Wanne-Eickel-Historie


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Alt Cranger Originale

Alt-Cranger Originale


Sie sind schon lange tot, die Alt-Cranger Originale, aber ihre Erinnerung ist noch treu bewahrt in den Anekdoten, die sich die Cranger Pohlbürger immer noch von ihren Eigenheiten erzählen. Es waren „Criminell“, Heinnrich Klostermann und der alte Garthmann, sie verkörperten ein Stückchen Alt-Cranger Überlieferung.

Als ältester von fünf Brüdern wurde Heinrich Klostermann um das Jahr 1840 geboren. Der elterliche Kotten lag an der Dorstener Straße, dem Schacht 2 der Zeche Unser-Fritz gegenüber. Er lernte das Schuhmacherhandwerk, und als er einst ein paar lederne Handschuh für die Schachthauer machen sollte, machte er zwei linke. Damit war der Meister nicht einverstanden und nach einigen Ohrfeigen sollte er den einen umarbeiten. Doch Hännrich meinte: „Warum, wir machen zwei rechte Handschuhe, dann ist die Sache im Lot“. Er ist 72 Jahre alt geworden, hat aber während seines ganzen Lebens das in dem obrigen Ausspruch enthaltene „Gesetz von der Erhaltung der Kraft“ treu und brav befolgt. Sein Wahlspruch war: „Von der Arbeit gehen die besten Pferde kaputt“. Sein jüngerer Bruder erhielt die elterliche Besitzung, er selbst ging als Knecht zu dem Gastwirt Wilhelm Garthmann. Unzählig sind die „Stückskes“, die von ihm erzählt werden, und die alle einen schlagenden Mutterwitz enthalten.

Eines Tages sollte Hännrich Klostermann eggen, doch er zog es vor, sich mit dem Pferde unter einen alten Weidenbaum in den Schatten zu stellen. Von einem Bekannten aufgefordert, zu arbeiten, sagte er: „Eck kann met dem Piäd gar nich üöwereinkommen, wann ät well, dann well eck nich, un wann eck well, dann well ät (das Pferd) nich“. Also blieben beide im Schatten.

Ein andermal wollte Garthmann einen Fischteich mit Erde anfüllen. Hännrich sollte die angefahrene Erde in den Teich werfen. Der in der Nähe wohnende Pfarrer hatte schon eine geraume Weile Hännrichs Bienenfleiß bewundert. Dann ging er zu dem sich meistens auf sein Werkzeug stützenden Hännrich und stellte ihm die Frage: „Na Hännrich, wann wird der Teich wohl zugefüllt sein“, worauf Hännrich nach einigem Nachdenken meinte: „Ja Herr Pastor, eck glöw, dat erliäv wi alle beide nich“.

So sah es um 1920 in Alt-Crange aus, heute erinnert noch die gleichnamige Straße an die dörfliche Beschaulichkeit.

Es kam der Tag, an dem sollte Hännrich einen Sack Gerstenmehl aus der Hüller Mühle holen. Nachdem er das Mehl erhalten und eine Strecke auf dem Rückweg mit seiner Schiebkarre zurückgelegt hatte, setzte er sich zum Ausruhen eine Weile auf den Karrenbaum. Ein des Weges kommender Handwerksbursche fragte ihn nach der Zeit. Hännrich guckte nach der Sonne und sagte dann, es sei 4 Uhr, aber genau sei das nicht, er habe seine Uhr vergessen, die er, weil er Geld brauchte, für 3 Mark gern abgeben wolle. Das gefiel dem Handwerksburschen und er erklärte sich bereit, mit Hännrich zu gehen. Letzterer schob wieder los, aber nach einer Weile musste er sich schon wieder setzen. Dabei fragte er so ganz bescheiden seinen Begleiter, ob er nicht ein wenig schieben wollte. In Erwartung der billigen Uhr sagte der gern zu. So schoben die beiden abwechselnd das Mehl nach Hause, wobei Hännrich schon dafür sorgte, dass der Handwerksbursche stets eine längere Strecke schob. Zu Hause angekommen, stellte Hännrich das Mehl auf die Deele, sagte zu dem Handwerksburschen, er wolle die Uhr holen und verschwand in seine Kammer. Der Handwerksbursche wartete und wartete. Hännrich kam nicht wieder. Schließlich ging der Handwerksbursche ins Haus, wo er erfuhr, dass Hännrich nie im Besitz einer Uhr gewesen sei.

