Wanne-Eickel-Historie


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Beisemanns Kotten

Höfe und Kotten

Beisemanns Kotten


Der Beisemanns Kotten lag in der Gemarkung Holsterhausen, Flur I, genannt Cranger Heide, am Feldweg zwischen Horst- und Rottbruchstraße, an der heutigen Grabenstraße in Höhe der Hausnummer 47.

Der Kotten gehörte nach Aufzeichnungen aus dem Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum
* aus dem Jahre 1664 zum "Mittelambt Baurschaft Holsterhausen". Hier wird bereits ein "Beisemann" erwähnt. Im Jahre 1810 wird Dirich Beisemann zu Holsterhausen zur Grundsteuer-Veranlagung herangezogen. Die Größe seines Anwesen wird mit 7 Morgen* und 697 Ruten* angegeben. Sein unmittelbarer Nachbar war der Hof von Georg Sandforth.

Der Kotten stammt aus dem Jahre 1784. Die Inschrift über dem Scheunentor lautete:

"Nicht wenn ich mit vielen bete, find ich bei Gott Gehör, nein ist mein Wunsch gerecht und gut, so ists gewiß, daß Gott ihn tut. Dirich Beisemann 1784".

Im Jahre 1914 wurde der Besitz der Beisemanns von der Hibernia AG aufgekauft. Die Nachkommen der Familie bewirtschafteten den Hof als Erbpächter
*.

Im Jahre 1906 bewirtschaftet der Landwirt Diedrich Beisemann mit seinem Sohn das Anwesen. Er stirbt im Jahre 1948. Das Anwesen wurde von seiner Witwe Auguste Beisemann verwaltet, die es ein paar Jahre später ihrer Tochter Elfriede mit ihren Mann Hermann Erver aus Mettmann übergab.

Ende 1961 wurde das in zwischen baufällige Fachwerkhaus, durch Balken gestützt - es drohte Einsturzgefahr, abgebrochen.

Bis auf den heutigen Tag hält sich hartnäckig über Beisemanns Kotten folgende Anekdote:

"Viele Jahre sind seit jenen wirren Tagen ins Land gezogen, da Napoleons geschlagene Heere auf den Rückmarsch gen Südwesten auch unser Gebiet streifte.
Es ist ein herbsttrüber Vormittag. Über den Feldweg zwischen Horst- und Rottbruchstraße preschen Reiter in verschmutzten Uniformen. Verängstigt ziehen sich Frauen und Kinder in die gute Stube zurück, um Übergriffe einer nicht immer ganz zügelsicheren Soldateska
* auszuweichen, denn Napoleons Soldaten ziehen geschlagen über die große Heerstraße. Im flotten Galopp sprengt eine reitende Kaiserliche Ordonanz dem Gehöft Beisemann zu, um dort seiner Majestät, dem Korsen, das Morgenmahl bereiten zu lassen. Bauer, Töchter und Mägde müssen die Stube verlassen, ducken sich ebenso ängstlich wie ergrimmt durch die niedrigen Stallungen, um sich am Ende auf dem Heuboden in einiger Sicherheit zu wiegen. Derweil sitzt unten in der guten Stube der gefürchtete Bonaparte mit seinen Offizieren sich an des Hofes Erzeugnissen gütlich zu tun. Napoleon frühstückt auf Beisemanns Kotten".


Ausschnitt einer Übersichtskarte der Städte Gelsenkirchen und Herne aus den Jahre 1842. Der Hofname Beisemann ist rot unterlegt und wird als "Beiseman" geschrieben.

Beisemanns Kotten um 1935. Das Gehöft lag an einem Feldweg zwischen Horst- und Rottbruchstraße in Holsterhausen.

*Anmerkung:

Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Morgen ist ein Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem Pferde- oder Ochsengespann an einem Morgen pflügbar war. Der Morgen wurde meist als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden sollte. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region. Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region. Erbpächter zahlte an dem Grundeigentümer ein jährliches Erbstandsgeld, das einer Art Kaufgeld für das ihm überlassene Objekt bildete. Das Erbstandsgeld wurde als Naturalzins oder Geldzins entrichtet. Des Weiteren war der Erbpächter verpflichtet, auf dem Anwesen zu wohnen, hatte dasselbe in gutem Zustand zu erhalten und durfte es nur mit Genehmigung des Obereigentümers unterteilen. Soldateska stammt aus dem Italienischen (soldatesca) und bedeutet "zügelloser Soldatenhaufen" bzw. "rohes Kriegsvolk".


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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Adressbuch für die Ämter Wanne und Eickel, 1906.
Schulte, Eduard: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel).
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Schulte, Eduard: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664.
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925. Tagespresse von 1951, 1952, 1954 und 1961.

Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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