Wanne-Eickel-Historie


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Autohaus Josef Heilmann

Firmen mit Tradition

Fahrzeughaus Josef Heilmann


Als Ernst Heilmann mit ansehen musste, wie seine Söhne Ernst, Wilhelm und Josef sein Fahrrad zersägten, um daraus ein Motorrad zu bauen, war er den Tränen nahe. Aber als schließlich das selbstgebaute Motorrad mit 25-30 km/h durch Holsterhausen ratterte, war der Vater stolz auf seine Söhne. Dies war der Grundstein zu einem Kraftfahrzeughandwerk, das aus Wanne-Eickel nicht weg zu denken war.

Begonnen hatte alles in einem Stall hinter der elterlichen Wohnung an der Rottbruchstraße. Aus dem Hobby wurde Beruf, als die drei motorbegeisterten Brüder 1921 eine Firma zur Aufarbeitung von Fahrrädern mit eigener Vernickelei und zum Verkauf von Nähmaschinen und Grammophonen gründeten. Der erste Mietvertrag vom 05. Juli 1921 weist eine Monatsmiete von 15,- Mark aus, die ab Oktober 1921 auf 20,- Mark erhöht wurde. Als die Reparatur von Motorrädern hinzukam und der Stall nicht mehr ausreichte, wurde 1923 ein größerer Schuppen auf dem Hof der Bäckerei Junkers angemietet - für 1.000.000,- Mark, denn das Inflationskarussell hatte sich inzwischen tüchtig gedreht. Hier wurde schon der erste Schritt zur Reparatur von Vierrädern, von Automobilen getan. Hier wurden Motoren frisiert, von hieraus begleitete man die Teilnahme des Bruders Josef Heilmann, der sich von 1925 an in seiner Freizeit dem Motorradsport verschrieben hatte.


Reparaturen von Motorrädern und Automobilen auf dem Hof der Bäckerei Junkers.

Als Mitbegründer der Motor-Herrenfahrerclubs im Jahre 1924 nahm er von 1926-1929 erfolgreich an mehr als 20 Rennen und Orientierungsfahrten teil. Dazu zählte das Selmbecker Bergrennen bei Hagen auf einer FN 350 ccm, das Freudenbergrennen bei Dorsten, 1928 das Hohensyburg-Rennen auf einer 500 ccm Standard, bei dem er mit einem Schnitt von 129 km/h als erster durchs Ziel fuhr.

Josef Heilmann, Bildmitte auf eine "Standard" beim obligatorischen Siegerfoto nach dem Rennen.

In den Jahren 1929/30 trennten sich die Brüder. Während sich Bruder Ernst in Gelsenkirchen selbständig machte und Wilhelm sich in Mühlheim niederließ, blieb Josef Heilmann in Wanne-Eickel. Hier baute er den Betrieb mit Unterstützung seiner Frau Anneliese Schritt für Schritt aus. 1932 legte er vor der Handwerkskammer Dortmund seine Meisterprüfung als Mechanikermeister und 1933 seine Fahrlehrerprüfung ab. Im gleichen Jahr wurde er Obermeister der Mechaniker-Innung und 1938 Mitbegründer der Innung des Kfz-Handwerks. Aus dem Werkstatthof an der Dorstener Straße 240 war im Jahre 1928 ein respektables Ausstellungslokal an der damaligen Hermann-Göring-Straße 94, heute Bielefelder Straße geworden.

Blick auf die repräsentativen Ausstellungsräume der Firma Heilmann an der damaligen Hermann-Göring-Straße 94, heute Bielefelder Straße, Ecke Dorstener Straße, um 1930.

Im Jahre 1935 wechselte der Betrieb zur Dorstener Straße 281. Dort hatten die Eheleute Heilmann von dem Wirt des "Alten Fritz" im Hintergelände ein Grundstück mit einer Wegezufahrt zur Dorstener Straße gekauft, wo die Werkstatt bald um Fahrschule und Tankstelle ergänzt wurde.

Im Jahre 1939 wurde der Ausstellungsraum in der damaligen Hermann-Göring-Straße 94, durch die Anmietung neuer Ausstellungsräume in der Kaiser-Passage, der heutigen Mozartstraße, im Stadtzentrum Wanne-Eickels ersetzt. Diese Expansions-Initiative erbrachte nicht den erhofften Erfolg, da inzwischen der Zweite Weltkrieg ausgebrochen war und für den Handel keine Motorräder und Autos geliefert wurden. Es ging alles an die Kriegsfront, und so musste der Ausstellungsraum in der Mozartstraße wieder aufgegeben werden. Reparatur-Betrieb und die Fahrschule standen nun im Vordergrund.

