Wanne-Eickel-Historie


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Bahnhof "in der Wanne"

Bahnhöfe

Der Bahnhof „in der Wanne“ oder „Stadt der tausend Züge“ die Eisenbahner Stadt Wanne-Eickel


"Stadt der tausend Züge" - dass war einst das Attribut der Eisenbahnerstadt Wanne-Eickel. Hier war das Verkehrskreuz mit einem der größten europäischen Güterbahnhöfe am Schnittpunkt fünf wichtiger Bahnlinien. Der Bahnhof war die Existenzgrundlage für fast zehntausend Einwohner. Hier reiste man ohne umzusteigen bis in die meisten europäischen Nachbarstädte. Die Ost-West-Achse Warschau - Berlin - Paris, machte den Hauptbahnhof für Personen - und Güterverkehr gleichermaßen bedeutsam. Nur wenig erinnert heute noch an diese große Vergangenheit.

Der Vorläufer dieses bedeutenden Bahnhofs war der Sammelbahnhof der Zechen Königsgrube und Pluto-Thies, die für ihre Kohlenzüge im Jahre 1856 auf dem Feld des Bauern Storp den so genannten Pluto Bahnhof errichten ließen. Dieser befand sich in der Nähe des heutigen Glückaufplatzes. Am 14. Juli 1867 wurde dieser umgebaut, erweitert und als Güterbahnhof für den öffentlichen Güterverkehr freigegeben. Die Ländereien hierfür wurden von den Bauern Langebeckmann, Schmidt-Knop und Storp erworben. Der Name der neuen Bahnhofsanlage wurde einstweilen beibehalten. Die endgültige Benennung behielt sich die Bahnverwaltung noch vor.

Im Jahre 1869 entstand zwischen den Gemeinden Bickern und Eickel nun ein reger Wettbewerb um die Namensnennung. Eickel hob hervor, dass die neu angelegte Bahnhofsanlage doch in der Regel den Namen des nächst größeren Ortes - also in diesem Fall Eickel erhält. Bickern dagegen betonte, dass, die Bahnhofsanlage zum größten Teil, einschließlich des Stationsgebäudes in ihrer Gemeinde liegen, es also billig sei, der neuen Station ihren Namen zu geben. Gustav Hegler berichtet: "Bauer Storp, auf dessen Grund größtenteils die Station liegt, habe bei dem Verkauf die Bedingung gestellt, die neue Station den Namen "Wanne" zu geben, denn seine Vorfahren hätten sich von alters her stets als "in der Wanne" wohnend, bezeichnet". Ob dieses nun zutrifft, kann bis heute nicht gesagt werden. Fakt ist, um keine der beiden Gemeinden zurückzusetzen, griff die Bahnverwaltung auf die Feldmark "in der Wanne" zurück und benannte den Bahnhof "Station Wanne". Die hierdurch bedingte starke Entwicklung hatte zur Folge, dass durch Erlass des Oberpräsidenten von Westfalen vom 22. Mai 1875, bei Zusammenschluss der Gemeinden Bickern, Crange, Holsterhausen und Röhlinghausen, zum neuen Amt Wanne, der Name übernommen wurde.


Oberbahnhofsvorsteher Stünke.

Rechnungsrat Tressehn.

Ein weiteres historisches Datum war die Eröffnung der ersten Teilstrecke von Wanne über Recklinghausen nach Münster am 1. Januar 1870. Ein weiterer Streckenausbau nach Osnabrück (Herbst 1874) - Bremen und Hamburg (Frühjahr 1877) dauerte verhältnismäßig lange, da bei Lengerich ein Tunnel geschlagen werden musste.

Am 10. Juli 1872 wurde der Bau eines neuen Güter- und Personenbahnhofs, der Wanne zu einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt machen sollte, fertiggestellt. Die Stationsgebäude lagen im Bereich des jetzigen Güterbahnhofs und dienten später als Beamten-Wohnhaus. Der Personenverkehr wurde im gleichen Jahr auf der Strecke Wanne - Sterkrade eröffnet. Im Jahre 1874 wurde die "Emscher Talbahn" (Dortmund - Wanne - Oberhausen) und 1875 die "Rheinische Strecke Bahnstrecke Wanne - Kray" gebaut.

Das wachsende Verkehrsaufkommen veranlasste in den Jahren 1884 bis 1885 den Bau eines Rangierbahnhofs und eines Bahnbetriebswerks für die Unterhaltung der Lokomotiven. Am 1. April 1895 waren 928 Bahnbedienstete im Bahnhof beschäftigt. Acht Jahre später gab es bereits 1 670 Beschäftigte, davon waren eingesetzt: 810 in den Stationen, 570 in den Werkstätten, 190 bei den Bahnmeistereien und 100 bei den übrigen Stellen.


Der Bahnübergangs in Höhe des späteren Glückauf-Platzes, rechts vorne die Dienstwohnung für Mitarbeiter, vor 1900.

Blick in die Herner Straße heute Berliner Straße um 1905.

Der alte Bahnhof vor 1890.