Einen guten Kameraden fand Hännrich im dicken Garthmanns Wilhelm. Eines Tages sollten die beiden die aus Fachwerk erbaute und an der Dorstener Straße stehende Kegelbahn abbrechen. Die beiden fingen an, aber als zur Frühstückszeit „Criminell“, ein alter Stammgast, die von ihnen geleistete Arbeit besah, meinte er: „Die werden in drei Wochen noch nicht fertig.“ Garthmann rief dann die beiden zum Frühstück, welchem Ruf gern Folge geleistet wurde. Während dieser Zeit entwarfen Garthmann und Criminell einen Plan, um die beiden besser anzufeuern. Als die Arbeit wieder anfing, fanden sich Garthmann und Criminell auch ein, und der erste sagte so ganz beiläufig, dass sein Großvater stets davon erzählt habe, dass hier unter dem Fundament der alten Kegelbahn während der Franzosenzeit ein Schatz vergraben sei, man wisse nur nicht genau wo, ebenso alte Waffen, und wo diese gefunden würden, sei auch der Goldschatz in der Nähe. „Gib mir mal die Hacke“, sagte Criminell zum Hännrich, „du sollst ja wohl schon bald müde sein.“ Er fing an zu hacken, auf einmal stieß er auf einen harten Gegenstand und als er ihn freigelegt hatte, zeigte sich ein alter, verrosteter Stoßdegen den Blicken der erstaunten Arbeiter. „Seht Ihr wohl“, sagt Garthmann „der Großvater hatte doch Recht gehabt.“ Er nahm nun die Hacke und nach einer Weile zog er einen alten Lappen aus der Erde, er hob ihn hoch und da fiel ein Zwanzigmarkstück heraus. Wilhelm und Hännrich staunten Bauklötze, doch Hännrich fand zuerst die Sprache wieder, indem er sagte: „Dat hört uns, das ist unsere Arbeit hier.“ „Nein“, sagte Garthmann, das habe ich ja herausgegraben, aber was Ihr von jetzt an findet, das soll Euch gehören.“ Wilhelm und Hännrich arbeiteten jetzt wie die Pferde und ehe es Abend war, lag die Kegelbahn am Boden, doch gefunden haben die beiden nichts weiter.












Die Straße Alt Crange in Gegenrichtung aufgenommen, wo heute noch folgende Fachwerkhäuser erhalten geblieben sind: Altcrange Nr. 3, erbaut 1784; Altcrange Nr. 4, erbaut 1748; Altcrange Nr. 6 erbaut 1747; Altcrange Nr. 7, erbaut 1804; Altcrange Nr. 10, erbaut 1825; Altcrange Nr 11, erbaut 1794; Altcrange Nr. 12, erbaut 1746.