Während des Krieges wurde der Betrieb zum Heimat-Kraftfahrzeugbetrieb ernannt. Josef Heilmann wurde vom Wehrdienst freigestellt, seine Aufgabe war es nun, die an der Kriegsfront beschädigten Motorräder und Autos deutscher und sonstiger Herkunft zu reparieren und für den Fronteinsatz wieder fit zu machen.

Abends erteilte Josef Heilmann theoretischen und praktischen Fahrunterricht, in dem insbesondere die in der Heimat verbliebenen Frauen mit der Führung eines Kraftfahrzeuges vertraut zu machen.

Doch von den Bomben blieb auch der Betrieb Heilmann nicht verschont. Dieser wurde von 6 Bomben und 1 Luftmine zu 80% zerstört.

Und wieder hieß es: Die Ärmel hochkrempeln und erneut aufbauen. Motorräder und Autos gab es nicht, so musste der Betrieb mit der Fahrschule und der Reparatur der vorhandenen Kraftfahrzeuge über Wasser gehalten werden. Die fehlenden Ersatzteile wurden an der Drehbank selbst angefertigt und angepasst.

Für die Fahrschule stand ein Opel P 4, bestückt mit zwei Methangasflaschen auf dem Dach, und ein OM Brescia mit Abschleppkran, angetrieben durch acht Treibgasflaschen, zur Verfügung. Beide Kraftfahrzeuge wurden die Woche über als Fahrschulwagen eingesetzt, am Sonntag ging es dann zum Auftanken zu den Chemischen Werken nach Marl-Hüls, später zur GAVEG an der Holsterhauser Straße.


Ansicht des Officine Meccaniche Brescia, kurz OM genannt mit Abschleppkran, angetrieben durch acht Treibgasflaschen.

Nach Wiederaufbau und Wirtschaftswunder konnte der Betrieb weiter ausgebaut werden. Josef Heilmann erzählte gerne folgende persönliche Erfahrung:

"Da es, unmittelbar nach Kriegsende, auch keine Ziegelsteine zu kaufen gab, mussten die alten Steine aus den beschädigten Gebäudeteilen sauber geklopft werden, damit wieder gebaut werden konnte. Und so ging man im ganzen Familienkreis ans Steineklopfen und stapelte die fertigen, sauberen Steine auf einen Haufen, um mit den Maurerarbeiten anfangen zu können".

Man hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht:
Denn Priorität Nr. 1 war die Wiederinstandsetzung der Infrastruktur der Straßen. Und so kam ein Bagger der damaligen Alliierten und schob den ganzen Stapel geputzter Ziegelsteine in einen Bombentrichter auf der Dorstener Straße. Eine bittere Enttäuschung, aber eine Beschwerde-Instanz für derartige Eingriffe in persönliches Eigentum war zu der Zeit noch nicht eingerichtet.

Nach Wiederaufbau und Wirtschaftswunder konnte der Betrieb weiter ausgebaut werden. Für die Firma Heilmann bedeutete diese Epoche zunächst einen äußerst regen Handel mit Motorrädern.


Der Handel mit Motorrädern bestimmte über viele Jahre die Geschäfte der Firma Heilmann. Dabei diente der Buschmannshof häufig als Ausstellungsfläche.

Seit 1950 waren auch Automobile der Bremer Borgward-Gruppe mit Lloyd, Goliath und Borgward Hansa mit im Programm. Um diesen Motorisierungsboom bewältigen zu können, musste auch für die Ausstattung des Betriebes erhebliches Kapital investiert werden.

Die Ausstellungspalette der Automobile der Bremer Borgward-Gruppe.

Das Betriebsgelände wurde durch Zukauf nach und nach auf 8 241 qm erweitert. Um die Tankstelle wurde zunächst ein kleinerer Ausstellungsraum mit Ersatzteillager errichtet. Im Jahre 1959 wurde die bisherige Tankstelle von BP innerhalb des Grundstücks verlegt und zu einer modernen, großzügigen Tankstelle ausgebaut. Die alte Tankstelle wurde im Zuge einer erheblichen Erweiterung zu einem Ausstellungsraum und einer Fahrschule umgebaut.

Ansicht der alten Tankstelle an der Dorstener Straße 281.

Ansicht der neu Errichteten Tankstelle an der Dorstener Straße 281.

Im Jahre 1952 ging die Firma Heilmann eine Verbindung mit dem damaligen drittgrößten Automobilproduzenten der jungen Bundesrepublik, den Ford-Werken in Köln, und zwar zunächst als Unterhändler der Firma Schunk in Gelsenkirchen ein. Ein Jahr später trennt sich die Firma Heilmann als Unterhändler von der Firma Schuk und wurde Ford-Haupthändler für Wanne-Eickel. Über die Abnahmepflicht für das erste Jahr kann man heute nur noch schmunzeln, ein Auto pro Monat - also 12 Autos im Jahr. Es wurden aber im ersten Jahr bereits 20 Autos verkauft.