Gleich nach der Fertigstellung des Bahnhofs übernahm der Gastwirt Hubert Zengerling die Bahnhofgaststätte. Das Bild entstand um 1900.

Bahnbedienstete des Bahnhofs Wanne vor 1890.

Der Zuwachs im Personen- und Güterverkehr sowie der Ausbau des Streckennetzes in allen Himmelsrichtungen machten 1909 einen groß angelegten Umbau des Bahnhofs zu seiner jetzigen Gestaltung erforderlich. Gleichzeitig wurden Anschlussstrecken für die neu erbauten Bahnhofsteile West- und Ostbahnhof gebaut, um den Güterzug- vom Personenzugverkehr zu trennen. Im Rahmen dieser Baumaßnahmen wurde ein Stück des Geländes höher gelegt. Eine Unterführung ersetzte den niveaugleichen Bahnübergang und beseitigte damit ein Hindernis für den Straßenverkehr, und an Stelle des alten "Inselbahnhofs" zwischen den Gleisen entstand das heutige Empfangsgebäude. Die Güterabfertigung, der Güterschuppen und die Freiladegleise wurden während des Umbaus an der Ackerstraße eingerichtet. Am 19. Juni 1913 waren die Arbeiten abgeschlossen und der Eisenbahbetrieb wurde wieder aufgenommen.

Das Empfangsgebäude des Bahnhof Wanne ist in sachlich schlichter Form, im Stil der Reformarchitektur 1913 errichtet worden.

Blick von der Grünanlage der Herner Straße auf das Bahnbetriebswagenwerk mit der Reinigungshalle für Personenwagen, die spätere ETA-Halle (Elektro-Triebwagen/Akkumulatoren), im Anschluss der Bahnhof Wanne.

Die Ausmaße der Bahnhofsfläche betrugen 42 Hektar. Die Bahngleise hatten eine Länge von insgesamt 75 Kilometer, 406 Weichen verbanden sie. In der Höhe des Dorneburger Mühlenbaches lagen 59 Gleise nebeneinander. Zum Bahnhof gehörten 146 verschiedene Gebäude, darunter waren 71 Dienst- und Mietwohnungen.

Der Bahnhof Wanne war Knotenpunkt zweier europäischer Bahnlinien. Hier kreuzten sich die Bahnlinien Kiel - Hamburg - Bremen- Osnabrück - Münster- Wanne - Köln und Basel - Genua, beziehungsweise Paris - Brüssel - Köln - Wanne - Hannover - Berlin. Der Bahnhof Wanne hatte somit direkte Verbindung nach: Norddeutschland (Lübeck - Hamburg - Bremen - Emden) Schweden - Norwegen - Dänemark, ferner über Köln nach Süddeutschland, der Schweiz und Italien, außerdem nach Ost- und Mitteldeutschland (Berlin) und schließlich durch das niederreihnische Gebiet nach Belgien - Holland - England - Frankreich.

Streckennetz vor 1925.


Mit Gründung Stadt Wanne-Eickel im Jahr 1926 bekam der Bahnhof die heute noch gültige Bezeichnung Wanne-Eickel Hauptbahnhof.

Blick auf den Rangierbahnhof und den Wasserturm, im Hintergrund die Zeche Shamrock 3-4.

Blick in die Wanner Straße, die heutige Herner Straße mit Blick auf das Wohngebäude mit Gaststätte der Familie Hund sowie den Wasserturm, aufgenommen um 1930.

Nach Kriegszerstörungen im Zweiten Weltkrieg und Wiederaufbau erlebte die Eisenbahn in den 1950er Jahren einen neuen Aufschwung. Der Güterbahnhof zählte mit mehr als 70 parallelen Gleisen und einer Länge von 4 km zu den größten europäischen Güterbahnhöfen. Im Betriebswerk waren bis zu 123 Dampflokomotiven beheimatet: Wanne-Eickel galt als "Stadt der 1.000 Züge". Bedeutend war auch die heute stillgelegte größte Stückgut-Umladestelle der Bundesrepublik, an der 352 Güterwagen gleichzeitig Be- und Entladenen werden konnten.















Blick auf den Hauptbahnhof von der Wanner Straße
ausgesehen um 1952.

Blick auf den Güterbahnhof und der Umladehalle 1951.

Blick auf die Lokbekohlung im Hauptbahnhof 1951.

Dampflokomotiven vor dem Lokschuppen 3, erbaut 1913 mit 14 Lokständen und den markanten Wasserturm, aufgenommen um 1953.

Zugübergabestelle an der Ackerstraße, aufgenommen um 1959.

Dampflok im Hauptbahnhof Wanne-Eickel im März 1953.

Eisenbahnkreuz der Strecke Wanne-Bremen (oben) und dem Gleis der Wanne-Herner-Eisenbahn (unten). Die Aufnahme entstand 1959 südlich der Wiesenstraße, in Nähe des Sportplatzes SV Holsterhausen.