Bei einem besonders schwereren Gewitter kam Criminell bei Garthmann hereingeflüchtet. Als das Unwetter immer stärker tobte, meinte Hännrich ganz nachdenklich: „of jetzt wuoll dä Welt unnergäit?“ „Ja“, sagt Criminell, ich habe immer von meinem Großvater gehört, wenn die Welt mal untergeht, dann fängt das mit einem Gewitter an“. „Wo mag ät dann wuoll am sichersten sien?“, fragte Wilhelm. „Nun“, meinte Garthmann, das ist es ohne Zweifel im Backofen, das Gewölbe des Ofens hält jeden Druck aus.“ Hännrich und Wilhelm sehen sich an, dann verschwindet Wilhelm aus der Wirtsstube und Hännrich folgt seinem Kumpel in den Keller, wo der Backofen liegt. Aber auch die anderen beiden, Garthmann und Criminell, folgen vorsichtig in den Kellerflur. Da sahen sie, wie Hännrich mit seinem schwarzen Frack und der hellkarierten Hose, seinem Lieblingsanzug, nach einem besonders heftigen Blitzschlag eiligst in den Backofen hineinkroch. Wilhelm wollte nun auch hineinkriechen, doch für seine 270 Pfund war die Öffnung zu klein, er versuchte es noch einmal, indem er zum Hännrich sagte: „Nun help mi mol un treck mal düchtig.“ Hännrich zog, was er konnte, doch alle Mühe war vergebens, es ging nicht. Überraschend schnell lässt das Gewitter nach und Wilhelm meinte: „Ach, es ist ja gar nicht mehr nötig.“ Die beiden Beobachter gingen wieder in die Wirtsstube, in der nach einer Weile auch die anderen beiden wieder erschienen. da sagte nach einer Weile Criminell: „Hännrich, wat sühst du so dreckig giäl op den Puckel ut?“ „Oh“, lachte der dicke Wilhelm, „dä Hännrich hät im Backoaven gesiätten.“ „Si män stille“ siet Hännrich, „du wols gü ouk rin, ower du wös vüll te dick, du dicker Korre.“

Hännrich war sehr sparsam, ja geizig, und so sehr er auch dem Alkohol huldigte, Geld gab er nicht gern dafür aus. Wurde bei Garthmann ein Fest gefeiert, dann war Hännrich in vorgerückter Stunde spät abends eifrig dabei, die in den Gläsern noch vorhandenen Neigen zu sich zu nehmen. Dann konnte er selbstverständlich nicht immer bei der gleichen Sorte bleiben, aber das machte ihm auch gar nichts aus, er mochte alles. Und so war er denn eines Abends sanft und selig entschlummert und Garthmann ließ ihn auch weiter schlafen, als er die Lampe löschte. Eines von den Dienstmädchen, mit denen Hännrich stets auf Kriegsfuß stand, holte dem Hännrich in diesem Zustand das sonst so ängstlich gehütete Portemonnaie aus der Tasche und gab es Garthmann. Dann hing sie sich ein weißes Tischtuch um und rumorte so lange im Saal herum, an Hännrichs Tisch und Stuhl stoßend, dass dieser, trotz seines Rausches, aufwachte. Als er den Geist erblickte, rannte er ins Haus mit den Worten: „Aet spöickt im Saal, do es an Gäist drin“. dabei hatte er infolge des Katers und der Angst selbst große Ähnlichkeit mit einem Geist. Er wurde natürlich ausgelacht, musste aber ungeachtet seines Sträubens an der dann folgenden Untersuchung des Saales teilnehmen, aber der Geist war und blieb verschwunden. „Och du met dinen Gäist“, sagte Wilhelm, „dat Spöiken es gü gar känne Mode mä“. Nachdem sich Hännrich dann einigermaßen beruhigt hatte, fasste er in seine Tasche, und - sein Geld war weg. Hännrich fluchte und tobte, und Wilhelm meinte: „Ja, wenn dat Geld wäg es, dann kann dat doch wuoll än Gäist di abgehalt häben.“ Da kam der Revierpolizist hinzu, der von Garthmann sofort eingeweiht wurde. Er hörte den Widerstreit der Meinungen und erzählte dann, er habe auf der Bahnhofstraße vor einer Viertelstunde ein paar sich streitende Burschen auseinander treiben müssen. Er habe die beiden untersucht und bei dem einen dieses Portemonnaie gefunden. Dabei zeigte er dasselbe und Hännrich schrie auf vor lauter Freude: „Oh, dat es gü dat mine“ und wollte es schon gleich dem Polizisten aus der Hand nehmen. „Halt“, sagte der letztere, „so geht das nicht, Herr Klostermann, wenn das Ihr Geldbeutel sein soll, wie viel Geld war denn darin?“ Hännrich sagte nun genau die Summe, die beim Nachzählen stimmte. Hännrich erhielt seinen Schatz wieder und Wilhelm meinte: „Sühst du wuoll, ek häw di gü fuots gesagt, dat Spöiken es käne Mode mä, dä beiden Krummen häbt dat Geld geklaut.“ Das leuchtete dem Hännrich wohl so halberlei ein, „aber“, meinte er, „den Gäist häw eck ower doch ganz dütlich gesein, und holl du mä de Mule, äimol kürste so, un`n annermol so“.