Am 15. September 1964 wurde mit einem Erweiterungsbau von 1 000 qm, in einer Bauzeit von 8 Monaten, die modernste Werkstatt am Ort gebaut, ausgerüstet mit neuesten Mess- und Testgeräten und einem Inspektionsstand.




Werbeanzeige aus dem Jahre 1964.





















Anlässlich des 70. Geburtstages des Firmengründers Josef Heilmann wurde der Betrieb von 1969 bis 1981 an einen ehemaligen Mitarbeiter verpachtet.

Werbeanzeige aus dem Jahre 1974.

Der Verkauf von Neufahrzeugen stieg ständig. So konnten im Jahre 1965 rund 400 Ford- Neufahrzeuge ausgeliefert werden. Im Jahre 1989 wurde erstmalig die Schallgrenze von 500 Neuwagenauslieferungen überschritten. Im Jahre 1991 kam es zur Rekordauslieferung von 834 Neuwagen in einem Jahr.

Im September 1983 wurde nach einer Bauzeit von einem Dreivierteljahr die neue Ausstellungshalle an der Dorstener Straße eröffnet.




Im Jahre 1992 übernahm die Tochter des Firmengründers Josef Heilmann, Marion Richter den Betrieb. Sie leitete mit dem Heilmann-Geschäftsführer Heinz Huschenbeth das Autohaus.

Seit 1989 engagierte sich das Autohaus Heilmann zusammen mit der Stadt Herne einmal im Jahr mit der Veranstaltung. "Jazz in der Werkstatt", an denen nicht selten 600 bis 700 Jazzbegeisterte teilnahmen.



















Programmheft "Jazz in der Werkstatt" Juni 1996.

Im Jahre 1996, zum 75jährigen Firmenjubiläum beschäftigte die Firma Heilmann rund 50 Mitarbeiter.

Auf Grund stark eingebrochener Nachfrage im Neuwagengeschäft, kam dann nach fast 88 Jahren das "Aus" für das renommierte Autohaus Heilmann. Die Tagespresse schrieb hierzu wie folgt:
"Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Josef Heilmann Kraftfahrzeuge GmbH & Co ist eröffnet worden. Die Firma stellte Ende Februar 2009 ihren Betrieb ein".


Die Ausstellungsräume von Heilmann an der Dorstener Straße, aufgenommen im März 2009.

Nach Auskunft von Insolvenzverwalter Ulrich Zerrath aus Recklinghausen waren davon etwa 35 Mitarbeiter betroffen.

Am 25. März 2009 um 11.00 Uhr erfolgte die Insolvenz-Versteigerung durch den Auktionator Ziegler. Damit wurde ein weiteres Kapitel "Traditions-Firmen in Wanne-Eickel" geschlossen.


Im März 2014 wurden dann die Gebäude der Traditions-Firma Heilmann abgebrochen.

Aufgenommen im März 2014Aufgenommen im März 2014Aufgenommen im März 2014Aufgenommen im April 2014Aufgenommen im April 2014Aufgenommen im April 2014Aufgenommen im April 2014Aufgenommen im April 2014Aufgenommen im April 2014Aufgenommen im April 2014Aufgenommen im April 2014Aufgenommen im April 2014

Das geräumte Gelände des ehemaligen Autohauses Heilmann, aufgenommen im Februar 2015.

Das ehemaligen Autohauses Heilmann an der Dorstener Straße 281, gelangte im Oktober 2013 durch das illegale Winterlager des Circus Monti noch einmal zu unrühmlicher Bekanntheit.

Nach dem Abriss der Gebäudeteile entstand an gleicher Stelle der REWE-Markt Mokanski, der Ende Oktober 2015 eröffnet wurde.

Der REWE-Markt Mokanski bietet auf einer Verkaufsfläche von 1800 Quadratmeter rund 20 000 Artikel. Zum Supermarkt gehört eine Bäckerei mit Cafe, ein Blumenladen sowie eine kombinierte Lotto Annahmestelle / Postagentur.


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Quellennachweis:
Einwohnerbuch für die Stadt Wanne-Eickel 1937.
Tagespresse aus dem Jahre 1983, 1996, 2009, 2013, 2014.
Heimatfestbuch: Heimattag der 100 000, Wanne-Eickel August 1964.
Autohaus Heilmann: 75 Jahre Firma Heilmann, Herne Juni 1996.
Weitere Info unter: www.rewe-mokanski.de

Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.



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