen)

Illustriert von Fritz Busse

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Quelle: Hüls, Werner: Wattenscheid ein Hausbuch. S. 186 ff., Wattenscheid 1955.
Lührig, Heinrich / Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III. Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, erweiterte Auflage. Wanne-Eickel 1997.


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