Alt Crange um 1900.

Die Gespensterfurcht der beiden war sehr verständlich. Hörten sie doch seit einiger Zeit des Abends in der Dunkelheit draußen so allerhand Töne, mitunter melodische, aber meistens so ungeheuerlich, so klagend und dann wieder so schrill, dass sie sich die Sache gar nicht erklären konnten. „Aet es wir für dä Dür am bölken“, sagte dann Wilhelm, wenn er in die Wirtsstube kam. Garthmann und Criminell und als Dritter im Bunde ein Stammgast Franz schauten sich verständnisinnig an und dann wurden die ältesten Gespenstergeschichten hervorgeholt, während Wilhelm und Hännrich zuhörten und auf diese Weise das Gruseln aus dem Fundament lernten.

Die beiden haben es nie erfahren, welche Täuschung das obengenannte Kleeblatt sich mit ihnen erlaubte. Sie wussten nicht, dass diese drei auf dem flachen Dach des kleinen Nebensaales eine Aeolsharfe aufstellten, welche, im Winde drehbar, je nach der Einstellung die schauerlichen und grausigen Töne hervorbrachte. Dabei gebrauchten sie die Vorsicht, die Harfe nach einigen Stunden wieder herunter zu holen, so dass niemand die Ursache entdecken konnte. Die Folge war, dass Hännrich und Wilhelm steif und fest behaupteten: „Aet spöikt im Gaden“.

Hännrichs Anzug war meistens ein ausgedienter schwarzer Frack, eine helle, großkarierte Hose von zweifelhafter Farbe und ein verbeulter Zylinder. Da war es denn nicht verwunderlich, dass er gerne von der Jugend geneckt wurde, besonders dann, wenn sein Gang durch Alkohol stark beeinflusst wurde. Hännrich wehrte sich, so gut es ging, doch die Jugend ist bekanntlich flinker und so konnte er nur selten Rache an den Neckteufeln nehmen.

An einem heißen Sommerabend fand Hännrich einen von seinen besten kleinen „Freunden“ im Dannekamp hinter einem großen Dornbusch schlafend. Er lag auf dem Rücken, alle Vier von sich gestreckt. Warte, dachte Hännrich, jetzt krieg ich dich aber. Er rührte mit einem Stock in einem Kuhfladen herum und schmierte dann den grüngelben Mist langsam und vorsichtig an Daumen und Zeigefinger der rechten Hand seines „Freundes“. Dann nahm er eine lange Schmiele oder Grashalm, stellte sich behutsam hinter den Kopf des Schläfers und kitzelte ihn mit der Schmiele an der Nase. Den Erfolg kann man sich denken, er rieb sich mit beiden Händen den Kuhmist an die Nase und als er verwundert aufsprang, sah er seinen lachenden „Freund“, der ihn mit den Worten begrüßte: „No, Männcken, dütmol kann di dat Utriten niks helpen“, worauf der Junge dann noch kräftig von Hännrich verprügelt wurde.

Alt Crange um 1900.

Während der Nachkriegszeit gab es Fleischkarten. Hatte jemand ein Schwein oder ein anderes Tier geschlachtet, dann wurden ihm, dem Gewicht des Tieres entsprechend, für eine gewisse Zeit die Fleischkarten entzogen. Um letzterem zu entgehen, wurde manches Tier schwarz geschlachtet. Eines Tages kam nun der Schlachthofdirektor zu Garthmann in die Wirtschaft und begann ein Gespräch mit Wilhelm. Sie sprachen über Schweine und Kälber und so ganz beiläufig meinte der Direktor, Hännrich habe ihm erzählt, Wilhelm habe ein paar kleine Schweine geschlachtet und sie als Spanferkel gebraten. Da aber fuhr Wilhelm ganz empört auf: „Herr Direktor, dat mei gitt mä nich glöwen, dä Hännrich“, und damit fasste er sich an die Stirn, „dä es gü ganz plemm plemm“.

