Wanne-Eickel-Historie


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Barbaralied

Bergbau

Barbaralied


Sankt Barbara, du edle Braut,
mein leben und Seel´ sei dir vertraut;
sowohl im Leben wie im Tod,
komm mit zur Hilf´in meiner Not.

Beschütze uns im tiefen Schacht
Und hab auf alle Arbeit acht;
Laß Frau´n und Kinder fromm und rein
Stets deiner Hut empfohlen sein

Und geht es einst mit uns zu End,
so bring uns Du das Sakrament,
daß unser Aug´ den Herren schaut,
vereint mit Dir, du Gottesbraut.


Historische Anmerkung

Seit altersher ist der 4. Dezember der Festtag der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute. Die Knappen der Erz- und Kohlegruben in vielen Bergbaurevieren in Oberschlesien, an der Saar und im Ruhrgebiet verehren sie seit Jahrhunderten als ihre Helferin und rufen sie als Schutzherrin vor plötzlichem Tod an.

Wenn die ernsten, wortkargen Bergleute Sankt Barbara als ihre Schutzherrin verehren und in Kirchen ihr Bild aufstellen, gilt das mehr als die Weisheit des Forschers, der die Legende der heiligen Barbara ins 10. Jahrhundert und ins Reich der Fabel verweist.

Der Glaube hat eine andere Wertordnung als der Verstand. Im Glauben an die mächtige Fürbitte der Heiligen hat das Volk Sankt Barbara in die Schar der vierzehn Nothelfer eingereiht und ihr insbesondere die Sterbenden anvertraut, dass sie ihre Seelen emporführe an den Thron des Weltenrichters.

Zieht ein Unwetter herauf, ruft der Bauer zu ihr um Abwendung der Blitzgefahr. Auch der Glöckner, der die Wetterglocke anschlägt, stellt sein Leben unter ihren Schutz. In den Artillerieschlachten des Weltkrieges haben katholische und protestantische Kanoniere ihren Namen an die Wände der Batteriestellungen geschrieben.


Anmerkung

Nach einer Legende lebte die Jungfrau in Griechenland, in Nikomedien. Die Legende berichtet weiter: Ihr heidnischer Vater Dioskorus wollte sie einem vornehmen Freier vermählen. Er hielt sie wie einen seltenen Edelstein, und wenn er verreiste, schloss er sie in einen Turm mit zwei Fenstern. Als er aber eines Tages zurückkehrte, fand er noch ein drittes Fenster in die Wand des Turmzimmers gebrochen und auf der marmornen Schwelle das verhasste Kreuzzeichen. Freimütig gestand Barbara, dass sie Kreuz und Fenster habe anbringen lassen, um sich stets an das Zeichen der Erlösung und an das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit zu erinnern. Der Vater wollte sie auf der Stelle töten. Sie entwich ihm und führte ihre Sache vor dem Richter so gut, dass er nichts wider sie vorzubringen wusste als die Martern der Folterung. Gott heilte ihre Wunden. Neugestärkt erschien sie abermals vor dem Richterstuhl, wo der entmenschte Vater sie schon erwartete und nach grausamen Qualen mit eigener Hand tötete.

Eine andere Legende berichtet, dass Barbara in der Nähe der griechischen Bergbaustadt Laurion aufgewachsen sei. Trotz aller Warnungen des heidnischen Vaters ließ Barbara nicht vom christlichen Glauben ab, so dass ihr Vater sie mit Hass aus dem Haus jagte. Auf ihrer Flucht kam sie zu einem Bergwerk. Schnell ließen die Bergleute sie in den Schacht hinab. Dort war sie vor den Verfolgern sicher, da sich unter den Bergleuten viele Christen befanden. Doch bald wollte sie wieder ans Tageslicht zurück. Die Bergleute warnten sie vergebens. Sie stieg in den Förderkübel, und die Haspelknechte zogen sie nach oben. Hier erwartete sie schon der Vater. Blind vor Zorn tötete er seine eigene Tochter.

Seit einem Jahrtausend also lebt Sankt Barbara im Volk. Ihr Andenken hat auch die Stürme der Reformation überlebt. Kirchen, Schulen und Straßen tragen noch heute ehrenhalber ihren Namen.

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Quelle: Lührig, Heinrich / Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III. Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion. S.107 erweiterte Auflage. Wanne-Eickel 1997.

Quelle : Unveröffentlichtes Manuskript von Lührig, Heinrich: Vom Volk erzählt... Sagen aus Herne und Umgebung, Eine Sammlung von Sagen, Legenden, geschichtlichen Ereignissen und schelmischen Erzählungen, Nach Überlieferungen aus schriftlichen und mündlichen Quellen zusammengetragen und bearbeitet. Eickel 1999. S.199 ff.

Auszug aus dem Wettbewerbsbeitrag " Thema. Bild und Gestalt des Ruhrgebietes" ausgeschrieben vom Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher, im Rahmen des Geschichtsfestes "Historama Ruhr 2000 vom 24. Juni 2000 auf der Zeche Zollverein in Essen-Katernberg.

Illustriert von Wolfgang Schlott


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