In einer offiziellen Mitteilung vom 27. Mai 1961 können wir folgende Daten lesen, hier heißt es: gegenwärtig verkehren rund 780 Züge in Wanne-Eickel, davon sind rund 450 Güterzüge. Jeden Tag werden rund 10 000 Güterzüge beladen, 1 200 Tonnen Stückgut müssen täglich umgeladen werden. In den Dienststellen im Bereich des Hauptbahnhofs sind rund 1 450 Beamte und 1 050 Arbeiter beschäftigt.

Hochansicht über den Bahnhof Wanne-Eickel, aufgenommen um 1965. Zu sehen sind: Der Bahnhofsvorplatz mit dem Hochbunker, das Bahnhofsgebäude, das Bahnbetriebswagenwerk mit der Reinigungshalle für Personenwagen, daneben das Maschinenhaus. In der Mitte die Bahnsteige, rechts daneben der Bezirk Eilgut. Das winklige Gebäude die Güterabfertigung, davor die Ladestraße mit Zufahrt zur Ulmen Straße. Das langgezogene Gebäude war Europas größte Umladehalle. Dahinter das Stellwerk Rt. 3 mit der Wagenmeisteraufsicht. Oben links im Bild der Lokschuppen 3 mit dem Wasserturm an der Herner Straße. Oben in der Mitte die "alte Umlade" mit Feuerrampe an der Ackerstraße. Oben rechts im Bild die Anschlussgleise der Zeche Shamrock 3-4 und darüber hinaus das Betriebsgelände der Zeche. Davon links die Anschlussgleise der Wanne-Herner Hafeneisenbahn.

Der Wanne-Eickeler Hauptbahnhof Mitte der 1960er Jahre.

Gegen Ende der 1960er Jahren führte bei der Eisenbahn die Motorisierungswelle in der Bundesrepublik zum Rückgang des Personenverkehrs. Gleichzeitig setzte das langanhaltende "Zechensterben" ein, dass das Güteraufkommen deutlich reduzierte. Dies hatte zu folge, das im Jahre 1981 der Rangierbahnhof geschlossen und das Betriebswerk stillgelegt wurde.

Blick von der OW III, heute Berliner Straße, auf den Wasserturm und die Gleisanlagen um 1965.

Abfahrender Akkutriebwagen der Baureihe 515 im Bahnhof Wanne-Eickel aufgenommen im Sommer 1980. Am 31. Oktober 1995 endete der Einsatz dieser Baureihe.

Mit den Erneuerungsarbeiten der Deutschen Bahn AG und der Stadt Herne im Rahmen des IBA-Emscherpark-Projektes lebte der alte Glanz vergangener Tage wieder auf. Das Bahnhofsgebäude wurde 2001 renoviert, der Vorbau erhielt eine neue Stahl-Glas-Fassade, mit schwarz-weißen Akzenten auf der Fensterfront. Dieses wiederum kam bei den Bürgern nicht gut an, so dass seit 2002 drei historische Bildmotive aus der Wanne-Eickeler Stadtgeschichte die Fensterfront belebt. Zu sehen ist auf der linken Seite am Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs das Bild der Zeche Pluto Wilhelm aus dem Jahre 1953, daneben die Kaiserpassage um 1905. Rechts vom Eingang den "krummen Hund" ein Brückenkran im Westhafen aus dem Jahre 1912.

Ansicht des Hauptbahnhofs Wanne-Eickel mit der neuen Stahl-Glas-Fassade im Sommer 2010.

Die Bahnhofshalle und der Zugang zu den Gleisen, aufgenommen im Sommer 2010.

Blick auf die Bahngleise.

Nach der Städteehe von Wanne-Eickel und Herne im Jahre 1975 blieb der Name des Hauptbahnhofs von Wanne-Eickel, der auch der größte Bahnhof der "neuen" Stadt Herne blieb, unverändert, obwohl im Jahre 2003 die Deutsche Bahn AG und der Verkehrsverband Rhein-Ruhr eine Umbenennung in Herne-Wanne plante. Diese Pläne stießen jedoch auf Wanne-Eickeler Seite auf großen Widerstand, so dass von einer Namensänderung Abstand genommen wurde.

Die glanzvollen Zeiten der Vergangenheit sind vorbei. Geblieben ist die Erinnerung an die "Stadt der tausend Züge", denn so wurde Wanne-Eickel einst genannt.


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Quellennachweis: Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, 1903, S. 148 ff.
Verkehrsverein Wanne-Eickel: Führer durch Wanne-Eickel-Röhlinghausen, 1925, S. 36 ff.
50 Jahre Amt Wanne, 1925, S 24 ff.
Festschrift zur 25 jährigen Jubel-Feier des Eisenbahn-Vereins Wanne-Eickel, 1928.
Fünfundzwanzig Jahre Stadt Wanne-Eickel, 1955, S. 47 ff.
Möllers, Alfons: Die Entwicklung der Eisenbahn im Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet, 1988.
Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel in alten Ansichten, 1992
Lührig, Heinrich: Das Drei-Männer-Eck, in: Ruhritäten Heft 1/2004 S. 22 f.
Tagespresse Wanne-Eickel: 1927, 1930, 1961, 1972, 1985, 1987, 1988, 1992, 1995, 2001, 2002, 2003.
Fotonachweis: Heinrich Lührig.



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