Wilhelm und Hännrich mussten täglich im Herbst das abgefallene Laub zusammenfegen. „Eck fiäg nich mä“, sagte eines Tages Wilhelm, und Hännrich stimmte bei, „murgen liett gü doch alles wier vull“. Erst als Garthmann deutlich wurde, begaben sich die beiden wieder an die Arbeit, jedem wurde eine bestimmte Fläche zugewiesen. Nach einer Weile fand Hännrich ein 50 Pfennig Stück unter dem Laub. Er wollte es ganz verstohlen aufheben, doch Wilhelm hatte es schon bemerkt, kam heran und fragte, was er da gefunden habe. Strahlend zeigte Hännrich seinen Fund, und Wilhelm meinte: „Dann well eck hier ok mol fiägen“. Doch Hännrich war anderer Meinung und sagte: „Hier häs du nichts verlurn, mak dat du wegkömms“. Nun fand auch Wilhelm ein 50 Pfennig Stück, worauf Hännrich sagte: „Eck woll, wie häddn doch iäben getuscht“.

Von dem Tag an war es nicht mehr erforderlich, die beiden zum Laubfegen anzuhalten.

Die Seele des Kleeblattes, die alle diese Streiche ausheckten, war der schon mehrfach genannte Criminell. Von Beruf Bergmann, wohnte er vor 50 Jahren im Dannekamp und war infolge seiner Tüchtigkeit Knappschaftsältester und dann Oberältester geworden. Damals trug der Dannekamp einen noch ganz ländlichen Charakter, obschon die Tannen abgeholzt waren. Es standen nur vier Häuser dort.

Criminell hatte jedoch einen Fehler, er aß gerne Hasenbraten. Der in der Nähe auf dem ehemaligen Haus Steinhausen wohnende Förster machte den Gendarmen auf das Treiben aufmerksam, jedoch vergeblich. Da kam der Gendarm eines Tages im Winter und revidierte, ohne zu fragen, die Gartenhecke von innen auf ausgelegte Schlingen, ohne etwas zu finden. Nach einem Schneefall ging er wiederum, ohne sich anzumelden, in den Garten. Fast war er auf einem Nebenpfade bis in die Nähe der Hecke gelangt, da versank er auf einmal bis zum Koppel in der Erde, sich die Schienbeine an den Kanten eines dort eingegrabenen Fasses blutig stoßend. Er arbeitete sich wieder heraus und ging dann schimpfend und stotternd in das Haus. Criminell hatte vom Fenster aus den Vorgang beobachtet, und als nun der Mann des Gesetzes losplatzte: „Wie können Sie sich unterstehen, da im Garten ein Fass einzugraben?“, da setzte sich Criminell in Positur, drehte seinen langen Napoleonsschnurrbart zu ein paar dolchartigen Spitzen aus und stellte die Gegenfrage: „Wie können Sie sich unterstehen, Herr Wachtmeister, meinen Garten ohne meine Erlaubnis zu betreten?“ Der Wachtmeister polterte weiter: „Aber das Fass, das Fass, was soll das in der Erde?“ „Herr Wachtmeister, ich verbitte es mir in Zukunft ein für allemal, dass Sie meinen Garten ohne meine Einwilligung betreten, und das Fass - nun, darf ich denn kein Fass in meinem Garten eingraben, um Wühlmäuse zu fangen? Was suchen Sie eigentlich in meinen Garten? Wollen Sie auch Wühlmäuse fangen?“ Der Gendarm sah ein, dass er sich blamiert hatte und verschwand hinkend.

Blick in die Dorstener Straße mit Haus Garthmann Nr. 548, um 1935.

Als der Freiherr von Rump im Jahre 1817 nach Dellwig bei Marten zog, setzte er einen Förster als Aufseher des noch ungefähr 800 Morgen großen Grundbesitzes ein.

