Wanne-Eickel-Historie


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Backsteinexpressionismus "Der Rote Block"

Gebäude

Eines der bedeutendsten Gebäudekomplexe im Wanner Ortskern


Vier Straßen umschließen das eindrucksvolle Karree an der Hauptstraße, Amtmann-Winter-Straße, Wibbelt- und Wanner Straße, das auch gewerblich genutzt wird. Der Volksmund nannte einst das aus rotem Backstein errichtete wuchtige Gebäude "Roter Block". Der von der neu-sachlichen Architektur des Bauhausstils beeinflusste Gebäudekomplex wurde in drei Bauabschnitten errichtet. Im Jahre 1926 wurde das Wohngebäude Amtmann-Winter-Straße 1 und 3 mit dem im Jahre 1928 errichteten Neubau der Stadtsparkasse, Hauptstraße 224 vereinigt. Bauherr war die Stadt Wanne-Eickel. In den Jahren 1927 bis 1929 wurde nach den Plänen der Architekten Georg Gobrecht und Ferdinand Revermann aus Wanne-Eickel im Auftrag des Gemeinnützigen Bauvereins Essen die angrenzende Wohnbebauung Wanner Straße 6,8,10 und 12, Wibbeltstraße 7 und 8 sowie Amtmann-Winter-Straße 5, 7 und 9 errichtet (das so genannte U mit abgeschlossener Gebäudefront zur Wibbeltstraße). Im Jahre 1936 wurde das Wohnhaus an der Wanner Straße 4 vom Architekten Hermann Riedl im Stil seiner Architektenkollegen hinzugefügt. Der Anbau fügt sich völlig in Formbebung und Gestaltung des gesamten Gebäudekomplexes ein, wurde jedoch nicht mit in die Denkmalsliste der Stadt Herne aufgenommen. Seit 2007 ist die Firma Bollmann Liegenschaften aus Bochum Eigentümerin des Gebäudes.

Im Jahre 1926 wurde das Wohngebäude Amtmann-Winter-Straße 1 und 3 mit dem im Jahre 1928 errichteten Neubau der Stadtsparkasse, Hauptstraße 224 vereinigt. Der Gebäudekomplex rechts im Bild, Amtmann-Winter-Straße 5, 7 und 9 fehlt hier. Das Foto wurde im Frühjahr 1929 aufgenommen.

Im zweiten Bauabschnitt wurde dann der Gebäudekomplex Amtmann-Winter-Straße 5, 7 und 9 errichtet. Das Foto wurde um 1930 aufgenommen.

Das Wohn- und Geschäftshaus Hauptstraße 224. Der markante Gebäudekomplex, der sich durch seine Klinkerfassade auszeichnet, steht seit November 1990 im Kulturgutverzeichnis der Stadt Herne und ist somit ein eingetragenes Baudenkmal.

Die Ecksituation des Hauses zur Hauptstraße hin ist durch Gesimse und Bänder über alle Geschosse hinweg besonders stark hervorgehoben.

Die Gebäudefronten die an den Straßenecken sind jeweils abgerundet sind verleihen dem Gebäudekomplex somit seine individuelle Gestaltungsnote.

Die Gebäudefronten staffeln sich durch verschiedene, vier- bis fünfgeschossige Blocksysteme, die an den Straßenecken jeweils abgerundet sind und dadurch dem Gebäudekomplex seine individuelle Gestaltungsnote verleihen. Der mit flachem Dach abschließende Wohnkomplex ist mit einer Klinkerverblendung versehen. Hierzu wurden im Erdgeschoß teilweise fehlgebrannte Klinkersteine (Schmelzflussziegel) wegen ihres individuellen Aussehens als dekorative Elemente verwendet.

Ein kräftiges Horizontalband über dem Erdgeschoß und vertikale schmale Mauerwerkstreifen, die die Fenster der Flurräume einfassen, prägen die gesamte Fassade.