Der Förster hatte sich einen besonders klugen Jagdhund herangezogen und als auf einer Jagd der Gutsherr die hervorragenden Eigenschaften des Tieres kennen lernte, erwachte der Wunsch in ihm, das Tier zu besitzen. Er bot dem Förster Geld, doch dieser lehnte ab. da bot ihm der Freiherr eine 15 Morgen große Fläche im Dannekamp, auf der sie gerade Jagden, als Kaufpreis an, worauf der Förster das Angebot annahm. Er baute sich ein Haus auf dem so billig erworbenen Boden. Später pachtete er sich vom Gutsherrn noch weitere Flächen und so wurde aus einem Förster ein Landwirt.

Doch in seinem Sohne, dem allbekannten „Au au“, erwachte das alte Förster- und Jägerblut wieder. Den Namen "Au au" hatte er sich dadurch erworben, dass er stark stotterte und jeden Satz mit „Au au“ begann. Das Hertener Bruch barg damals noch viel Hochwild, das im Winter und Frühjahr durch die Flaute ging und die benachbarten Saaten abfraß. Da war es begreiflich, dass "Au au" zur Büchse griff und manchen Hirsch nach Bochum brachte, besonders da der Graf von Herten jede Entschädigung für Flurschaden ablehnte, und Rump den Pächtern den Abschuss der austretenden Tiere freigab. Dieser Zustand wurde jedoch für Hertens Wildbestand bedenklich und so sah sich der Graf von Herten gezwungen, anfangs 1870 den südlichen Teil des Bruches durch mannshohe Palisaden einfriedigen zu lassen. Aber durch die in das Bruch hineinführenden Wege war den Tieren immer noch die Möglichkeit gegeben, auszubrechen und "Au au`s" Weizen blühte weiter. In einer Sonntagsnacht hatte er zur Herbstzeit wieder mal eine Bock geschossen und denselben in dem etwa 30 Meter vom Hause stehenden Backhaus versteckt, um ihn in der nacht zum Montag nach Bochum zu bringen. Bekannte hatten das herausgefunden und als sie nachmittags bei Garthmann in der Wirtsstube saßen, bot einer die Wette an, für ein Liter Schnaps dem "Au au" den Bock aus dem Backhaus zu holen und zwar sofort. Die Wette wurde angenommen. Zwei Mann begaben sich mit der Flasche Schnaps ins Haus des alten "Au au", diesem ein wenig die Zeit zu vertreiben. Im laufe des Gesprächs ziehen sie die Flasche hervor und nun war alles in bester Butter. Mittlerweile holen die anderen den Hirsch aus dem Backhaus, um ihn anderswo zu verstecken. Als nun "Au au" in der Nacht den Bock aufladen will, ist er verschwunden, worauf er stotternd gesagt haben soll: „Au au, dat hät dem Pastor von Crange siene Jungen gedon“.


Letzterer saß eines Tages bei Garthmann in der Wirtschaft. Da kamen drei gräfliche Jäger herein und hingen ihre Büchsen an den Mantelstock, ohne sie zu entladen. Der Pastor machte sich an den Büchsen zu schaffen und spielte am Abzug, was sich die Jäger ganz energisch verbaten. Da forderte der Pastor Garthmann auf, sofort die Jäger zu veranlassen, die Gewehre zu entladen, da es unzulässig sei, in einem öffentlichen Lokal geladene Gewehre aufzuhängen. Garthmann kam diesem Verlangen nach, worauf natürlich die Jäger ihre Büchsen entladen mussten. nachdem dies geschehen war, sagte der Pastor: „Jetzt muss ich noch mal eben in den Dannekamp gehen.“ Natürlich ging er nach Hause, während die Jäger 10 Minuten nach seinem Weggang eilig dem Dannekamp zustrebten.


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Quellennachweis:
Funke, Heinrich: Alt-Cranger Originale, 500 Jahre Dorf Crange und Cranger Kirmes, S. 33 ff.

Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.


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