Bei längerem Betrachten des auf dem ersten Blick eintönig wirkenden Gebäudekomplexes fallen viele Details ins Auge. Die Ziegel, die im ersten Augenblick befremdlich wirken. Hier konnten durch unterschiedlich lange Brenndauer eine reiche Farbpalette von Braun über Rot bis zu Violett erzielt werden, solche Steine werden heute nicht mehr hergestellt.

Das Erdgeschoß ist mit einer Klinkerverblendung (Schmelzflussziegel) versehen. Hier wurden auch fehlgebrannte Klinkersteine, wegen ihres individuellen Aussehen als dekorative Elemente verwendet.

Die Gebäudefronten an der ehemaligen Scharnhorststraße, der heutigen Wibbeltstraße mit den Hausnummern 7 und 8, aufgenommen im Sommer 2010.

Blick in die ehemalige Sedanstraße, der heutigen Wanner Straße mit den Hausnummern 12, 10, 8, 6 und 4 in Blickrichtung zur Hauptstraße.

Blick vom Wanne-Eickeler Hauptbahnhof über die Grünanlage des heutigen Postparks auf den Gebäudekomplex "Roter Block", aufgenommen nach 1930.

Im Jahre 1936 wurde das Wohnhaus an der Wanner Straße 4 hinzugefügt. Der Anbau fügt sich völlig in Formbebung und Gestaltung ein, wurde jedoch nicht mit unter Denkmalschutz gestellt.

Im Jahre 1994 wurde der von den Architekten Otto Gobrecht und Ferdinand Revermann errichtete Gebäudekomplex aus der Gründerzeit denkmalgerecht vom Eigentümer, der Vestischen Wohnungsgesellschaft, renoviert. Der einzige Kompromiss, der zwischen Denkmalbehörde und Eigentümer geschlossen wurde, bildeten die Fenster. Es sind zwar wie vorgegeben Sprossenfenster, allerdings aus Kunststoff und nicht aus Holz wie im Urzustand.

Der markante Gebäudekomplex, der sich durch seine Klinkerfassade auszeichnet, steht seit November 1990 im Kulturgutverzeichnis der Stadt Herne und ist somit ein eingetragenes Baudenkmal. Seinen Denkmalwert bezieht der wie eine Burg wirkender Wohnblock aus folgender Beurteilung: Das Objekt dokumentiert die expressionistische Bauphase in Wanne im zweiten Jahrzehnt nach der Jahrhundertwende.

Zum vergleich fallen spontan folgende Gebäudekomplexe des typischen Backsteinexpressionismus ein: das Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen, das Rathaus in Oberhausen, das Gebäude des Regionalverbandes Ruhr in Essen, das Polizeipräsidium, sowie das Verwaltungsgebäude der BOGESTRA in Bochum. Es waren hier zwar andere Architekten am Werke, aber die Gebäude entstammen dem gleichen Zeitgeist.


Backstein- beziehungsweise Klinkerexpressionismus wird dieser Baustil genannt, der in den 1920er Jahren groß herauskam.

Vor allem im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, insbesondere dem Ruhrgebiet, machte dieses Material Karriere. Es ermöglichte reiche Fassadengestaltungen mit vergleichsweise geringem Aufwand herzustellen. Außerdem hatte der Klinkerstein den Charme, durch den harten Brand extrem widerstandsfähig zu sein, sowohl gegen Witterungs- als auch gegen Umwelteinflüsse; in Zeiten, in denen der Dreck noch gänzlich ungefiltert in die Luft ging.


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Quellennachweis: Fünfundzwanzig Jahre Stadt Wanne-Eickel, Wanne-Eickel, S. 115 f. 4. Mai 1955. WAZ vom 04. Januar 1984. Architektur im Ruhrgebiet - Herne Architekturführer, S. 49 f. Bund deutscher Architekten und Ingenieure, Bezirksgruppen Herne und Wanne-Eickel. Herne 1987. WAZ vom 01. Dezember 1990. WAZ vom 31. Juli 1999. Heinrich Lührig, Interview mit Christian Menke, (Bollmann Liegenschaften GmbH Bochum) im September 2010.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig



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